Bloede Muetze

Eine echte Familienproduktion: Johannes Schmid verfilmt das Romandebüt seines Bruders Thomas Schmid. Der erzählt in „Blöde Mütze!“ die Geschichte eines Jungen, der neu in eine Kleinstadt kommt und seine erste Liebe erlebt. Ein sympathischer und stimmungsvoller Film, der zudem glaubhaft die Familienprobleme Scheidung, Alkoholismus und Abwesenheit der Eltern anspricht.

Webseite: www.bloedemuetze.de

Deutschland 2007
Regie: Johannes Schmid
Buch: Johannes Schmid und Michael Demuth (nach der Buchvorlage von Thomas Schmid)
Darsteller: Johann Hillmann, Konrad Baumann, Lea Eisleb, Inka Friedrich, Stephan Kampwirth, Claudia Geisler, Andreas Hoppe, Inga Busch
Laufzeit: 91 Minuten
Verleih: Farbfilm/Barnsteiner-Film
Kinostart: 24.4.2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Freunde von traditionellen und modernen Kindererzählungen erleben in schöner Regelmäßigkeit ein  Deja-vú-Erlebnis: Die jungen Helden sind Waise oder Halbwaise und schwer mitgenommen vom Tod ihrer Eltern oder eines Elternteils. Durch ein Abenteuer wachsen sie über sich selbst hinaus und können das Trauma überwinden. Dieses beliebte Autoren-Stilmittel soll in der Regel Sympathie oder Mitleid für die Hauptfigur schaffen. Doch zu Recht bemängeln Kritiker, dass sich die Erzählungen damit immer weiter aus den Lebenswelten moderner Kinder entfernen würden, von denen die meisten doch eigentlich ganz andere Probleme hätten.

 

Das Debüt „Blöde Mütze!“ von Johannes Schmid kann man daher als Glücksfall für das deutsche Kinder- und Jugendkino bezeichnen, denn hier muss niemand sterben, um der Geschichte eine brisante Ausgangslage zu geben.  Der Regisseur hat die Geschichte seines Bruders Thomas Schmidt verfilmt, die vom 12-jährigen Martin (Johann Hillmann) handelt, der neu ist in Bellbach, einem kleinen Städtchen in der ostdeutschen Provinz. Martin trägt ein dunkelblaues Baseballcap, auf dem „Champion“ steht. Seine Mitschüler, vor allem der aufbrausende Oliver (Konrad Baumann) geben dem schüchternen und schmächtigen Jungen einen passenden Spitznamen: Blöde Mütze.  Tischnachbarin Silke (Lea Eisleb) macht ihm derweil schöne Augen, und schon wird sie durcheinandergewirbelt die zarte Gefühlswelt von Martin, der doch eigentlich noch mehr Kind als Jugendlicher ist und erst am Anfang der Pubertät steht.

Johannes Schmid taucht tief hinein in die Seelen seiner jungen Figuren und zeigt ihre Ängste, die sich um die Scheidung der Eltern, die erste Liebe, das Neusein in einer fremden Umgebung und noch so vieles mehr drehen. Hier wird nicht romantisiert oder scheinbar kindgerecht verklärt, auch gibt es keine Überväter, die handwerklich so begabt sind wie Daniel Düsentrieb. Nein, „Blöde Mütze!“ begeistert als erster Kinder- und Jugendfilm seit langer Zeit mit ganz gewöhnlichen und daher so glaubhaften und nachvollziehbaren Charakteren, die selber nicht immer moralisch einwandfrei handeln und deshalb doch so menschlich und echt wirken.  Die Eltern sind teilweise nicht für ihre Kinder da oder schwere Trinker, eine alltägliche Situation für viele Jugendliche.

Wie in allen Kinderfilmen gibt es natürlich auch hier die notwendige moralische Botschaft: Gemeinsam ist man stark. Martin, Silke und Konrad werden zu echten Freunden, was der Film stimmungsvoll und vor atmosphärischer Sommerkulisse zu verstärken weiß. Die Drei fahren im warmen Augustwetter auf Fahrrädern über die Wiesen ihrer Kleinstadt und baden in kleinen Tümpeln, wo schwimmen eigentlich verboten ist.  Hier kann man sie noch einmal erleben: die Unbeschwertheit der Jugendjahre.

David Siems

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Das Alter zwischen 12 und 15 ist kein leichtes. Die Kinder bzw. Jugendlichen machen zum ersten Mal mit der Liebe Bekanntschaft, rebellieren gegen ihre Eltern, bilden ihre Persönlichkeit heraus und suchen sich den ihnen passenden Personenkreis. Davon handelt dieser Kinderfilm.

Martin ist mit seinen Eltern Uwe und Susanne soeben in das Städtchen Bellbach gezogen. In der Schulklasse rumpelt er gleich mit Oliver Huber zusammen, den er beim Stehlen erwischt hat. Aber dort ist auch Silke, auf die er sofort ein Auge wirft, obwohl diese mit Oliver befreundet ist.

Bei Martins Eltern ist alles o k. Die Familie von Oliver funktioniert dagegen nicht mehr. Der Vater trinkt und tut nichts, die Mutter hat einen Geliebten. Silkes Mama ist allein erziehend.

Es dauert nicht lange, bis die sich um Silke drehende Rivalität zwischen Oliver und Martin in einer Prügelei endet. Doch es geht später auch anders. Als Oliver in der Schule raucht und der dritte Verweis droht, der den Rausschmiss aus der Schule zur Folge hätte, nimmt Martin die Schuld auf sich.

Der Bann ist gebrochen, zumal Silke für einen Waffenstillstand plädiert. Doch es gibt noch Komplikationen genug. Oliver ist niedergeschlagen, weil sein Vater einen Herzinfarkt erleidet, die Mutter fremd geht und er Martin Silke küssen sieht. Diese ist traurig, weil ihr Vater nicht zum Sommerfest gekommen ist. Und Martin ertrinkt fast in dem Weiher „Riverpool“, der der bevorzugte Freizeitplatz der drei ist.

Über all dem Trubel steht aber am Schluss die Erkenntnis, dass die drei Freunde sind und einander brauchen. Wie es mit der Liebe zwischen Martin und Silke weitergeht, weiß der Himmel.

Sensationslos, einfach und linear wird die Geschichte der Kinder wie der Eltern berichtet. Die Einfachheit hat aber ihren Vorteil: Künstliches, an den Haaren Herbeigezogenes, Klischeehaftes, Effekthascherisches fällt weg, es herrscht Natürlichkeit, dem Alltag Abgeschautes, Ehrliches vor. Das ist hier weitgehend der Fall, sowohl was das Verhalten der Eltern als auch was die Reaktionen der Kinder anbelangt. Für die Dialoge und die Milieuzeichnung gilt das gleiche. Deshalb vor allem ist „Blöde Mütze“ als Kinderfilm brauchbar. Die Akteure spielen gut, die Eltern diskret, die Kinder auf eine lebendige Weise.

Für Kinder ist der Film sowieso. Aber vielleicht auch für Große, sollten sie Mühe haben, sich in die Welt der Kleineren hineinzuversetzen.

Thomas Engel