Bollwerk

Fast hat man sich an Wahlerfolge der AfD gewöhnt, auch im ehemaligen Westen der Republik erzielen die Rechten inzwischen weit mehr als Achtungserfolge. Aufgeben im Kampf gegen die Populisten ist dennoch keine Option, auch wenn der Kampf mühsam und oft gefährlich ist, wie Jakob Wehner in seinem Dokumentarfilm „Bollwerk“ zeigt.

 

Über den Film

Originaltitel

Bollwerk

Deutscher Titel

Bollwerk

Produktionsland

DEU

Filmdauer

62 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Wehner, Jakob

Verleih

Drop-Out Cinema eG

Starttermin

21.05.2026

 

Auch wenn die AfD in Sachsen als gesichert Rechtsextrem gilt schrammte die Partei bei den letzten Landtagswahlen im Jahr 2024 nur knapp an der Mehrheit vorbei, wurde bei der Bundestagswahl im letzten Jahr sogar deutlich stärkste Fraktion in Sachsen. In den größeren Städten wie Leipzig sieht das zwar anders aus, doch gerade in den ländlichen Regionen prägt der Erfolg der Rechtsausleger das tägliche Leben in Gemeinden und Kleinstädten.

So auch in Wurzen, einer Kleinstadt mit etwas mehr als 16.000 Einwohnern, die etwa 30 Kilometer östlich von Leipzig liegt. Hier hat der in Leipzig geborene Filmemacher Jakob Wehner seinen Dokumentarfilm „Bollwerk“ gedreht, der in kaum 60 Minuten Menschen porträtiert, die im besten Sinne des Wortes Zivilcourage beweisen und sich für ein friedliches Miteinander einsetzen.

Seit über 20 Jahren existiert hier das Netzwerk für Demokratische Kultur (NDK), das sich mit ehrenamtlichem Engagement für die Zivilgesellschaft einsetzt, gar nicht dezidiert gegen Rechts, sondern für ein Miteinander aller Menschen.

Schon in den 90er Jahren, während der in der Soziologie inzwischen als Baseballschlägerjahre bezeichneten Phase unmittelbar nach der Wiedervereinigung, war der vielleicht 50jährige Ludwig bei Demonstrationen gegen Rechts dabei. Inzwischen lebt der gebürtige Leipziger in Wurzen und engagiert sich immer noch, kämpft die gleichen Kämpfe – inzwischen gegen eine neue Generation von Rechten.

Während die Generation der Schläger aus den 90er Jahren inzwischen meist zur Ruhe gekommen sind, beruflich aktiv und nicht mehr aktiv gewalttätig sind, ist eine neue Generation nachgewachsen. Alte Probleme mit neuem Personal sozusagen, eine Verfestigung rechtspopulistischer Haltungen. Die einstige Hoffnung, dass sich das Problem AfD bald von selber lösen würde hat sich nicht bewahrheitet, im Gegenteil. Von Protestwählern kann angesichts von dauerhaft hohen, meist sogar wachsenden Zustimmungsraten und Wahlergebnissen nicht mehr die Rede sein, längst haben die Rechtspopulisten auch in den ehemaligen westdeutschen Bundesländern fast alle anderen Parteien hinter sich gelassen.

Panik könnte da ausbrechen, doch Ludwig und seine Mitstreiter bleiben ruhig, organisieren unermüdlich Veranstaltungen und bilden so ein sprichwörtliches Bollwerk gegen die zersetzenden Elemente mit denen die Rechtspopulisten sich Gehör zu verschaffen suchen.

Leicht kann das nicht immer sein, zumal viele Bewohner der Kleinstadt zwar Sympathien für die Aktivitäten des NDK zu hegen scheinen, es oft aber nicht wagen, diese auch öffentlich zu äußern. Zu groß scheint der soziale Druck, zu groß die Angst, sich angreifbar zu machen. Doch genau das zerstört die Zivilgesellschaft, genau mit dem schüren dieser Sorgen gelingt es der AfD, andere, demokratische Stimmen mundtot zu machen und nach und nach als normale, als wählbare Alternative zu wirken, auch wenn sie alles andere als das ist.

Fast ist man zwar versucht von einem an Sisyphus erinnernden Kampf zu sprechen, doch am Ende von Jakob Wehners ruhigem, aber nichtsdestotrotz engagiertem Dokumentarfilm wird deutlich, wie wichtig solche Bollwerke sind, wie sie in Wurzen existieren.

 

Michael Meyns

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