Buddhistische Stille

Der Dalai Lama ist in jüngster Zeit auf der Kinoleinwand mal wieder omnipräsent. Kurz nach dem Start der US-Doku „Dalai Lama Renaissance – A new birth“ (30.10.08), die das Zusammentreffen Seiner Heiligkeit mit einer Gruppe amerikanischer Wissenschaftler dokumentiert, ist er nun in einer sachlich und ruhig gehaltenen Dokumentation der Stuttgarterin Marita Grimke zu sehen. Im Mittelpunkt stehen bei ihr jedoch Menschen aus dem deutschen Sprachraum, die über ihren Zugang zu Meditation und Tibetischem Buddhismus Auskunft geben.

Webseite: www.buddhistische-stille.de

Deutschland 2008
Regie: Marita Grimke
Dokumentarfilm (nur digitale Projektion)
82 Minuten
Verleih: MyWay-Filmverleih (Start am 20.11.08)

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Zu gerne hätte Filmemacherin Marita Grimke den Dalai Lama für ihren Film „Buddhistische Stille“ persönlich besucht. Nicht, weil sie ihn das Wesen des Buddhismus erklären lassen wollte, sondern ganz einfach, um ihn in seinem Umfeld beim Meditieren zu filmen. Eine Audienz bekam sie zwar nicht gewährt, dank eines Zufalls lächelt Seine Heiligkeit jedoch auch bei ihr von der Leinwand herab. Er sagt dabei den schönen Satz: „Ihr wollt alles immer in ein paar Minuten erreichen. Das ist unrealistisch.“ Bezogen ist dieses Statement auf die Meditationspraxis als solche. Grimke hat in Deutschland, Österreich und der Schweiz buddhistische Meditation betreibende Menschen nach ihren Motiven und Erfahrungen befragt – darunter etwa Frank Huhn vom Buddhistischen Zentrum der Karma Kagyü Linie Stuttgart, die als buddhistische Nonne lebende Dagmar Winkler aus Schneverdingen oder die Wienerin Karin Hackl.

Filmisch ist das völlig unspektakulär, wechseln sich klassische Interviewsituationen immer wieder mit Aufnahmen ab, in denen die Gesprächspartner allein oder in einer Gruppe ihre Reise zur Erleuchtung antreten, sprich vor laufender Kamera meditieren. Sehr frei erzählen die Dalai-Lama-Jünger da von ihren Sorgen und Seelennöten und wie die Meditation ihr Leben verändert und ihnen bei der Bewältigung von Problemen in einer zunehmend technisierten und für manchen beängstigenden Welt geholfen hat. Nicht zuletzt auch darüber, wie sich die Lehren des Dalai Lama im westlichen Umfeld umsetzen lassen. Interessant dabei, dass auch Grimkes Doku zu dem Schluss kommt, erst die eigenen Probleme zu lösen, ehe man die Welt verändert.

Als wolle sie den Dalai Lama in seiner weiter oben angeführten Feststellung widerlegen, lässt sich Marita Grimke in ihrem Film Zeit. Fasziniert und inspiriert von Philip Grönings „Die große Stille“ (2005) hat sie zwischen die Interviewpassagen immer wieder kontemplative, aber unkommentierte Momente geschnitten, auch um zu zeigen, dass diese nicht immer so kontemplativ sind wie man meinen möchte. Auch kritisiert sie in jener Szene, die den Dalai Lama bei einer öffentlichen Meditation im Hamburger Rothenbaum-Tennisstadion zeigt, wie wenig geeignet eine solche die Massen bewegende Veranstaltung für den originären Zweck des gemeinsamen Meditierens ist. Die Wienerin Karin Hackl erkennt dort: nicht um den Lehrer geht es, sondern immer um einen selbst und das eigene Leben. Einen Lehrer braucht es hingegen nur, um auf den richtigen Weg, zum Beispiel hinaus aus einer tiefergreifenden Lebenskrise, geführt zu werden.

Von ursprünglich 19 Interviews hat Marita Grimke neun für ihren Film verwendet, die überzähligen sollen sich später einmal auf der geplanten DVD-Veröffentlichung befinden. Was natürlich nicht unter den (Schneide)tisch fallen durfte, sind die von einem der Interviewten (Paul Syska) zur Verfügung gestellten (und für „Buddhistische Stille“ vom Büro des Dalai Lama autorisierte) Aufnahmen, die den Dalai Lama bei seiner ganz privaten Morgenmeditation in Dharamsala zeigen. Sie sind das Bonbon in diesem sachlich informativen Mosaik persönlicher Lebensgeschichten. 

Thomas Volkmann