Bulp Fiction

Ist das Verbot der herkömmlichen Glühbirne wirklich nützlicher Umweltschutz? Oder stecken nicht doch ganz profane wirtschaftliche Interessen hinter der Entscheidung? Diese und viele andere Fragen stellt Christoph Mayr in seinem Dokumentarfilm „Bulb Fiction“, der in engagiertem Tonfall zum Hinterfragen der EU-Bürokratie, der Wirtschaft aber auch der Umweltschutzorganisationen aufruft.

Webseite: www.bulbfiction-derfilm.com

Österreich 2011 – Dokumentation
Regie, Buch: Christoph Mayr
Länge: 90 Minuten
Verleih: Farbfilm Verleih
Kinostart: 31. Mai 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Auf den ersten Blick wirkt die EU-Verordnung zum Verbot der herkömmlichen Glühbirne zwingend: Durch deutlich längere Brenndauer wird Energie gespart, dadurch der CO2 Ausstoß reduziert und die Umwelt geschont. Eine klassische Win-Win-Situation also, wie es zumindest ein Vertreter der EU nennt. Die großen Glühbirnen-Hersteller werden ihm durch gestiegene Umsätze fraglos zustimmen und auch eine Vertreterin der Umweltschutzorganisation Greenpeace klopft sich auf die eigene Schulter, schließlich habe man durch Engagement und Lobbyarbeit zum Umweltschutz beigetragen. Ob das allerdings wirklich stimmt ist eine Frage, der Christoph Mayr in seiner ebenso faktenreichen wie polemischen Dokumentation „Bulb Fiction“ nachgeht.

Dass es dabei in erster Linie um die profane Glühbirne geht, sollte allerdings nicht die Tatsache verdecken, dass die hier angeprangerten Strukturen von Machtmissbrauch, fragwürdiger Lobbyarbeit und Scheinheiligkeit auf ähnliche Weise auch für viele andere Bereiche zutreffen. Dass sich die wenigen großen Glühbirnenhersteller etwa schon früh darauf geeinigt haben, die Lebensdauer einer Glühbirne streng zu begrenzen, lässt sich auch für zahllose andere Branchen feststellen und ist ein fast schon akzeptierter Aspekt der kapitalistischen Konsumwirtschaft. Mit welchen Mitteln sie kleinere Konkurrenten vom Markt drängen, die sich erdreisten, Glühbirnen zu produzieren, die deutlich länger halten als gewöhnliche, ist dagegen weniger bekannt. Die Macht dieser Lobby scheint auch in Brüssel, innerhalb der EU-Bürokratie, gut zu funktionieren. Wie absurd es ist, dass Vertreter der Industrie über EU-Entscheidungen mitbestimmen, die ihnen selbst größere Profite versprechen, liegt auf der Hand. Dass die EU dennoch genau so funktioniert ist skandalös und einer der vielen Aspekte, bei denen man Mayr und seiner Argumentation nur zustimmen kann.

Weniger überzeugend sind dagegen Szenen, in denen er unorthodoxe Wissenschaftler zu Wort kommen lässt, deren Argumente oft in den Bereich der Verschwörungstheorien abzudriften drohen. Auch der fraglos tragische Fall eines Kindes, dass durch das Zerbrechen einer der mit Quecksilber gefüllten neuen Glühbirnen verletzt wurde und seine Haare verlor, wirkt allzu einseitig eingesetzt.

Die Position der Filmemacher ist eindeutig und dementsprechend nicht unbedingt darauf bedacht, ein objektives Bild abzuliefern, sondern aufzuwühlen und anzuprangern. So tragen Mayr und sein Kameramann Moritz Gieselmann, der die Idee zum Film hatte, zahlreiche Fakten zusammen, angereichert mit kurzen Animationssequenzen, die die Funktionsweise der EU-Bürokratie erläutern. Nicht nur hier erinnert „Bulb Fiction“ an die Filme Michael Moores, dessen polemische Herangehensweise an ähnlich heiße Eisen offensichtliches Vorbild war. So einseitig und teilweise auch manipulativ wie Moore ist Mayr aber zum Glück nie. Mit offensichtlicher Verwunderung über die teilweise absurden, haarsträubenden Funktionsweisen der EU-Bürokratie, von Messinstituten und vor allem der Industrie und ihrer Lobby, führt er durch die Welt der Glühbirne und trägt in den 90 sehr kurzweiligen Minuten von „Bulb Fiction“ viele Fakten und Denkanstöße zusammen. Was man mit diesen Informationen damit anfängt, dass bleibt dann jedem Zuschauer, jedem Verbraucher selbst überlassen.

Michael Meyns

Ein Lehrfilm über das Licht. Ohne Licht kann der Mensch nicht auskommen: die Augen nicht, die Haut nicht, das Gemüt nicht – und was sonst noch alles.

Sonnenlicht, Tageslicht, Kerzenlicht, Licht durch Feuer, Glühbirnen, Lumen, Lux, Kelvin, Kompaktleuchtstofflampen, Fluoreszenzlicht, Lichtfarbe, Lichtspektrum, Halogen, LED, Lichttemperatur – der Begriffe sind unzählige. Wie soll man sich da auskennen?

Der überaus sorgfältig konzipierte Film klärt auf. Viele Wissenschaftler melden sich zu Wort. Ein wesentliches Thema ist die Kompaktleuchtstofflampe, kurz Sparlampe genannt. Ist es richtig, dass durch sie die klassische Glühlampe ersetzen soll? Es sieht so aus, als seien EU-Rechtssätze ohne übergreifende Diskussionen und unter Einflussnahme der großen, führenden europäischen Lichtkörperproduzenten erstellt worden. Seriöse Wissenschaftler, Techniker oder auch Mediziner stellen die Sache ganz schön in Frage.

Was ist mit dem gefährlichen Quecksilber, das in jeder Sparlampe steckt? Wie verhält man sich bei einem Zerbrechen der Lampe? Beim Zerbrechen einer heißen, beim Zerbrechen einer kalten Lampe? Wie muss sie und vor allem das Quecksilber entsorgt werden?

Beispiele für eventuellen gesundheitlichen Schaden, für gravierende Mängel bei der Entsorgung, für die zeitlich praktisch unbeschränkte Giftigkeit des Elements Quecksilber, für den Verlust wichtiger gesundheitlicher Lichtbestandteile, für die höchst umstrittene Effizienz im Vergleich zu anderen Leuchtkörpern werden genügend geboten.

Dann die Historie: die Machenschaften des sogenannten Phoebus-Kartells, das die Brenndauer einer Glühlampe bereits in den 20er Jahren auf 1000 Stunden festsetzte, obwohl eine Glühbirne im besten Fall bis zu 15 000 Stunden Licht geben kann – damit verbunden die Ausschaltung der Konkurrenten des Kartells.

Nicht zu vergessen die Argumente der entschiedenen Befürworter der Sparlampe, der EU-Kommission also und beispielsweise von Greenpeace oder IKEA.

Zitate: „Jedes kleinste bisschen Quecksilber macht ein klein bisschen dümmer, weil es ja das Gehirn angreift“ (Labor für Chemische und Mikrobiologische Analytik). – „Es ist hier oftmals mehr Willkür als wissenschaftliche Seriosität am Werk gewesen“ (zur Arbeit der EU-Kommission). – „Mich erinnert vieles von dem, was die EU-Kommission hier macht, an Politbüro. Das hat diktatorische Züge“ (EU-Parlamentarier). – „Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie natürlich Geld Einfluss nehmen kann, ohne dass man direkt von Bestechung sprechen kann“ (Wirtschaftswissenschaftler). – „Es wird eine Massentechnik vermarktet ohne Grundlagenforschung, ohne Wissen um die Konsequenzen: Experimentierkaninchen Mensch“ (Baubiologe). – „Es ist reine Symbolpolitik, mit umweltseitiger Wirkung ist hier überhaupt nicht zu rechnen“ (Umweltökonom).

Ein Lehrfilm und sicherlich ein Pamphlet, aber ein sehr, sehr aufschlussreiches und nützliches.

Thomas Engel