Cars 2

Ausgerechnet vom wohl unbeliebtesten Film in der überaus erfolgreichen Geschichte des Animationsstudios Pixar eine Fortsetzung zu drehen, mutet seltsam an. Doch „Cars 2“ ist deutlich besser als der Vorgänger und erzählt eine weltumspannende Spionagegeschichte in atemberaubenden Bildern.

Webseite: www.disney.de/cars

USA 2011
Regie: John Lasseter, Brad Lewis
Animationsfilm
Länge: 113 Minuten
Verleih: Disney
Kinostart: 28. Juli 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Das Animationsstudio Pixar ist die größte Erfolgsgeschichte Hollywoods der letzten 20 Jahre. Seit Ende 1995 der erste Film „Toy Story“ in die Kinos kam wurde jeder der inzwischen zwölf Pixar-Filme ein riesiger Erfolg, sowohl an den Kinokassen als auch bei der Kritik. „Cars 2“ setzt diese Erfolgsserie zumindest was den finanziellen Erfolg angeht fort, bei den amerikanischen Kritikern allerdings stieß der Film auf wenig Gegenliebe. Das mag zum einen damit zu tun haben, dass durch Filme wie „Wall-E“, „The Incredibles“ und besonders der „Toy Story“ Trilogie die Messlatte extrem hoch liegt. Zum anderen aber auch damit, dass „Cars 2“ inhaltlich ein sehr ungewöhnlicher Pixar-Film ist, der deutlich weniger harmonische, oft auch harmlose familienfreundliche Unterhaltung bietet, als man es gewohnt ist. Erzählte der erste Teil noch eine sehr konservative, geradezu revisionistische Geschichte, die in nostalgischen Bildern einer Kleinstadt badete, frei von Konflikten der großen weiten Welt, spielt „Cars 2“ unzweideutig in der globalisierten Welt.

Schon der Prolog, der ein von Michael Caine gesprochenes britisches Spionageauto einführt, entfernt sich von Straßen und spielt auf dem Meer bzw. einer Bohrinsel. Dort beobachtet Finn McMissile einige finstre Autos bei der Übergabe einer scheinbar harmlosen Fernsehkamera, die noch eine wichtige Rolle spielen wird. Derweil kehrt die Hauptfigur Lightning McQueen ein roter Sportwagen, in das ländliche Radiator Springs zurück, wo er seinen alten Freund, den leicht vertrottelten Abschleppwagen Hook, wieder trifft. Eigentlich will McQueen sich ein paar Tage erholen, doch die Herausforderung des italienischen Formel-1 Wagens Francesco beendet seinen Urlaub schneller als geplant. Die beiden Rennwagen sollen bei einem Wettbewerb teilnehmen, den der Milliardär Miles Axlerod veranstaltet. Ziel der Rennserie, die zunächst in Tokio, dann in Italien und schließlich in London stattfindet, ist es, einen Biotreibstoff zu bewerben, der die Welt unabhängig von Erdöl machen soll. Nur langsam realisieren McQueen und Hook in welch James Bond-würdiges Komplott sie geraten sind, über dem sie fast ihre Freundschaft verspielen.

Vielleicht etwas betont weltumspannend ist diese Geschichte, die trotz aller Wendungen und Action nicht das fundamentale Problem des Films kaschieren kann: Im Gegensatz zu den meisten anderen Pixar-Figuren, angefangen von Fischen, über Spielzeug, bis hin zu Robotern – von den menschlichen Wesen ganz zu schweigen – bleiben die Autos trotz großer Augen und anderer „menschlicher“ Eigenschaften weitestgehend leblos. So besticht „Cars 2“ dann auch weniger durch die sonst von Pixar-Filmen bekannte Emotionalität, die bisweilen ja durchaus auch dem Kitsch nahe ist, sondern in erster Linie durch die visuelle Umsetzung. Was man hier sieht ist keine präzise Darstellung von Städten wie Tokio, Paris oder London sondern eine überzeichnete Version. Auf höchst originelle Weise wird mit den jeweiligen Stereotypen und Klischees gespielt, natürlich in eine ausschließlich von Autos bevölkerte Welt übersetzt. Rasante Verfolgungsjagden wechseln sich mit liebevoll gestalteten Szenen ab, immer wieder gibt es auch am Rand der eigentlichen Handlung Details zu entdecken. Der Einfallsreichtum der Animation ist atemberaubend, wie man es von Pixar-Film gewohnt ist und macht „Cars 2“ in jedem Fall zu einem sehenswerten Animationsfilm.

Michael Meyns