Celebration

Vom Prinzip her will das Doku-Porträt „Celebration“ über Yves Saint Laurent und dessen Partner Pierre Bergé wohl auf etwas ähnliches heraus wie der 2007 erschienene Dokumentarfilm „Lagerfeld Confidential“: Einer Ikone der Modewelt auf persönlicher Ebene näherkommen. Der Filmemacher Olivier Meyrou („Parade“) wählt allerdings einen zu fahrigen Ansatz, um das Ziel zu erreichen. In der jetzigen Form spricht der Film vor allem ein Publikum an, das sich längst mit der Materie auskennt.

Webseite: www.salzgeber.de

Frankreich 2007
Skript & Regie: Olivier Meyrou
Mitwirkende: Yves Saint-Laurent, Pierre Bergé, Laetitia Casta, Loulou De La Falaise, Catherine Deneuve
Laufzeit: 74 Min.
Verleih: Edition Salzgeber
Kinostart: 26. September 2019

FILMKRITIK:

Die wohl bemerkenswerteste Feststellung zu „Celebration“ ist der Umstand, dass der 2007 im Panorama der Berlinale aufgeführte Dokumentarfilm zehn Jahre lang mit einem Aufführverbot belegt war. Dieses hat Pierre Bergé veranlasst, der langjährige Partner von Yves Saint Laurent. Nach Bergés Tod kann das Porträt nun offiziell im Kino starten, wobei sich das Warten kaum gelohnt hat.
 
Kennern und Fans von Yves Saint Laurent bietet die Doku einen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt des Designers, der durch den Verzicht auf einordnende Kommentare und Informationen recht beliebig daherkommt. Wer im Vorfeld nicht schon manches über den Protagonisten und dessen Werk weiß, wird sein Wissen bei der Sichtung kaum mehren.
 
Olivier Meyrou wählt nämlich einen experimentellen Ansatz, bei dem er diverses Archivmaterial hintereinander montiert. Die Bilder zeigen Yves Saint Laurent und Pierre Bergé bei der Arbeit und bei Interviews, gealterte Models, die ihre einstigen Catwalks anschauen, und natürlich viele der extravaganten Kleider, die Saint Laurent berühmt gemacht haben. Die Qualität des Filmmaterials schwankt, mitunter sind die teilweise schwarzweißen Bilder verwackelt und gering aufgelöst. Dass das Porträt trotzdem eine gewisse Faszination auslöst, liegt viel am ungewöhnlichen und sehr atmosphärischen Soundtrack von François-Eudes Chanfrault („High Tension“), der manch schnödes Meeting wie einen Thriller erscheinen lässt.
 
Unterm Strich wirkt „Celebration“ wie eine museale Installation und kaum wie ein handfester Dokumentarfilm. Manche Szenen wie jene, in der Yves Saint Laurent ein Model beim Auf- und Ablaufen beäugt und dabei von links nach rechts und wieder zurück schaut, als würde er ein Tennismatch verfolgen, bauen eine gewisse innere Spannung auf. Andere verpuffen so klanglos, dass wohl nur echte Mode-Aficionados Freude daran haben.
 
Christian Horn