Chaos auf der Feuerwache

Ein Brand, ein paar Kinder und ahnungslose Feuerwehrleute: Diese Zutaten vermischt „Daddy ohne Plan“-Regisseur Andy Fickman mit „Chaos auf der Feuerwache“ zu einer handelsüblichen Familienkomödie, die vor allem durch John Cena und seine Kollegen sowie eine gesunde Portion Anarchie besticht. Das ist ebenso harmlos wie wenig überraschend, doch gerade die jüngere Zielgruppe dürfte daran Gefallen finden.

Webseite: paramount.de/chaos-auf-der-feuerwache

USA 2019
Regie: Andy Fickman
Darsteller: John Cena, Keegan-Michael Key, John Leguizamo, Judy Greer, Brianna Hildebrand, Christian Convery, Finley Rose Slater
Verleih: Paramount Pictures
Länge: 96Min.
Start: 27. Fenruar 2020

FILMKRITIK:

Jake Carson (John Cena) hat als Leiter einer Feuerwache alles im Griff. Für ihn ist kein Einsatz zu schwer, kein Feuer zu heiß. Auch seine Elite-Einheit rund um seine Kollegen Mark (Keegan-Michael Key), Rodrigo (John Leguizamo) und Axe (Tyler Mane) steht immer im Dienst ihrer lebensrettenden Arbeit, bis sie ein neuer Einsatz das erste Mal bis an die Grenze ihrer Belastungsfähigkeit führt. Bei einem Waldbrand retten sie die drei Geschwister Brynn (Brianna Hildebrand), Will (Christian Convery) und Zoey (Finley Rose Slater), die fortan ohne ihre Familie dastehen. Denn die Eltern sind für die Babysitter wider Willen partout nicht erreichbar. Notgedrungen übernimmt das Team selbst die Verantwortung und passt auf die drei Geschwister auf. Eine völlig neue Aufgabe für die knallharten Kerle, deren Leben durch die Kids vollends auf den Kopf gestellt wird.
 
Wie schon sein Kollege Dwayne Johnson stammt Schauspieler John Cena („Der Sex-Pakt“) ursprünglich aus dem Leistungssport. Zu Hochzeiten seines Engagements bei der WWE, der World Wrestling Entertainment inc., lockte der gebürtig aus Massachussets stammende Mime Millionen vor die Fernsehschirme, eh er nach kleineren Nebenrollen in Genre-Filmen und Serien 2015 in der Judd-Apatow-Komödie „Dating Queen“ auch einem breiteren Publikum abseits seiner bisher erschlossenen Zielgruppe bekannt wurde. Seither gilt Cena als eine Art Geheimwaffe, der bereits in diversen Comedys sein beachtliches Talent für humoristisches Timing unter Beweis gestellt hat und damit auch eher weniger gelungene Genre-Beiträge (zumindest kurzzeitig) zu veredeln weiß. Nun sieht man ihn in Andy Fickmans „Chaos auf der Feuerwache“ einmal mehr in seinem Element; mehr noch: Er darf den Cast aus nicht minder bekannten Gesichtern wie unter anderem Keegan-Michael Key („Keanu“), Judy Greer („Halloween“) und John Leguizamo („The Sun is also a Star“) sogar anführen und trägt den Film als erzählerischer Mittelpunkt sogar weitestgehend allein auf seinen Schultern. Ein großer Pluspunkt an einem insgesamt recht highlightarmen, in gewohnten Genrebahnen verlaufenden Film, der seinen Dienst als für die Zielgruppe der Familien mit Kindern bis etwa zehn Jahren konzipierte Wochenendbespaßung dennoch halbwegs solide verrichtet.
 
In einer Szene in „Chaos auf der Feuerwache“ muss sich der von John Cena gespielte Feuerwehrmann Jake nach diversen Problemen mit den von ihm unter seine Fittiche genommenen (Waisen-)Kindern dem Vorwurf stellen, dass er ja in der Lage sei, große Brände zu löschen und Menschenleben zu retten, er aber ein totaler Versager sei, wenn es einfach nur darum ginge, auf ein paar Kinder aufzupassen. Dieser Satz steht irgendwie auch symptomatisch für den gesamten Film. Einfach weil ein derartiger Satz in so ziemlich allen Filmen vorkommt, die der Prämisse von „Chaos auf der Feuerwache“ auch nur im Entferntesten ähnlich sind. Denn dass raubeinige Erwachsene plötzlich wider Willen in eine Vater- respektive Mutterrolle gedrängt werden, nur um am Ende festzustellen, dass sie sich genau diese Rolle eigentlich im tiefsten Herzen wünschen, hat man schließlich längst in Filmen wie „Drei Männer und ein Baby“, „Old Dogs“ oder „Kokowääh“ gesehen. Andy Fickman kennt sich in dem Segment aus, konzipierte er doch 2007 den nach ähnlichem Prinzip aufgezogenen „Daddy ohne Plan“. Schön wäre es gewesen, hätte er seine Skills im Laufe der bis heute vergangenen 13 Jahre noch um einige Facetten ergänzt. So aber ist seine im Original „Playing with Fire“ betitelte Chaos-Comedy weitestgehend spannungsarm. Man kann sich aufgrund des generischen Aufbaus und der 08/15-Dramaturgie einfach von Anfang an ausmalen, wohin die Reise für die Figuren hier gehen wird.
 
Aber „Chaos auf der Feuerwoche“ tritt letztlich auch kein Rennen um den Preis für das beste Drehbuch an, sondern richtet sich deutlich an ein jüngeres Publikum, dem Fickman und sein Autorenduo aus Debütant Dan Ewen und Matt Lieberman („Die Addams Family“) ein harmlos-anarchisches Vergnügen bereiten wollen. Und es ist tatsächlich ziemlich amüsant anzusehen, wie Will (Christian Convery, „Venom“) und Zoey (Finley Rose Slater) hier in bester Slapstick-Manier das titelgebende Chaos auf der Feuerwache stiften; mit Feuerlöschern, Alarmsirenen und Co. lässt sich nun mal ziemlich viel Unsinn anstellen, wenn die Erwachsenen gerade nicht hinsehen. Vor allem Brianna Hildebrand („Deadpool“) hat in der Rolle der älteren Schwester eine sympathische Rolle als um das Wohl ihrer jüngeren Geschwister bemühte Brynn, die die Fürsorgeaufgabe auf der einen Seite nur zu gern endlich mal abgeben würde, sich jedoch schwer tut, Vertrauen in die Feuerwehrleute zu fassen. Ein wenig erinnert das alles an die umwerfende Komödie „Plötzlich Familie“ aus dem vergangenen Jahr, in der Sean Anders seine Lebenserfahrungen einer Patchwork-Family zu einer hinreißend-liebenswürdigen Comedy verarbeitet hat und damit ein feines Statement für Familienmodelle abseits des klassischen Vater-Mutter-Kind-Konzepts abgegeben hat.
 
Ganz so treffsicher ist „Chaos auf der Feuerwache“ nicht. Noch nicht einmal im Ansatz. Andy Fickman präsentiert hier einfach eine von zig harmlosen US-Comedys. Dafür ohne viel Vulgär-Humor, Witze unterhalb der Gürtellinie gibt es hier nicht. Und auch wenn der Film am Ende ein wenig zu konstruiert ein Happy End ansteuert, hat man zuvor doch immerhin eineinhalb Stunden lang passioniertem Schauspiel, kindgerechtem Schabernack und einer familienfilmgerechten Botschaft über den Wert einer Familie zusehen können. Es gibt Besseres, aber definitiv auf viel, viel Schlimmeres.
 
Antje Wessels