Choral des Todes

Von unseren französischen Nachbarn kommt wieder einmal solide Krimikost mit Star-Besetzung. Gérard Depardieu und Rapper Joey Starr bilden in der Adaption des Bestsellers „Choral des Todes“ ein ungleiches Ermittlerduo, das eine Mordserie in Kirchenkreisen aufklären soll. Autor Jean-Christophe Grangé hatte schon vor vielen Jahren mit „Die purpurnen Flüsse“ sein Gespür für Suspense und Mystery unter Beweis gestellt. An diesen reicht die Filmversion seines etwas zu klischeebeladenen Neulings fast heran.

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OT: La marques des anges – Miserere
F/BEL/D 2013
Regie. Sylvain White
Drehbuch: Laurent Turner nach dem Roman „Miserere“ von Jean-Christophe Grangé
Darsteller: Gérard Depardieu, Joey Starr, Rüdiger Vogler, Marthe Keller, Thierry Lhermitte, Héléna Noguerra
Laufzeit: 106 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 12.9.2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Am Anfang steht ein mysteriöses Verbrechen. Als in einer Pariser Kirche der Leiter des dortigen Kinderchores tot aufgefunden wird, liegen die Hintergründe der Tat noch im Dunkeln. Der Gemeindepfarrer bittet den erst kürzlich pensionierten Ermittler Lionel Kasdan (Gérard Depardieu) um dessen Mithilfe, schließlich besteht zwischen beiden Männern schon lange ein enges Vertrauensverhältnis. Kasdan willigt ein, auch weil er sich nicht so recht mit seinem Rentnerdasein abfinden möchte. Er entdeckt, dass das Trommelfell des Chorleiters aufgeplatzt ist, was höchstwahrscheinlich zum Tode geführt haben dürfte. Noch verstörender ist jedoch der blutige Abdruck eines Schuhs, der darauf schließen lässt, dass sich zur Tatzeit ein Kind in der Kirche befand. Sollte tatsächlich einer der Chorjungen in den Mord verwickelt sein?

Zielstrebig etabliert Regisseur Sylvain White das gerade anfangs rätselhafte Szenario seines hochkarätig besetzten Mystery-Krimis, der Vermutungen über den Fortgang des Plots abwechselnd bestätigt und verwirft. Beides tut er erkennbar mit großer Lust. Die Vorlage stammt von Bestseller-Autor Jean-Christophe Grangé, hierzulande vor allem bekannt für seinen atmosphärischen, ebenfalls für das Kino adaptierten Gothic-Thriller „Die purpurnen Flüsse“. Beide Geschichten handeln von zerstörerischen Obsessionen, von Fanatismus und einem gefährlichen Irrglauben, wobei sie stilistisch durchaus unterschiedlich sind. „Choral des Todes“ erscheint dabei weitaus bodenständiger und gradliniger, vor allem da er seine Mystery-Elemente weniger betont und mehr der Logik eines konventionellen (TV-)Krimis folgt.

Sehr ähnlich ist hingegen die für das Genre typische Paar-Konstellation auf Seiten der Ermittler. Wieder findet hier ein ungleiches Duo zusammen. Der alte, mitunter einsame und am Leben gescheiterte Kommissar trifft auf einen deutlich jüngeren und impulsiveren Partner. Interpol-Agent Frank Salek (Joey Starr) ist eigentlich mit einem Fall von Kinderhandel befasst, als ihn die Spuren erst nach Paris und schließlich zu Kasdan führen. Dass der aufbrausende Salek auch persönlich in die Vorgänge verwickelt ist, gehört nicht unbedingt zu den Überraschungen des Plots. So lange die Hintergründe aber eher vage bleiben und man als Zuschauer zum Miträtseln aufgefordert ist, präsentiert sich „Choral des Todes“ als überaus kurzweilige und spannende Krimikost. Sind die Puzzleteile jedoch einmal zusammengesetzt, dürfte sich auch rasch Ernüchterung breit machen.

Denn Grangé arbeitet mehr als nötig mit eigentlich längst auserzählten Klischees. Das betrifft sowohl die Seite der Polizisten als auch die der Täter. Die geschickte Jonglage mit Genreelementen täuscht zudem nicht darüber hinweg, dass die Geschichte allenfalls Mittelmaß ist und ohne Grangés Reputation und ihre populären Darsteller bei uns keine Kinoauswertung erhalten hätte. Aus dem langen Schatten der „Purpurnen Flüsse“ kann dieser Franzosen-Krimi trotz eines Schwergewichts wie Depardieu, dem die Freude an seiner kauzigen Rolle durchaus anzumerken ist, somit nie wirklich heraustreten.

Marcus Wessel