Coherence

Aus der Not eine Tugend macht James Ward Byrkit in seinem Debütfilm „Coherence“, wobei die Not vor allem finanzieller Natur ist. Obwohl er nur ein winziges Budget zur Verfügung hatte, drehte Byrkit einen Science-Fiction-Film, der allerdings nicht mit Robotern und Sternenkriegen punktet, sondern mit einer philosophisch-metaphysischen Geschichte, die komplizierte physikalische Theorien für ein spannendes Gedankenexperiment nutzt.

Webseite: www.dropoutcinema.org/coherence-2014

USA 2013
Regie, Buch: James Ward Byrkit
Darsteller: Emily Foxler, Maury Sterling, Nicholas Brendon, Elizabeth Gracen, Alex Manugian, Lauren Maher, Hugo Armstrong, Lorene Scafaria
Länge: 89 Minuten
Verleih: Bildströrung/Drop-Out Cinema 
Kinostart: 25. Dezember 2014
 

FILMKRITIK:

Es sollte ein ganz normales Abendessen unter Freunden werden: Emily (Emily Baldoni) und ihr Freund Kevin (Maury Sterling), sind bei Mike (Nicholas Brendon) zu Gast. Insgesamt vier Paare nehmen an dem Abendessen teil, darunter auch Kevins Ex-Freundin Laurie (Lauren Maher). Eine ganze Weile plaudert man über Gott und die Welt, isst, trinkt und diskutiert. Doch nach und nach beginnen seltsame Ereignisse die Abendgesellschaft zu irritieren: Telefone funktionieren nicht mehr, Gläser zerspringen und dann fällt auch noch der Strom aus. Grund scheint ein Komet zu sein, der just an diesem Abend in der Nähe der Erde vorbeizieht.

Doch was die Freunde beim Versuch finden, die merkwürdigen Ereignisse zu erklären, ist kaum zu begreifen: Ein paar Häuser weiter stoßen sie auf ein identisches Haus, in dem ebenfalls vier Paare zu Abend sitzen und ebenfalls über merkwürdige Ereignisse diskutieren. Es sind die Doppelgänger der acht Freunde, die offenbar in einer Parallelwelt existieren und sich nur durch bisweilen leicht abgewandelte Handlungen unterscheiden. Besonders Emily ist gleichermaßen irritiert und fasziniert von ihrer Doppelgängerin, die ihre Probleme mit Laurie auf deutlich andere Weise löst.

Es ist ein viel zitiertes Gedankenexperiment, dass die Grundlage für James Ward Byrkit bildet: Schrödingers Katze. 1935 vom österreichischen Physiker Erwin Schrödinger aufgestellt, um die merkwürdigen Eigenschaften von Quanten zu erklären, Teilchen, die noch kleiner als Atome sind und – so begann man damals gerade zu erkennen – die Basis des Universums bilden. Diese Quanten existieren gleichzeitig in unterschiedlichen physikalischen Zuständen und zwar bis zum Moment, in dem an sie zu messen versucht und die beiden Zustände zusammenfallen. Wenn man also eine Katze – so Schrödingers Gedankenexperiment – in eine Kiste sperrt, in der sich auch eine Ampulle mit tödlichem Gift befindet, die entweder zerbricht oder nicht, dann ist die Katze gleichzeitig tot und lebendig. Erst wenn man die Kiste öffnet fallen beide Zustände zusammen und man kann feststellen ob die Katze noch lebt oder nicht.

Albert Einstein tat solch merkwürdige Überlegungen zur Quantenphysik anfangs mit dem Bonmot: „Gott würfelt nicht“ ab. Doch inzwischen sind diese Überlegungen bewiesen und haben immer wieder Eingang in Science-Fiction-Romane oder Filme gefunden. Erst kürzlich in Christopher Nolans Weltraum-Epos „Interstellar“, nun also in einem Film, der in fast jeder Hinsicht das Gegenteil ist. Als Lo Fi-Sci-Fi wird ein Film wie „Coherence“ gern bezeichnet (in den letzten Monaten zählten etwa „The Signal“ oder „I Origins“ zu diesem Genre), Filme, die mit geringem Aufwand große Ideen verhandeln. So ist es dann auch nicht überraschend, dass die größte Qualität von „Coherence“ weniger die oft nur durchwachsenen Schauspieler sind und auch nicht die oft holprige Dramaturgie, sondern die faszinierenden Ideen, die der Geschichte zu Grunde liegen und diesen kleinen, schönen Film noch lange nachhallen lassen.
 
Micahel Meyns