Crime 101

Chris Hemsworth, Halle Berry, Mark Ruffalo, Barry Keoghan und in einer kleinen Nebenrolle Nick Nolte – an schauspielerischer Qualität mangelt es dem Großstadtthriller „Crime 101“, einer Adaption der gleichnamigen Novelle von US-Schriftsteller Don Winslow, sicher nicht. Auch die Inszenierung gefällt und kann so manche Drehbuchdelle kaschieren. Erinnert fühlt man sich immer wieder, nicht zuletzt wegen des Handlungsortes Los Angeles, an Michael Manns legendäres Cop-Gangster-Duell „Heat“ aus dem Jahr 1995, das dann aber mindestens eine Klasse besser ausfällt.

 

Über den Film

Originaltitel

Crime 101

Deutscher Titel

Crime 101

Produktionsland

GBR,USA

Filmdauer

139 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Fellner, Eric / Bevan, Tim / Salerno, Shane

Regisseur

Layton, Bart

Verleih

Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Starttermin

12.02.2026

 

„Ordnung ist das halbe Leben!“, sagt ein Sprichwort, dem sich wohl auch der unter dem Tarnnamen Mike Davis (Chris Hemsworth) auftretende Juwelendieb aus „Crime 101“ verschrieben hat. Als zu einem routinierten Schäferstündchen nicht die übliche Prostituierte erscheint, ist der muskelbepackte, aber etwas grüblerisch wirkende Mann spürbar irritiert. Seine Raubzüge, die er stets entlang des Freeways 101 verübt, sind sorgfältig geplant und laufen stets nach demselben Muster ohne Gewaltanwendung ab.

Davis ist allerdings keiner dieser stoischen, eiskalten professionals, von denen das Krimikino so gerne erzählt. Seine Vorbereitungen mögen akribisch sein. Gleich zu Beginn der Leinwandadaption von Don Winslows gleichnamiger Novelle läuft jedoch ein Überfall gewaltig aus dem Ruder, was den Gangster sichtlich aus der Fassung bringt. Nur mit Mühe und Not kann er entkommen und braucht anschließend erst einmal eine kleine Auszeit. Sein Auftraggeber (ein präsenter, wenngleich gebrechlicher Nick Nolte) ist wenig begeistert und lässt den von Mike bereits ausgeheckten nächsten Coup kurzerhand vom jungen Hitzkopf Ormon (Barry Keoghan) ausführen.

Es passiert, was passieren muss, wenn sich Verbrecher linken: Sein wohl größtes, vielleicht letztes Ding will Davis alleine drehen. Aber der Nolte-Schattenmann hat keine Lust, auf die stattliche Beute zu verzichten, und erteilt Ormon deshalb den Auftrag, sich an Mikes Fersen zu heften. Der braucht für seinen Plan die Versicherungsmaklerin Sharon (Halle Berry), die ihrem Arbeitgeber, einem Unternehmen mit superreichen Klienten, gerade nicht besonders gut gewogen ist. Denn schon wieder hat man ihr die lange versprochene Beförderung vorenthalten. Parallel folgt auch LAPD-Detective Lubesnick (Mark Ruffalo), gegen alle Widerstände in der eigenen Behörde, der Spur des bislang unter dem Radar operierenden Davis.

Nicht nur den Handlungsort Los Angeles teilt sich „Crime 101“ mit Michael Manns Meisterwerk „Heat“ (1995). Auch die fieberhafte Jagd nach einem gerissenen Gangster und die schicksalhafte Verbindung zwischen Cop und Verbrecher bestimmen in beiden Filmen maßgeblich das Geschehen. Vergleiche drängen sich immer wieder auf, bei denen der Klassiker mit Al Pacino und Robert De Niro – natürlich, möchte man sagen – besser abschneidet.

Die von Bart Layton („Der Blender – The Imposter“) arrangierte Don-Winslow-Adaption spielt mindestens eine Klasse unter „Heat“, was allerdings nicht heißt, dass sie als Crimethriller versagt. Sicherlich gibt es die ein oder andere mechanische, vorhersehbare Plot-Volte. Und auch das Zufallsprinzip wird manchmal etwas stark strapaziert. Mit einer druckvollen Inszenierung und engagierten Schauspielleistungen macht der trotz fast zweieinhalbstündiger Laufzeit nie langweilige Film aber die meisten erzählerischen Holprigkeiten wett.

Schon der Einstieg treibt mit seinen pulsierenden L.A.-Bildern und seinem bedrohlich wummernden Score den Puls nach oben. Ähnliches gilt für eine rasante Verfolgungsjagd im Mittelteil und das effektiv getaktete Finale. Der Regisseur weiß, wie man Spannung erzeugt und sie dann auch erfolgreich hält. Selbst wenn nicht alle Ideen zünden, hat „Crime 101“ den richtigen Flow, um das Interesse an der Geschichte und den Charakteren zu konservieren.

Nicht neu, aber durchaus tragfähig ist die Idee, die Parallelen zwischen Mike, Sharon und Lubesnick herauszuarbeiten. Sie alle sind auf ihre Art Außenseiter, haben unschöne Erfahrungen gemacht, die ihr Handeln wesentlich bestimmen, oder sammeln solche im Verlauf des Films. Davis will durch sein kriminelles Wirken eine trostlose Kindheit vergessen machen. Bei aller Konzentration auf seinen „Job“ sehnt er sich jedoch auch nach etwas Nähe und Geborgenheit. Warum sonst beginnt er eine auf sympathisch-holprige Weise angebahnte Beziehung mit Maya (Monica Barbaro), die ihm auf sein Auto auffährt? Die Zerrissenheit der Gangsterfigur ist reizvoll. Gleichwohl nimmt sich „Crime 101“ für ein wirklich tiefschürfendes Psychogramm nicht ausreichend Zeit.

Die Tatsache, dass Sharon in der Firma einfach übergangen wird, obwohl sie seit Jahren gute Arbeit leistet, nutzt der Film, um Kritik an Sexismus und Altersdiskriminierung zu üben. Einmal mehr bleibt das Drehbuch dabei an der Oberfläche. Halle Berry bekommt allerdings, vor allem an einer Stelle, Gelegenheit, emotionale Ausrufezeichen zu setzen. Beruflich isoliert ist auch der leicht zerknitterte Detective Lubesnick (einen ähnlichen Ermittler spielte Mark Ruffalo schon in der 2025 veröffentlichten HBO-Serie „Task“). Seiner Theorie, wonach die Überfälle am Freeway 101 alle von ein und demselben Täter mit einem bestimmten Modus Operandi begangen wurden, will niemand im Los Angeles Police Department Glauben schenken. Weil er trotzdem weiterwühlt, fängt er sich den Zorn seines Vorgesetzten (Matthew Del Negro) ein. Dem Handbuch für Filmpolizistenklischees entspringt freilich Lubesnicks scheiternde Ehe, die der Figur wenig Substanzielles hinzufügt. Wie schon erwähnt: Nicht alles funktioniert und überzeugt. Als kurzweiliges, phasenweise sogar mitreißendes Katz-und-Maus-Spiel gibt „Crime 101“ aber ein mehr als ordentliches Bild ab.

 

Christopher Diekhaus

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