Crossing Over

Eine handvoll Figuren in LA, verschlungene Geschichten, die sich um Immigration und Vorurteile drehen. Doch der Film heißt nicht „Crash“ sondern „Crossing Over“, bedient sich aber identischer Muster. Nahezu alle Aspekte der Thematik versucht Wayne Kramer abzudecken, verzettelt sich dabei bisweilen in seinem arg offensichtlich liberalen, politisch korrekten Ansatz, der vor allem jene Zuschauer ansprechen wird, die auch schon ähnlich gelagerte Filme wie „Babel“ oder eben „Crash“ mochten.

Webseite: www.senator.de

USA 2008
Regie und Buch: Wayne Kramer
Musik: Mark Isham
Darsteller: Harrison Ford, Ray Liotta, Ashley Judd, Jim Sturgess, Cliff Curtis, Alice Braga, Alice Eve
Länge: 113 Minuten, Format: 1:2,35 (Scope)
Verleih: Senator
Kinostart: 25. Juni 2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Es ist eines jener Themen, die zu komplex erscheinen, um sie in einer Geschichte zu behandeln: Die Migrationsströme aus der so genannten Dritten Welt oder den Schwellenländern in die Wohlstand und Glück verheißenden Industrieländer. Wayne Kramer scheint in seinem Film mit dem symbolischen Titel“ Crossing Over“ das Ziel gehabt zu haben, möglichst viele – wenn nicht alle – Facetten der Thematik zumindest in kurzen Vignetten anzureißen. In Los Angeles hat er den idealen Schauplatz gefunden, finden sich hier doch nicht nur Flüchtlinge aus dem Süden, aus Mexiko, sondern auch Einwanderer aus anderen westlichen Staaten, die ein Arbeitsvisum benötigen, um in der Unterhaltungsindustrie arbeiten zu können.

Der Reigen beginnt mit Harrison Ford, dem größten Star im Ensemble, der sich mit der kleinsten Rolle seiner Karriere begnügt. Er spielt Max Brogan, einen Agenten der Einwanderungsbehörde, deren Aufgabe es ist, illegal eingewanderte Arbeiter aufzuspüren und nach Mexiko zurückzuschicken. Eine reine Sisyphusarbeit, die Brogan an seiner Arbeit zweifeln lässt und ihn dazu bringt, einer festgenommenen Mexikanerin zu helfen. Ihm zur Seite steht der Perser Hamid (Cliff Curtis), dessen Familie kurz vor der Naturalisierungsfeier steht, einer pathetischen Veranstaltung, bei der neue Amerikaner einen Eid auf die amerikanische Verfassung schwören und endgültig angekommen sind. Zumindest suggeriert der Film, dass es nichts erstrebenswerteres gibt, als eine Green Card zu bekommen, und damit in Amerika leben und arbeiten zu dürfen. 

Für dieses Ziel wird hart gearbeitet, im Falle einer australischen Nachwuchsschauspielerin sogar mit ganzem Körpereinsatz. Ein englischer Musiker dagegen, versucht seine jüdische Herkunft zu benutzen und sich einen Posten als Religionslehrer zu erschleichen. Als wäre das alles nicht schon genug, schildert Kramer auch noch den Fall einer pakistanischen Familie, deren Tochter einen amerikakritischen Schulaufsatz verfasst hat und von unnachgiebigen FBI-Agenten des Landes verwiesen wird. Noch diverse andere Episoden versucht Kramer ins große Ganze zu weben, von koreanischen Möchtegerngangstern über der Adoption eines afrikanischen Kindes bis zum „Ehrenmord“ an einem iranischen Mädchen.

Das ist offensichtlich ein bisschen viel und führt in der Masse der Figuren, Episoden und Themen dazu, dass vieles nur sporadisch angedeutet und über weite Teile des Films vernachlässigt wird. In seinem Bemühen, auch noch den kleinsten Aspekt der weiten Thematik in den Film aufzunehmen, verzettelt sich Kramer in so vielen Geschichten, dass kaum eine Einzelne größere Resonanz entfaltet. Im Endeffekt ist „Crossing Over“ ein extrem gut gemeinter Film, der es aber nur in wenigen Momenten schafft, seinen Figuren und Geschichten eine emotionale Bedeutung zu verleihen, die über die Komplexität einer Zeitungsnotiz hinausgeht.

Michael Meyns

 

Einwanderung ist ein wichtiges Phänomen unserer Zeit. In Europa kommen die Immigranten aus Afrika, in den USA aus Mexiko. Verständlicherweise suchen sie alle ein besseres Leben. Verständlicherweise aber auch müssen die Einwanderungsströme kontrolliert werden.

Davon handelt dieser amerikanische Film. Er zeigt die Rechte und Regeln der Einwanderungsbehörde ebenso auf wie die Nöte und Tricks der um ein Aufenthaltsrecht in den Vereinigten Staaten kämpfenden Menschen aus den verschiedensten Nationen.

Da ist die illegale mexikanische Gastarbeiterin, die geschnappt wird und deshalb um ihren kleinen Sohn bangt. Da ist das afrikanische Kind, das ohne Verwandtschaft ist und um das sich eine US-Anwältin kümmern wird. Dann das Mädchen aus Bangladesh, das eine Lanze für den islamischen Religionskampf bricht, des Terrorismus verdächtigt, verhaftet und von seiner Familie getrennt wird. Nicht zu vergessen die australische Schauspielerin, die in den USA arbeiten will, Papiere fälscht und sich, um eine Green Card zu erhalten, mit dem Mann der genannten Anwältin einlässt. Oder ihr Freund, ein britischer Schauspieler, der sich geschickt seine jüdische Abstammung zunutze macht – ebenfalls um in den Staaten spielen zu können. Dann die junge Perserin, die einen zu freizügigen westlichen Lebenswandel pflegt und deshalb auf Befehl ihres traditionalistischen Vaters getötet wird. Oder der junge Koreaner, der in einer Jugendbande schnelles Geld machen will und bei einem gescheiterten Einbruch ums Leben kommt.

Die US-Cops tun ihre Pflicht, auch wenn sie dabei oft an die Grenze der Menschlichkeit stoßen müssen. Manche gehen auch pragmatischer und humaner vor wie hier der schon abgeklärter wirkende Immigranten- und Zoll-Agent Max Brogan, gespielt von der Darsteller-Ikone Harrison Ford.

Natürlich ist das alles fiktiv, erfunden, arrangiert. Natürlich ist das Kino. Doch die Fallbeispiele sind typisch ausgesucht und drehbuch- sowie regiemäßig bestens miteinander verknüpft. Man kann nicht von großer Kunst sprechen, aber von einem soliden Drama, das menschlich durchaus Interesse erweckt.

Bei Harrison Ford, Ashley Judd, Ray Liotta, Jim Sturgess oder Cliff Curtis handelt es sich zudem um Namen, die eine gewisse darstellerische Qualität garantieren.

Solides Drama um das amerikanische Immigrationsproblem.

Thomas Engel