Dallas Buyers Club

Ein Film über AIDS – das erscheint heute fast schon anachronistisch. Fanden zumindest die Studiobosse in Hollywood und gaben über 15 Jahre lang kein grünes Licht für das Drehbuch von Craig Borten. Das Projekt konnte erst starten, als Matthew McConaughey für die Hauptrolle zusagte. Gut so. Nicht nur, weil die Krankheit bis heute nicht heilbar ist und nicht in Vergessenheit geraten darf. Sondern auch, weil sich hier ein Star die Seele aus dem Leib spielt, der in der Vergangenheit oft als oberflächlicher Schönling gebrandmarkt wurde.

Webseite: www.dallasbuyersclub.de

USA 2013
Regie: Jean-Marc Vallée
Buch: Craig Borten, Melisa Wallack
Darsteller: Matthew McConaughey, Jared Leto, Jennifer Garner, Michael O’Neill, Dennis O’Hare, Steve Zahn
Länge: 117 Minuten
Verleih: Ascot Elite, Vertrieb: Paramount
Kinostart: 6. Februar 2014

PREISE / AUSZEICHNUNGEN:

 

Golden Globes 2014 für Matthew McConaughey als Bester Hauptdarsteller und für Jared Leto als Bester Nebendarsteller.

6-fach nominiert für den OSCAR 2014, u.a. Bester Film, Matthew McConaughey Bester Hauptdarsteller, Jared Leto Bester Nebendarsteller und für das Beste Drehbuch!

PRESSESTIMMEN:

"Ganz großes Schauspielerkino. Beeindruckend."
Der Tagesspiegel

"Schwungvolles Realdrama mit Wucht und tollen, zu Recht Oscar-nominierten Darstellern."
KulturSPIEGEL

"…trifft jeden Moment ins Herz. Und das ohne jede Sentimentalität. …schon jetzt einer der besten Filme des jungen Jahres."
Brigitte

FILMKRITIK:

Dallas 1985: Der Cowboy Ron Woodroof (Matthew McConaughey) liebt Alkohol, Koks, Frauen und Pferde. Er hasst Schwule und überhaupt alles, was nicht in seine Welt passt. Nach einer wilden Prügelei landet er im Krankenhaus. Als er erwacht, ist sein altes Leben Geschichte. Der Arzt eröffnet ihm, dass er an AIDS im Endstadium leidet und gibt ihm noch 30 Tage zu leben. Aber Ron will sich damit nicht abfinden. Er kämpft auf seine eigene Weise gegen die „Schwulenkrankheit“. Zunächst besorgt er sich an den offiziellen Kanälen vorbei das einzige legale Medikament AZT. Als sich sein Zustand verschlimmert, fährt er nach Mexiko und findet dort sanftere Methoden, den Krankheitsverlauf zumindest zu mildern. Aber die US-amerikanische Gesundheitsbehörde lässt alle alternativen Mittel verbieten. Also schleust Woodroof sie illegal ins Land. Dabei hilft ihm der homosexuelle, ebenfalls schwer kranke und drogenabhängige Rayon (Jared Leto).

25 Kilo hungerte Matthew McConaughey herunter, und sein Kollege Jared Leto hielt so lange Diät, bis er bei Drehbeginn nur noch 58 Kilo wog. Solch extreme Vorbereitungen im Namen der Authentizität verbreiten immer auch den Ruch der Angeberei und unnötigen Übertreibung. Am kann Ende die Leistung des Gewichtsverlusts die Figur verdecken. Auch McConaughey kann sich von einer gewissen Eitelkeit in seiner Darstellung des Ron Woodroof nicht frei machen. Man spürt, dass der Schauspieler hier unbedingt eine Chance nutzen will. Seht her, scheint er zu rufen, schaut, was ich kann!

Man spürt aber auch, dass es ihm Ernst ist mit dieser Figur und ihrer Geschichte. McConaughey und sein Regisseur, der Kanadier Jean-Marc Vallée, sind sehr nah dran an den jeweiligen Milieus und ihren Protagonisten. Das macht den großen Reiz von „Dallas Buyers Club“ aus: Die homophoben Texas-Rednecks wirken genauso authentisch und ungeschönt dargestellt wie die Schwulenszene. Der Film will zwar ein großes Mainstream-Publikum erreichen und arbeitet mit den typischen Zutaten von anderen Polit-Dramen wie „Erin Brokovich“ oder „Insider“. So wird eine Liebesgeschichte zwischen Ron Woodroof und seiner Ärztin (Jennifer Garner) angedeutet; und bei einer zufälligen Begegnung im Supermarkt darf Ron einem ehemaligen Freund, der ihn nun als „Schwuchtel“ schneidet, mit seinen Fäusten die Meinung sagen. Aber diese Zugeständnisse, die die eigentlich tragische Story erträglicher machen sollen, nehmen „Dallas Buyers Club“ nicht seine Schärfe und Wahrhaftigkeit.

Deutlich wird das auch an der kritischen Haltung, die der Film der FDA, der amerikanischen Gesundheitsbehörde, gegenüber einnimmt. Er erinnert daran, dass AIDS-Kranke von der Gesellschaft nicht nur in den USA geschnitten und sich selbst überlassen wurden, während gleichzeitig die Pharmaindustrie ein Milliardengeschäft witterte und sich dabei der Schützenhilfe der FDA bediente. Getragen wird die Botschaft von der Hauptfigur und der trotz aller Manierismen großartigen Leistung von Matthew McConaughey. Denn sein Ron Woodroof bleibt bis zum Schluss ein zwiespältiger, ein unfreiwilliger Held, der anderen eigentlich nur aus Versehen hilft, weil er sich selbst retten will.

Oliver Kaever