Ein schockierendes Geständnis bringt eine anstehende Hochzeit in Gefahr und schüttelt eine glückliche Beziehung kräftig durch. Das ist die Prämisse von Kristoffer Borglis zweiter englischsprachiger Regiearbeit, in der Zendaya und Robert Pattinson erstmals gemeinsam auf der großen Leinwand agieren. „Das Drama – Noch mal auf Anfang“ ist zweifellos provokant, vielleicht sogar etwas geschmacklos. Dem so ausgelutschten Genre der romantischen Komödie verleiht der Film mit ebenso schrägen wie abgründigen Ideen aber einen interessanten Dreh.
Über den Film
Originaltitel
The Drama
Deutscher Titel
Das Drama – Noch mal auf Anfang
Produktionsland
USA
Filmdauer
106 min
Produktionsjahr
2026
Regisseur
Borgli, Kristoffer
Verleih
Leonine Distribution GmbH
Starttermin
02.04.2026
„Das Drama – Noch mal auf Anfang“ beginnt mit einem Ohr (ein Verweis auf Daviy Lynchs Vorstadtalbtraum „Blue Velvet“?) – und das nicht ohne Grund. Konzentriert fixiert die Kamera den rechten Lauscher der Buchhändlerin Emma (Zendaya), die sich in einem hippen Coffeeshop in eine Lektüre vertieft. Dass sie auf dieser Seite taub ist, erfahren wir nur wenig später, als der nervöse Museumskurator Charlie (Robert Pattinson) sie unbeholfen anspricht und ihr eine kleine Lüge auftischt, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Das erste Kennenlernen der Protagonisten inszeniert Regisseur und Drehbuchautor Kristoffer Borgli leicht irritierend, mit atonalen Klängen, plötzlichen Schnitten und kurzen Ausfällen auf der Tonspur. Schon hier deutet sich an, dass der Film keine klassische Boy-meets-girl-Geschichte erzählen will.
Im Anschluss sehen wir im Schnelldurchlauf, wie die beiden zu einem Paar werden, das sich offenbar gut ergänzt. Der nächste Schritt ist die Hochzeit, die mit Beginn der eigentlichen Handlung vor der Tür steht. Beim finalen Probeessen mit ihren Freunden Rachel (Alana Haim) und Mike (Mamoudou Athie) geschieht dann aber das Unfassbare. Ein vermeintlich harmloses Spiel, bei dem alle Vier das Schlimmste gestehen sollen, was sie jemals getan haben, endet mit einem großen Schock. Emma beichtet eine „Sünde“ aus ihrer Jugendzeit, erklärt, warum sie wirklich auf dem rechten Ohr taub ist – und erntet die volle Ladung Entrüstung. Anschließend steht die Hochzeit auf der Kippe.
Der Norweger Kristoffer Borgli, der bereits in seinen vorherigen Werken mit einem provokanten, oft abgründigen Humor arbeitete, hält sich auch in seiner zweiten englischsprachigen Regiearbeit nicht zurück. Die Offenbarung am Ende des ersten Aktes, die eine neue Beziehungsdynamik lostritt, wird sicherlich für Diskussionen sorgen, kann man durchaus geschmacklos finden. Gleichzeitig erwachsen aus dem Twist aber spannende Fragen, die sich direkt an das Publikum richten: Wie würde man sich selbst verhalten, wenn man kurz vor dem Jawort von einer völlig anderen Seite des Partners erfährt? Welchen Stellenwert hat seine Vergangenheit? Sind Dinge, die man zwar plant, dann aber nicht verwirklicht, mit tatsächlichen Handlungen gleichzusetzen? Kann sich nicht jeder Mensch von Grund auf ändern? Und wo verläuft die Grenze zwischen jugendlicher Verwirrung und pathologischer Persönlichkeitsstruktur?
„Das Drama – Noch mal auf Anfang“ bietet zahlreiche Denkanstöße, serviert uns allerdings keine ausformulierten Antworten – auch wenn das Filmende schon einen Standpunkt untermauert. Emmas Enthüllung ist sicherlich beunruhigend, wirft ein anderes Licht auf die so sympathisch und ausgeglichen wirkende Buchhändlerin. In die Ecke drängt sie Borglis Drehbuch deshalb aber nicht. Vielmehr setzt das Skript auf Ambivalenzen, schürt eine gute Portion Unbehagen auch mit Blick auf das Verhalten einiger anderer Figuren. Rachel etwa, die ihre eigene gebeichtete Verfehlung kleinredet, tritt erschreckend selbstgerecht auf. Nicht zuletzt ist es Charlie, den man manchmal kritisch hinterfragen muss. Schon beim ersten Treffen nutzt er eine kleine Lüge, um Emma um den Finger zu wickeln. Nach ihrer Offenbarung leistet er sich in seiner wachsenden Verzweiflung schließlich einen heftigen Fehltritt.
Im Mittelteil hätten dem Film etwas mehr Schärfe und hintersinniger Witz gutgetan. Für Abwechslung ist jedoch in mehrfacher Hinsicht gesorgt. Zendaya und Robert Pattinson bringen das neue Unbehagen zwischen Emma und Charlie in vielen Momenten, besonders während eines Probeshootings mit der Hochzeitsfotografin (Zoë Winters), überzeugend zum Ausdruck. Parallel treibt die Inszenierung ein Spiel mit der Wahrnehmung. Sind wirklich alle Rückblenden in Emmas etwas klischeehaft dargestellte Teenagerzeit (dort verkörpert von Jordyn Curet) „echte“ Flashbacks, sprich: ihre Erinnerungen? Oder malt sich Charlie nach der Enthüllung manche Dinge aus? Hier und da schieben sich zumindest offensichtlich surreale, fantasierte Augenblicke in den Bilderfluss, die spürbar machen, wie sehr Pattinsons Figur an der Situation zu knabbern hat. Auch auf diese Weise bricht „Das Drama – Noch mal auf Anfang“ die Struktur der romantischen Komödie auf.
Christopher Diekhaus







