Tiere gehen immer, Natur-Dokus sind verlässliche Quoten-Bringer im Fernsehen. Auf der großen Leinwand erweisen sich Pinguine, Bären und Zugvögel gleichfalls als Publikumsmagnete. Zum Kino-Coup inklusive César avancierte vor drei Jahren der französische „Schneeleopard“ von Vincent Munier. Er begibt sich nun, gemeinsam mit Vater und Sohn, in die moosbedeckten Wälder der Vogesen. Der filmische Familienausflug zu röhrendem Hirsch, niedlichen Eulenkindern und balzenden Auerhähnen bietet bestechende Naturbilder. Und setzt beim Tempo mit voller Kraft auf Entschleunigung.
Über den Film
Originaltitel
Le chant des forêts
Deutscher Titel
Das Flüstern der Wälder
Produktionsland
FRA
Filmdauer
95 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Munier, Vincent
Verleih
Pandora Film Medien GmbH
Starttermin
19.02.2026
Am Anfang herrscht dichter Nebel. Nur langsam gibt er das Bild frei auf die Spitzen der Tannen. Ein mehrstimmiger Chorgesang verdeutlicht den Eintritt in eine andere Welt. Vorhang auf zu einer fast meditativen Hommage an die Schönheit von Flora und Fauna. Diese Ouvertüre in Weiß ist kein Zufall, Großvater Michel erzählt später seinem Enkel Simon, wie solche Nebel ihn einst auf magische Weise in ihren Bann gezogen haben. Bis heute hat er sich diese Faszination bewahrt. Immer wieder zieht es den leidenschaftlichen Naturliebhaber an den Ort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Mehr als achthundert Nächte hat er in diesem moosbedeckten Vogesenwald schon verbracht. Gut getarnt in seinem Lieblingsversteck, einer üppigen Tanne, beobachtet der Alte die Tiere im Laufe der Jahreszeiten. Auch Enkel Simon ist bei den Expeditionen in die heimische Tierwelt dabei. Geduld ist die wichtigste Eigenschaft, sagt ihm der Opa. Wie er es zuvor auch schon seinem damals zwölfjährigen Sohn Vincent beigebracht hat. Aus ihm wurde ein renommierter Wildtierfotograf und Dokumentarfilmer, dessen „Schneeleopard“ vor drei Jahren mit dem César prämiert wurde. Wie dort geht es auch diesmal um viel Warten, um leises Flüstern von Lebensweisheiten sowie das große Staunen über die Natur.
„Glaubst du, wir sehen Auerhähne?“, fragt der neugierige Enkel besorgt. Er liegt in Wartesstellung auf der Lauer und muss sich zunächst mit den reflektierenden Augen einer Eule begnügen. Auerhühner sind so selten wie scheu und vom Aussterben bedroht. Aber selbstverständlich werden weder der Enkel noch das Publikum enttäuscht: Mit einem prächtigen Balz-Auftritt präsentiert sich der größte europäische Hühnervogel mit prägnantem Glucksen in Bestform. Geräusche spielen immer wieder eine große Rolle in dieser Doku. Vom Flügelschlag-Getöse eines riesigen Vogelschwarms bis zum unvermeidlichen Röhren der Hirsche. Als Kontrast herrscht immer wieder Stille, erst recht, wenn der Schnee den Sound der Natur gedämpft in Watte packt. Für die Drei- Generationen-Expedition ist derweil Ruhe erste Beobachterpflicht. Geduld und Warten werden belohnt. „Mein erster Luchs!“ freut sich der erfahrene Waldkenner Michel, derweil sich der Enkel für niedliche Eulenkinder begeistert und der Vater fasziniert ist von Vögeln, die unter der Rinde toter Bäume ein neues Zuhause finden.
Auf plakative Öko-Belehrungen wird verzichtet, der Film kann sich getrost auf die Magie seiner prachtvollen Bilder und poetischen Klänge verlassen. Die Familienaufstellung der drei Generationen gelingt und kommt ohne allzu große Sentimentalitäten aus. Nur bisweilen schimmert ein bisschen „Bambi“-Kitsch durch den Forst. Doch das stört letztlich wenig bei dieser gelungenen Hymne auf die heimische Flora und Fauna. Naturdokus gibt es im TV-Programm wie Sand am Meer. Zur richtigen Entfaltung kommt der visuelle Genuss freilich erst auf der großen Leinwand. Kino zum Staunen – das beim nächsten Waldspaziergang durchaus nachwirken dürfte!
Dieter Oßwald







