Ein warmherziges, spannendes Kinoerlebnis für die ganze Familie – und eine Einladung, Geschichte als Verantwortung im Heute zu betrachten.
Es geht um einen Jungen, dessen Eltern ein altes Hotel in den Bergen gekauft haben. Doch statt ihnen beim Renovieren zu helfen, stromert Karli durch die Gegend und entdeckt einen Lastenfahrstuhl, der ihn direkt ins Jahr 1938 bringt. Same place … different time.
Über den Film
Originaltitel
Das geheime Stockwerk
Deutscher Titel
Das geheime Stockwerk
Produktionsland
DEU
Filmdauer
91 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Lechner, Norbert
Verleih
farbfilm verleih GmbH
Starttermin
12.03.2026
Ein Hotel als Zeitkapsel: In den Alpen renovieren Karlis Eltern ein altes Grandhotel. Doch der 12‑Jährige hat keine große Lust, seine Ferien mit Tapetenkratzen zu verbringen. Also geht er auf Entdeckungsreisen und findet einen Lastenaufzug – Karli landet im selben Haus, aber im Jahr 1938. Dort trifft er auf Hannah, ein jüdisches Mädchen, das mit ihrem Vater aus Berlin geflohen ist, und auf den Schuhputzer Georg. Zusammen geraten die drei in einen Juwelendiebstahl, der wie ein Kinderkrimi beginnt – und sehr schnell in eine Welt führt, in der Ausgrenzung längst Alltag ist und die Bedrohung nicht aus dem Dunkel eines Flurs, sondern aus Uniformen, Parolen und aus dem Verhalten scheinbar „ganz normaler“ Menschen kommt.
Norbert Lechner nutzt den Schauplatz Hotel klug als Mikrokosmos: In den Gängen begegnen sich Personal und Gäste, Klassenunterschiede werden sichtbar, und die politischen Verwerfungen sickern bis in die letzten Zimmer. Den beiden Drehbuchautorinnen, Antonia Rothe-Liermann und Katrin Milhahn, gelingt das Kunststück, die historischen Fakten und den menschlichen Kern dahinter, in genau der richtigen Dosis aufzubereiten. 1938 ist in Österreich das Jahr, in dem das Land seine Eigenstaatlichkeit aufgibt – und der „Anschluss“ wird von vielen Österreichern begrüßt. Noch ist es nicht so weit, aber der Antisemitismus ist allgegenwärtig, die Denunziation gesellschaftsfähig, der Gedanke an Flucht wird für viele zur Überlebensfrage – auch für Hannah und ihren Vater. Der Film erklärt das jedoch nicht in Lehrbuchsätzen, sondern lässt Kinderaugen registrieren, was Erwachsene wegschieben oder befehlen. Gerade weil Hannahs Angst nicht „groß gespielt“ wird, sondern in kleinen Reaktionen sitzt, trifft sie umso härter.
Dazu passt die Zeitreise-Regel, die der Film behutsam miterzählt: Man kann die Vergangenheit nicht einfach umschreiben. Karlis Drang, Hannah zu warnen, kollidiert mit der Logik des Fahrstuhls – und mit der historischen Realität. Aus dem Detektivspaß wird ein moralisches Dilemma, das Kindern durchaus etwas zutraut: Unrecht zu erkennen, auch wenn man es nicht aufhalten kann. Damit umzugehen, dass man recht hat, aber trotzdem nichts tun kann.
Silas John spielt Karli angenehm natürlich, Annika Benzin gibt Hannah eine Mischung aus Trotz, Misstrauen und verletzlicher Neugier. Maximilian Reinwald als Schuhputzer Georg ist ein freundlicher Junge, der den Versprechungen der Nazis zunächst glaubt, aber schließlich doch noch den Absprung findet. Die Ausstattung macht das Hotel zum begehbaren Geschichtsbuch, die Kamera sucht oft die Höhe von Kinderblicken, und die Montage hält den Rhythmus zwischen Abenteuerlust und stiller Beklemmung.
Gaby Sikorski







