Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Wenn ein Roman wie der des US-Autors John Green weltweit die Bestsellerlisten stürmt, dann scheint eine Verfilmung nur eine Frage der Zeit zu sein. Leider lösen die meisten Filme nicht das Versprechen ihrer Vorlage ein – bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ liegt der Fall zum Glück ganz anders. Die empathische Liebesgeschichte zweier krebskranker Teenager brilliert mit entwaffnendem Witz, großer Offenheit und Authentizität. Hinzu kommen zwei herausragende Hauptdarsteller, denen spätestens nach diesem Auftritt alle Türen in Hollywood offen stehen dürften.

Webseite: www.dasschicksalisteinmieserverräter-derfilm.de

OT: The Fault in our Stars
USA 2014
Regie: Josh Boone
Drehbuch: Scott Neustadter, Michael H. Weber nach dem Roman von John Green
Darsteller: Shailene Woodley, Ansel Elgort, Laura Dern, Willen Dafoe, Sam Trammell, Nat Wolff
Laufzeit: 125 Minuten
Verleih: Fox
Kinostart: 12.6.14

PRESSESTIMMEN:

"Eine schön leichte, lebensbejahende Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Krebs-Überlebenden, mit charmanten Dialogen und viel Witz."
Brigitte

"Lakonische, absolut würdige Verfilmung von John Greens wundervollem Bestseller über eine große erste Liebe, die vielleicht die letzte sein muss."
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Boy meets Girl. So fangen fast alle Liebesgeschichten an. Gerade die erste große Liebe scheint dabei für Träumereien, Schwärmereien und die vielzitierten Schmetterlinge im Bauch prädestiniert zu sein. Das (ganze) Leben liegt vor einem und man könnte die Welt umarmen. Bei der 16-jährigen Hazel (Shailene Woodley) durchkreuzt jedoch eine teuflische Krankheit die Unbekümmertheit der Jugend. Vor drei Jahren erhielt sie und ihre Familie die niederschmetternde Diagnose: Krebs. Nachdem dieser zunächst in der Schilddrüse entdeckt worden war, bildete er später Metastasen in der Lunge aus. Das ist auch der Grund, weshalb Hazel nie ohne Sauerstoffflasche das Haus verlassen kann. Zur Schule geht sie schon länger nicht mehr. Stattdessen soll sie eine Selbsthilfegruppe besuchen, befürchtet ihre Mutter (Laura Dern) doch, sie könne ansonsten eine Depression entwickeln. Eher widerwillig geht Hazel diesem Wunsch nach. Auf den Treffen lernt sie schließlich den an Knochenkrebs erkrankten, gleichzeitig aber unglaublich lebenshungrigen, optimistischen Gus (Ansel Elgort) kennen.
 
Hazel und Gus entwickeln eine besondere Freundschaft. Sie sind Seelenverwandte, jedoch lange Zeit kein typisches Paar. Genauso untypisch ist der Blick, mit dem diese Verfilmung eines weltweit erfolgreichen Jugendbestsellers auf seine Protagonisten und ihr Schicksal schaut. Der US-Amerikaner John Green schuf mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ einen Roman, der sich erstaunlich ehrlich, ungefiltert und stets voller Respekt einem schwierigen Sujet näherte. Den eigenen Tod als ständigen Begleiter vor Augen passen Hazel und Gus nicht in das Raster einer unschuldigen Teenager-Liebe. Und doch fühlt sich das, was beide zusammen erleben, durchaus recht ähnlich an. Regisseur Josh Boone stand vor der Herausforderung, diese einzigartige Stimmung auf den Film zu übertragen, was ihm am Ende bravourös gelingt. Seine Adaption – obwohl eigentlich eine Studioproduktion – wandelt auf den Spuren kleiner Independent-Perlen wie „Garden State“ oder „Vielleicht lieber morgen“.
 
So wechseln sich hinreißend komische Momente immer wieder mit melancholischen und emotional durchaus heftigen Passagen ab, in denen Hazels Erkrankung schonungslos ihren Tribut fordert. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle und Stimmungen wirkt jedoch weder forciert noch manipulativ. Vielmehr legt Boone den dramatischen Hintergrund ganz natürlich an. Sein Film nähert sich daher bis zum Ende ohne Scheu oder politische Korrektheit Hazels und Gus’ Krebserkrankung, die schon bald als unsichtbarer Begleiter wahrgenommen und akzeptiert wird. Im Mittelpunkt stehen hier zudem weniger Krankheit oder Tod sondern die pure Lust am Leben und eine wunderbare Freundschaft, von der man nur zu gerne jeden einzelnen Augenblick festhalten würde. Seien es die kleinen Gesten zwischen Hazel und Gus – meist genügt ein Blick, um den anderen zu verstehen – oder die für alle Beteiligten aufregende Reise nach Amsterdam, wo Hazel den Autor ihres Lieblingsromans (gespielt von Willem Dafoe) zu treffen hofft, man möchte als Zuschauer keine Sekunde missen.
 
Den Erfolg des Films beruht neben der Regieleistung vor allem auf dem Spiel der beiden Hauptdarsteller. Shailene Woodley („The Descendants“) und Ansel Elgort empfehlen sich mit ihren Rollen als Hollywoods nächste Shootingstars. Ihre Natürlichkeit und Authentizität verhilft der Liebesgeschichte erst zu ihrer außergewöhnlichen Durchschlagskraft. Man bangt, hofft, lacht und weint mit ihnen. Eine derart intensive Nähe zwischen Leinwand und Publikum können letztlich nur wenige Schauspieler und Filme aufbauen. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ erscheint wie ein seltener Glücksfall für das viel zu oft mutlose US-Kino. Es ist eine Geschichte voller universeller Themen, die sowohl Jugendliche als auch eine ältere Generation gleichermaßen ansprechen dürfte.
 
Marcus Wessel