Das Verschwinden der Eleanor Rigby

Ja, sie ist nach dem Beatles-Song benannt: Die titelgebende Eleanor Rigby, die in Ned Bensons Debütfilm „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ nicht wirklich verschwindet, aber sich nach dem Tod ihres Babys von ihrem Mann Conor entfremdet. Aus dem interessanten Ansatz, eine Liebesgeschichte aus zwei Perspektiven zu erzählen, mit der Subjektivität von Wahrnehmung zu spielen, wird ein atmosphärischer Film über den Umgang mit einem Verlust und das Ende einer Liebe.

Webseite: www.prokino.de

USA 2013
Regie, Buch: Ned Benson
Darsteller: Jessica Chastain, James McAvoy, William Hurt, Viola Davis, Isabelle Huppert, Ciaran Hinds
Länge: 123 Minuten
Verleih: Prokino
Kinostart: 27. November 2014
 

Pressestimmen:

"Eine berührende Geschichte über Verlust und Nähe mit wunderbaren Schauspielern… einer der schönsten Filme des Jahres über die Liebe."
SPIEGEL online

FILMKRITIK:

In der ersten Szene von „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ sitzen Eleanor (Jessica Chastain) und Conor (James McAvoy) in einem Restaurant, prellen die Zeche, rennen davon und landen auf einer Wiese in einem Park: Glühwürmchen flirren in der Luft, alles ist perfekt, die Liebe groß. In der nächsten Szene fährt Eleanor über eine Brücke, stellt ihr Fahrrad ab und springt in den Fluss. Was zwischen dem Moment des Glücks und Eleanors Selbstmordversuch passiert ist wird nur angedeutet, doch schnell ist klar, dass das junge Ehepaar sein gerade geborenes Baby verloren hat.

Nach dem Selbstmordversuch gehen beide ihrer Wege, Eleanor zieht ins außerhalb der Stadt gelegene Haus ihrer Eltern. Ihr Vater Julian (Willaim Hurt) ist ausgerechnet Psychologe, ihre Mutter Mary (Isabelle Huppert) trinkt vor allem Rotwein, während ihre kleinere Schwester Katy (Jess Weixler) mit ihrem Sohn ebenfalls bei den Eltern lebt. Schließlich nimmt Eleanor ihr Studium wieder auf und findet in der burschikosen, zynischen Professoren Lillian (Viola Davis) eine Mentorin.

Während Eleanor Distanz will, sucht Conor die Nähe seiner entfremdeten Frau, lauert ihr auf, stalkt sie geradezu und schafft es auch sonst nicht, sein Leben in den Griff zu bekommen: Seine Bar läuft schlecht, sein bester Freund Stuart (Bill Hader) dringt nicht mehr zu ihm durch und das Verhältnis zu seinem erfolgreichen Vater Spencer (Ciaran Hinds) ist von Vorwürfen geplagt.

Meist laufen die Geschichten von Eleanor und Conor unabhängig voneinander ab, manchmal kreuzen sich aber auch ihre Wege, scheinen sie wieder zusammenzukommen, verbringen eine Nacht zusammen, um dann doch wieder getrennter Wege zu gehen. Dazwischen: Lange Dialogszenen, in denen das Leben, die Liebe, die Melancholie eines Verlusts Thema sind.

„Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ ist ein Film, der eigentlich zwei Filme ist. Denn eigentlich hatte Ned Benson für sein Langfilmdebüt einen ebenso ambitionierten, wie dramaturgisch interessanten Plan: Er drehte zwei Filme, die jeweils aus der Perspektive von ihr bzw. ihm die Ereignisse schilderten. Die Szenen, in denen Eleanor und Conor sich treffen tauchen dabei zwar in beiden Filmen auf, jedoch jeweils in leicht unterschiedlicher Perspektive. Was nun in Deutschland ins Kino kommt, ist der Zusammenschnitt beider Versionen, der dadurch dramaturgischen Clou verliert.

So abrupt der emotionale Sprung der ersten beiden Szenen ist, so sprunghaft läuft auch der Rest des Films bisweilen ab. Mal verbringt man lange Minuten mit Eleanor, dann wird zu Conor geschnitten, verbringt man längere Zeit bei ihm. Gerade die Szenen mit den exquisiten Nebendarstellern sind dabei die größte Freude des Films und ermöglichen Schauspielern wie Viola Davis und Ciaran Hinds in wenigen Szenen komplexe Charaktere zu entwerfen. Zumal ihnen Ned Benson viel Raum lässt, die Szenen sich meinst in langen Einstellungen entwickeln.

Doch durch den interessanten Ansatz, eine Liebesgeschichte aus zwei Perspektiven zu erzählen, mit der Subjektivität von Wahrnehmung zu spielen, gibt es immer noch viele interessante Aspekte, bleibt „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ auch so sehenswert.
 
Michael Meyns