Emma Thompson, als Darstellerin und Drehbuchautorin oscarprämiert, überzeugt in der amerikanisch-deutschen Koproduktion „Dead of Winter – Eisige Stille“ als trauernde Witwe, die in der Einsamkeit Minnesotas auf eine entführte junge Frau aufmerksam wird. Brian Kirks Thriller hat seine Momente und verströmt eine frostige Atmosphäre. Exzessiv eingestreute Rückblenden und einige hanebüchene Drehbuchentscheidungen schmälern dann aber doch den Unterhaltungswert.
Über den Film
Originaltitel
Dead of Winter
Deutscher Titel
Dead of Winter – Eisige Stille
Produktionsland
USA,DEU
Filmdauer
98 min
Produktionsjahr
2025
Produzent
Silverman, Greg / Berg, Jon / Katzenstein, Jonas
Regisseur
Kirk, Brian
Verleih
Leonine Distribution GmbH
Starttermin
19.02.2026
Spannungskino mit englischsprachigen Stars und klarem Blick für den internationalen Markt – unter dieser Prämisse hat die in Köln ansässige Produktionsfirma augenschein in den letzten Jahren einige Filme mit auf den Weg gebracht. Darunter so interessante Projekte wie den Flugzeugthriller „7500“ mit Joseph Gordon-Levitt, das Weltraumkammerspiel „Stowaway – Blinder Passagier“ mit Anna Kendrick und Toni Collette oder den Dystopie-Stoff „The Assessment“ mit Elizabeth Olsen und Alicia Vikander. Im Portfolio des Unternehmens befindet sich auch das Survivalstreifen „Dead of Winter – Eisige Stille“, der 2025 auf dem Filmfestival von Locarno seine Weltpremiere feierte. Geehrt wurde in diesem Rahmen Hauptdarstellerin Emma Thompson für ihr Lebenswerk.
In dem von Brian Kirk („21 Bridges“) inszenierten Film spielt die vielfach prämierte Britin – unter anderem erhielt sie jeweils einen Oscar als Hauptdarstellerin und Drehbuchautorin – eine rüstige Witwe namens Barb, die sich in die Einsamkeit des nördlichen Minnesotas aufmacht, um den letzten Wunsch ihres kürzlich verstorbenen Ehemanns zu erfüllen. An jenem See, an dem die beiden einst ein besonderes Date hatten, möchte sie in Ruhe eisfischen und anschließend seine Asche verstreuen.
Bei ungemütlichen Wetterbedingungen verliert die Protagonistin kurz die Orientierung und fragt an einer Hütte in der Einöde nach dem Weg. Den bärtigen Mann (Marc Menchaca) macht sie gleich noch auf Blutspuren im Schnee aufmerksam, die angeblich von einem bei der Jagd erlegten Tier stammen. Barb findet das Ganze etwas merkwürdig, zieht aber erst einmal von dannen. Kurz darauf erkennt sie, dass der vermeintliche Einsiedler und seine Gattin (Judy Greer) eine junge Frau (Laurel Marsden) – wie wir später erfahren, heißt sie Leah – gefangen halten. Barb will helfen, bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr.
Wie man es auch dreht und wendet, der größte Pluspunkt von „Dead of Winter – Eisige Stille“ ist Emma Thompson. Erfreulicherweise mutiert Barb, abgesehen von einer Übertreibung (Stichwort: Eisloch), nicht zu einer kleinen Superheldin, wie es in Thrillern dieser Art oft geschieht. Vielmehr schwankt sie im Angesicht der Bedrohung zwischen Angst, Panik, Pragmatismus und Pfiffigkeit. Die Falten im Gesicht der Schauspielerin erzählen von einem langen, erfahrungsreichen Leben. Und kein bisschen zweifelt man an der Naturverbundenheit der Witwe, die sich den widrigen Witterungsumständen entgegenzustemmen weiß. Thompson dabei zuzuschauen, wie sie, ohne großes Aufheben, eine greifbare, plastische Persönlichkeit erschafft, ist definitiv ein Gewinn.
In den entsättigten Landschaftsaufnahmen transportieren Regisseur Brian Kirk und Bildgestalter Christopher Ross überzeugend eine eisig-bedrückende Atmosphäre. Immer mal wieder entfernt sich die Kamera von den Figuren, um ihre Verlorenheit inmitten der weiß bedeckten Natur zu betonen. Die Handlung ist zwar im US-amerikanischen Bundesstaat Minnesota verortet, was Erinnerungen an die winterliche Provinzgroteske „Fargo – Blutiger Schnee“ der Coen-Brüder weckt. Gedreht wurden die Außensequenzen des Thompson-Reißers allerdings in Finnland.
Durchaus ehrbar ist das Bemühen, Barb und ihre Vorgeschichte ausfeilen. In dem Ausmaß, wie hier die Liebe zu ihrem verstorbenen Ehemann in warme, kitschig-postkartengleiche Rückblenden gegossen wird, ist es aber schon wieder kontraproduktiv. Mehr als einmal bremsen die Einschübe aus der Vergangenheit, in denen Emma Thompsons Tochter Gaia Wise als junge Barb in Erscheinung tritt, die Spannung auf der Gegenwartsebene aus. Zu einem Klotz am Bein werden darüber hinaus einige abwegige Twists und Enthüllungen, die uns das Drehbuch der bisher in anderen Gewerken arbeitenden Nicholas Jacobson-Larson (Komponist) und Dalton Leeb (Schauspieler) präsentiert. Nicht nur der Plan der Entführer steht auf wackeligen Beinen. Auch manch anderen späten Schlenker des unter dem Strich bloß mittelprächtigen Thrillers sollte man nicht zu genau sezieren.
Christopher Diekhaus







