Ein von Ryan Gosling gespielter Lehrer wird in der Verfilmung von Andy Weirs dritter Romanarbeit zum letzten Hoffnungsträger der Menschheit. Seine Reise in die Weiten des Weltraums nimmt allerdings einen überraschenden Verlauf. Phil Lord und Christopher Miller bringen das Kunststück fertig, Science-Fiction-Epos und berührendes Kammerspiel überzeugend zu verbinden. „Der Astronaut – Project Hail Mary“ kommt gegen Ende zwar etwas ins Schwimmen. Unterhaltsam ist die erstaunlich lustige Buchadaption aber allemal.
Über den Film
Originaltitel
Project Hail Mary
Deutscher Titel
Der Astronaut – Project Hail Mary
Produktionsland
USA
Filmdauer
157 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Gosling, Ryan / Lord, Ryan / Miller, Christopher / Pascal, Amy
Regisseur
Lord, Phil / Miller, Christopher
Verleih
Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Starttermin
19.03.2026
Bereits mit seinem Debütroman „Der Marsianer“ gelang US-Schriftsteller Andy Weir ein achtbarer Erfolg. Das zunächst im Selbstverlag veröffentlichte, später von einem großen Publikationsunternehmen herausgebrachte Science-Fiction-Buch, eine Robinsonade auf dem Roten Planeten, stürmte die Bestsellerlisten und begeisterte auch Filmemacher Ridley Scott. Dessen Leinwandadaption mit Matt Damon in der Hauptrolle erblickte 2015 das Licht der Welt und konnte sowohl Kritiker als auch Publikum überzeugen. Mit „Der Astronaut – Project Hail Mary“ kommt nun Andy Weirs drittes Werk in die Kinos. Die gute Nachricht: Auch dieses Mal ist kurzweilige Unterhaltung garantiert.
Das Ein-Mann-allein-im-Weltraum-Szenario aus „Der Marsianer“ findet sich in abgewandelter Form in der neuen Romanverfilmung wieder. Hier ist es der von Ryan Gosling gespielte Molekularbiologe Dr. Ryland Grace, der zu Beginn Lichtjahre von seinem Heimatplanenten entfernt in einem Raumschiff mutterseelenallein aus dem künstlichen Koma erwacht. Warum er sich an Bord befindet, ist ihm zunächst schleierhaft. Irgendwann kehren jedoch die ersten Erinnerungen zurück.
Grace, früher ein einfacher Lehrer, wurde von Eva Stratt (Sandra Hüller), der Leiterin des „Hail Mary“-Projektes rekrutiert, das nichts weniger als die Rettung der Menschheit zum Ziel hat. Denn mysteriöse, Astrophagen genannte außerirdische Organismen sorgen dafür, dass die Sonne rapide an Energie verliert und der Erde dadurch eine neue Eiszeit droht. Weil bereits alle Sterne bis auf Tau Ceti von der fremden Lebensform infiziert wurden, sollte die Expedition auf dem verschont gebliebenen Himmelskörper nach Lösungsmöglichkeiten suchen.
Nicht umsonst trägt die Mission (und auch der Originalromantitel) den Namen „Hail Mary“, der im Englischen nicht nur für das aus dem katholischen Glauben stammende Gebet Ave-Maria steht. Im American Football bezeichnet diese Wendung auch einen riskanten, wenig erfolgversprechenden Vorwärtspass, mit dem das sich im Hintertreffen befindende Team, besonders am Ende eines Spiels, das drohende Scheitern noch einmal abwenden möchte. Das von Eva Stratt überwachte Programm ist also der letzte Strohhalm, an den sich die Menschen klammern. Bezeichnenderweise müssen sich die direkt beteiligten Astronauten im wahrsten Sinne des Wortes opfern. Immerhin können sie aufgrund der beträchtlichen Reisezeit, der Entfernung nicht lebend auf die Erde zurückkehren.
Der von Phil Lord und Christopher Miller (unter anderem verantwortlich für das rasante Animationsabenteuer „The LEGO Movie“) inszenierte Film spielt auf zwei Zeitebenen, beschreibt zum einen das Ringen des Protagonisten mit der Extremsituation in der Gegenwart und enthüllt zum anderen in Rückblenden die Vorbereitungen auf die große Mission, das aus der Not geborene Himmelfahrtskommando. Einen kräftigen Energiestoß bekommt die Geschichte mit einer Wendung, die schon im offiziellen Trailer preisgegeben wird: Ganz so allein, wie er denkt, ist Grace nämlich nicht. Irgendwann trifft er auf einen Alien, eine Art Spinne aus Steinen, den er auf den Namen Rocky tauft. Und siehe da: Auch dieses Wesen will seine Spezies retten und das Astrophagen-Problem lösen.
Die Beziehung zwischen Ryland und dem Außerirdischen ist das laut pochende Herz von „Der Astronaut – Project Hail Mary“, das emotionale Zentrum der Geschichte. Hoffnung, Vertrauen, Offenheit und Lernbereitschaft – all das zeigt sich nach und nach in der Annäherung der beiden so unterschiedlichen Figuren. Aspekte, Eigenschaften, die in unserer angespannten aktuellen Weltlage oft viel zu kurz kommen. Passenderweise setzt der Science-Fiction-Film immer wieder auf kleine, intime Momente, eine kammerspielartige Atmosphäre – was allerdings nicht heißen soll, dass die großen, atemberaubenden Bilder gänzlich fehlen würden.
Erstaunlich ist trotz der ernsten Ausgangslage, wie lustig die Adaption in weiten Teilen gerät. Die Rückblenden über den Vorlauf des „Hail Mary“-Projektes ziehen ihren Witz vor allem aus dem Umstand, dass sich der leicht kauzige Grace kein bisschen als Held und Vordenker sieht. Plötzlich steht er aber nicht mehr im Klassenzimmer, sondern vor anerkannten Wissenschaftlern und soll Antworten liefern. Die nur in diesen Passagen auftauchende Sandra Hüller zeigt eindrucksvoll, warum sie seit kurzem auch international viel gefragt ist. Als unterkühlte, in einer Szene jedoch spontan aus sich herausgehende Pragmatikerin gibt sie einen schönen Gegenpol zum mit Nerd-Charme und gutem Timing punktenden Ryan Gosling. Noch ein Stück mehr zu lachen gibt es im Austausch zwischen Grace und Rocky, der anfangs zahlreiche köstliche Missverständnisse in der Kommunikation bereithält. Angesichts der so berührenden, an „E.T. – Der Außerirdische“ erinnernden Interaktion fällt es gar nicht so sehr ins Gewicht, dass „Der Astronaut – Project Hail Mary“ die mit einigen Wendungen gespickte letzte halbe Stunde etwas hektisch abspult und manch spannende Frage – vorrangig die nach dem Preis für die Rettung der Menschheit – nur im Vorbeigehen streift.
Christopher Diekhaus







