Der Dieb der Worte

Von der Kraft der Worte, und Schuld, mit der man leben muss erzählen die Regiedebütanten Brian Klugman und Lee Sternthal in „Der Dieb der Worte“. In einer verschachtelten Erzählung geht es um einem Autor, der ein fremdes Manuskript unter eigenem Namen veröffentlicht, damit großen Erfolg hat, aber dennoch nicht glücklich wird. Gehaltvolles, vielschichtiges Kino zum Mitdenken – mit hervorragenden Darstellerleistungen von Jeremy Irons, Bradley Cooper, Zoe Saldana u.a.

Webseite: www.wildbunch-germany.de

USA 2012
Regie, Buch: Brian Klugman & Lee Sternthal
Darsteller: Bradley Cooper, Jeremy Irons, Dennis Quaid, Zoe Saldana, Olivia Wilde, J.K. Simmons
Länge: 102 Minuten
Verleih: Central Film
Kinostart: 23. Mai 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Der Erfolgsautor Clay Hammond (Dennis Quaid) beginnt aus seinem Bestseller vorzulesen: In dem Roman geht es um den Erfolgsautor Rory (Bradley Cooper), der seit langem davon träumte, einen Bestseller zu schreiben. Zusammen mit seiner Verlobten Dora (Zoe Saldana) zog er nach New York, schlug sich mehr schlecht als recht durchs Leben und arbeitete an einem Roman. Doch kein Verlag wollte das introspektive Buch abdrucken und Rory verzweifelte zunehmend an seinem Talent. Fast hatte er sich entschlossen, dass Schreiben aufzugeben, da fiel ihm bei der Hochzeitreise in Paris eine alte Aktentasche in die Hände. Darin: Ein Manuskript, das all die Qualitäten besitzt, die Rory gern selbst hätte. Das finden auch Dora und sein Verleger und ehe Rory es sich besser überlegen kann, wird er gedruckt und ist ein Star.

Doch am Tag nach einer weiteren Preisverleihung nötigt ihm ein alter Mann (Jeremy Irons) ein Gespräch auf und konfrontiert Rory mit der Wahrheit über die tatsächliche Autorenschaft des Buchs. Nun erzählt der alte Mann Rory von seinem Leben in Paris, wo er nach dem Krieg lebte, sich in eine Französin verliebte und ebenso vom Schreiben träumte wie Rory. Doch das Schicksal sah anderes vor. Die ans Obsessive grenzende Besessenheit für die Wörter, haben schon das Glück des alten Mannes zerstört und drohen nun auch Rorys Leben zu zerstören.

In drei Erzählebenen variieren Brian Klugman und Lee Sternthal ihr Thema: Das ist weniger das bloße Stehlen eines Manuskript, als eine Schuld, die aus einem Moment der Schwäche aufgeladen wurde. Äußerlich erfolgreicher, jovialer Schriftsteller, offenbart Clay Hammond in der Rahmenhandlung zunehmende Abgründe. Ein Flirt mit dem Literatur-Groupie Daniella (Olivia Wilde) nimmt der Autor anfangs als Bestätigung seines Status, nur um mehr und mehr zu realisieren, dass er zwar für seinen Erfolg bewundert wird, er dafür aber die Liebe seiner Frau verloren hat. Die Besessenheit für Wörter war zu groß, als das er der Versuchung widerstehen konnte – und genauso ging es auch dem namenlos bleibenden alten Mann, der im Paris der Nachkriegszeit an der Schreibmaschine saß und Hemingway nacheiferte.

Wie die drei Ebenen ineinander verschmelzen und trotz mancher bewusster Ambivalenz – wo endet die Realität, wo fängt die Fiktion an – immer klar unterscheidbar bleiben, zeugt von einiger Qualität. Und nicht zuletzt einem Vertrauen in den Zuschauer, der in „Der Dieb der Worte“ so sehr zum Mitdenken aufgefordert ist, wie es gerade im amerikanischen Mainstream-Kino nicht mehr allzu oft vonnöten ist. Da verzeiht man auch gern, dass sich gerade zum Ende arg viel Sentimentalität einschleicht, zumal die Schauspieler, allen voran Jeremy Irons, durchweg überzeugen. „Der Dieb der Worte“ ist vielschichtiges Kino, das die verführerische und bisweilen auch zerstörerische Kraft der Worte beschwört.

Michael Meyns

Junge Schriftsteller oder solche, die sich dafür halten, gibt es viele. Rory Jansen ist einer davon. Er schreibt und schreibt – Erfolg hatte er bisher nicht. Seine junge (und schöne) Frau Dora liebt und unterstützt ihn sehr.

In einem Pariser Antiquitätenladen entdeckt er während der Hochzeitsreise eine alte Schreibmappe, die ihm gefällt. Dora schenkt sie ihm.

Monate später. Rory findet in der Mappe ein Romanmanuskript. Es ist literarisch und menschlich von hohem Wert. Sein Gewissen ist bald übertölpelt, er kopiert das Werk Wort für Wort, gibt es als sein eigenes aus. Der Verkauf ist so erfolgreich, dass er sofort berühmt wird.

Ganz so einfach allerdings läuft die Sache nicht. Ein alter Mann, der Rory seit der Buchvorstellung gefolgt ist, nähert sich ihm, und es stellt sich heraus, dass er der Autor des Romans ist, seine eigene bewegende Geschichte, in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg in Paris spielend. Rory ist bestürzt, reuig, zur Aufdeckung des Falles bereit. Es folgt ein langes Gespräch des „Dieb(es) der Worte“ mit dem alten Mann. Dora hilft ihrem Gatten, das Gleichgewicht wieder zu finden. Wenig später stirbt der alte Mann.
Doch das ist noch lange nicht alles.

Festveranstaltung,. Preisverleihung. Geehrt wird der Schriftsteller Clay Hammond. Er ist es anscheinend, der die Erlebnisse und Geschichte der beiden Vorangegangenen erfunden hat. Dass aber sein Leben unproblematisch gewesen wäre oder noch wäre, kann man auch nicht sagen. In einem tête à tête mit der leicht indiskreten Studentin Danielle stellt sich das rasch heraus.

Eine literarisch-spielerische, menschlich ansprechende, ziemlich originell erfundene, mit leichtem psychologischem Tiefgang unterhaltende Filmvorlage, die in den Dialogen glänzt, die plausible Schauplätze stellt und die vor allem phantastisch gespielt ist: von dem überzeugenden Bradley Cooper als Rory Jansen, von Jeremy Irons als dem erschütternden alten Mann, von Dennis Quaid als dem auftrumpfenden Autor Clay Hammond sowie von den ebenfalls exzellent spielenden Olivia Wilde als Daniella und insbesondere Zoe Saldana als Dora.

Thomas Engel