Der göttliche Andere

Könnte Gott etwas gegen die Liebe haben, gar eifersüchtig sein? Eigentlich nicht, aber was wäre, wenn die geliebte Frau kurz davor steht, in ein Nonnenkonvent einzutreten? Das ist die Ausgangskonstellation der leichten, romantischen Komödie „Der göttliche Andere“, die vor der stets malerischen Kulisse der “himmlischen” Stadt Rom spielt. Jan Schomburg („Vergiss mein Ich“, Ko-Autor „Vor der Morgenröte“) gelingen in seiner ersten internationalen romantischen Komödie viele nette Momente und einige großartige Szenen des Genres.

Trailer: www.youtube.com

Deutschland/ Italien 2020
Regie & Buch: Jan Schomburg
Darsteller: Callum Turner, Matilda De Angelis. Ronke Adekoluejo, Paolo Bonacelli, Kemaal Deen-Ellis
Länge: 90 Minuten
Verleih: X Verleih, Vertrieb: Warner
Kinostart: 13. August 2020

Pressestimmen:

“Wenn Gott dir das Mädchen wegnehmen will: In „Der göttliche Andere“ macht der Atheist Gregory eine sonderbare Erfahrung… Eine sympathische Sommerkomödie mit internationaler Besetzung.” Weser-Kurier

FILMKRITIK:

Der arrogante TV-Sprecher Gregory sieht sich selbst als einen schönen Strand in der Karibik, an dem man vielleicht eine Woche verbringen will, aber kein Einfamilienhaus drauf bauen will. Genau das strahlt der zynische Schnösel auch aus, als er in Rom einfliegt, um als Ungläubiger von der Papst-Wahl zu berichten. Dann verliebt sich Gregory Knall auf Fall in Maria (Matilda de Angelis), die gerade dabei ist, Nonne zu werden. So steht einer wunderbaren gemeinsamen Nacht nach dem einvernehmlichen Gelöbnis, sich nicht in einander zu verlieben, nichts mehr im Wege. Außer der Typ, dem Maria versprochen ist… Genau, dieser Jesus.

Keine Angst, „Der göttliche Andere“ von Jan Schomburg („Vergiss mein Ich“, Ko-Autor „Vor der Morgenröte“) ist keine bajuwarische Zotte. Wie der eifersüchtige Jesu, der seine versprochene Braut nicht verlieren will, ohne persönlich aufzutreten beim Kennenlernen der beiden heftig dazwischenfunkt, ist mal albern, mal großartig komisch, mal verrückt und meistens nett. Da klaut ein Affe den Schlüssel zum Hotelzimmer. Besser schon, wie dem Angeber Gregory danach auch noch seine beiden Smartphones nacheinander von Vespa-Fahrern gemopst werden. Aber zum Glück hat er vorhin von einem Straßen-Jungen zwei bestimmt originale Kreuzigungs-Nägel mit Jesus-DNA bekommen, mit denen Maria das Zimmer-Schloss knacken kann.

Statt eines Rendezvous gibt es eine polternde Entführung, doch „Der göttliche Andere“ ist insgesamt eine wirklich nette Romanze und eindeutig zu verrückt für ein einfaches ZDF-Programm. Immer wieder gibt es echte Höhepunkte Romantischer Komödie, etwa Gregorys Test einer Liebeserklärung am Taxifahrer, der äußerst überzeugend zu einem Kuss mit diesem führt! Auch das Finale, live aus der Sixtinischen Kapelle, ist eine genial konstruierte Pointe.

Fundierte Kirchenkritik sollte nicht erwartet werden. Es ist nicht das fein geschliffene Schwert der Argumentation, wenn Kloster-Leben und Kirche mit Faschismus und Gulag verglichen werden. Aber dass der chancenlose Konkurrent am Ende mit einem exklusiven Interview mit dem neuen (schwarzen und Freud zitierenden) Papst belohnt wird, ist schon wieder so ein einfach netter kleiner Einfall.

Dabei ist Jan Schomburg, der 1976 in Aachen geboren wurde und in Köln studierte, ein durchaus ernst zu nehmender Autor für Film- und Buch, sowie bemerkenswerter Regisseur. Er hat mit Maria Schrader („Unorthodox“) das Drehbuch zum großartigen „Vor der Morgenröte“ geschrieben. Schrader spielte auch die Hauptrolle in Schomburgs letztem Kino-Film „Vergiss mein Ich“. (Und hat eine verblüffende Ähnlichkeit zur jetzigen Hauptdarstellerin Matilda de Angelis.)

Nun verkauft Schomburgs erste große und international produzierte Komödie viel Rom-Sightseeing und eher konventionelle Inszenierung. Ästhetisch sind die Filmmusik und Songs von Bonaparte, noch das Raueste und Interessanteste. Doch sowohl die ungewöhnliche Romanze als auch die im Kern übersichtliche Komödie funktionieren bis auf einige logische Lücken wunderbar. Der exzellenten italienischen Schauspielerin Matilda de Angelis (European Shooting Star der Berlinale 2018) passt ihr Part ebenso gut wie Callum Turner („Phantastische Tierwesen“, „The only living boy in New York“) der seine. Perfekte Sommerkino-Kost.

Günter Jekubzik


Gegensätze ziehen sich bekanntermaßen an, gerade im Kino. Kein Wunder also, dass sich Gregory (Callum Turner) und Maria (Matilda De Angelis) nur einmal tief in die Augen blicken müssen und sich schon verfallen sind. Dabei könnten sie nicht unterschiedlicher sein: Gregory, der rasende Reporter, der für seinen Fernsehsender gerade nach Rom geschickt wurde, um über die anstehende Wahl des neuen Papst zu berichten, auch wenn er eingefleischter Atheist ist, und Maria, die Einheimische, die kurz davor steht, in einen Nonnen-Konvent einzutreten und ihr Leben Gott zu widmen.

Vor allem aber ist Gregory ein rechter Unsympath, arrogant und eingebildet, während Maria liebreizend und nett wirkt. Da Gregory zusammen mit seinem Team ausgerechnet auf dem Dach von Marias Mutter seine Kamera aufgebaut hat, laufen sich die Beiden dennoch über den Weg, gehen zusammen aus und verbringen eine Nacht miteinander. Bei dieser Nacht soll es bleiben, betont Maria, doch die Anziehung ist zu stark. Seltsame Ereignisse, von Stromausfällen bis zu herabfallenden Bildern, scheinen zwar auf ein Eingreifen von oben hinzudeuten, doch auch der Allmächtige kann nicht verhindern, dass das ungleiche Paar zusammenfindet.

Nach „Über uns das All“ und „Vergiss mein Ich“ ist „Der göttliche Andere“ Jan Schomburgs dritte Regiearbeit, bekannter noch ist das Drehbuch, das er zusammen mit Maria Schrader für deren Erfolgsfilm „Vor der Morgenröte“ geschrieben hat. Zum ersten Mal schrieb und drehte Schomburg nun auf Englisch, in einer fremden Kultur, mit internationalen Darstellern, vielleicht auch mit dem Anspruch, international zu reüssieren.

Warum diese Internationaliserung ihm wichtig war, erschließt sich allerdings kaum, der Schauplatz Rom – gedreht wurde allerdings weitestgehend abseits der bekannteren Ecken der italienischen Metropole – verspricht ein Flair, dass die Geschichte selbst nicht einlösen kann. Allzu schematisch sind die Figuren gezeichnet, allzu vorhersehbar entwickelt sich gerade Gregory vom eingebildeten Unsympath zum mitfühlenden Mann, der sogar einem Flüchtlingsjungen viel Geld zusteckt und seiner aufstrebenden Assistenten endlich einmal Mikrofon und Rampenlicht überlässt.

Vor allem die Chemie, die zwischen den Hauptdarstellern, dem Briten Callum Turner, bekannt aus „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ und „Emma“, und der italienischen Nachwuchsschauspielerin Matilda De Angelis, entsteht, lässt über das allzu schlichte Drehbuch hinwegsehen. Vielleicht reicht in diesem Corona geplagten Kinosommer ja eine ebenso leichte, wie schlichte Liebesgeschichte aus, um ein vom Fernweh getriebenes Publikum ins Kino zu locken, gerade angesichts der stets malerischen Kulisse Roms.

Michael Meyns