Der Hypnotiseur

Nicht auf einem Roman von Henning Mankell, sondern den Erfolgsbüchern Lars Keplers basiert Lasse Hallströms Stockholm-Krimi „Der Hypnotiseur“. Die Geschichte um eine mysteriöse Mordserie überzeugt vor allem stilistisch und ist ein souverän inszenierter, aber konventionell erzählter nordischer Thriller.

Webseite: www.prokino.de

Schweden 2012
Regie: Lasse Hallsröm
Buch: Paolo Vacirca nach dem Roman von Lars Kepler
Darsteller: Tobias Zilliacus, Mikael Persbrandt, Lena Olin, Oscar Pettersson, Jonatan Bökman, Emma Mehonic
Länge: 122 Minuten
Verleih: Prokino
Kinostart: 21. Februar 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Brutal wird ein Sportlehrer mitten in einer Turnhalle abgestochen. Noch bevor Joona Linna (Tobias Zilliacus), Mitglied der Stockholmer Kriminalpolizei, entschieden hat, ob er den Fall übernehmen will, wird er zu einem weiteren Tatort gerufen: Im Haus des Lehrers finden sich weitere Opfer. Frau, Tochter und Sohn des Lehrers sind auf ebenso brutale Weise abgestochen worden. Allein der Sohn Josef (Jonatan Bökman) hat schwer verletzt überlebt und liegt im Krankenhaus, fällt aber als Zeuge aus. Die Zeit eilt und so greift Linna auf eine ungewohnte Methode zurück: Er zieht den Hypnotiseur Erik Maria Bark (Mikael Persbrandt) zu Hilfe, der selbst im Koma liegenden Patienten Geheimnisse entlocken kann. Doch die Hypnose, das Stöbern in den verborgenen, manchmal auch verdrängten Geheimnissen fremder Menschen, ist für Bark nicht ohne Folgen. Dass sieht man nicht nur auf den ersten Blick an seinem verbrauchten Gesicht, das zu jeder Tageszeit müde wirkt, sondern auch an der gespannten Beziehung zu seiner Frau Simone (Lena Olin). Vor Jahren hatte Bark eine Affäre, die ihm immer noch vorgeworfen wird, zudem zweifelt er an seinen Fähigkeiten als Hypnotiseur, seit ihm vorgeworfen würde, ein Subjekt mir suggestiven Fragen zu einer Falschaussage getrieben zu haben. Dennoch kann er nicht vom Versuch lassen, mittels Hypnose dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, selbst als auch sein Sohn Benjamin (Oscar Pettersson) von einer geheimnisvollen Gestalt mit schwarzen Kapuze entführt wurde. Zusammen mir Linna folgt er allen noch so kleinen Spuren, um den Mord zu lösen. Denn eins scheint klar zu sein: Finden sie den Mörder, finden sie auch den Entführer von Barks Sohn.

Nach Jahren in Hollywood, wo er zuletzt als Regisseur eher kitschiger Liebesfilme auffiel, kehrte Lasse Hallström für die Verfilmung von Lars Keplers Erfolgsroman „Der Hypnotiseur“ in seine schwedische Heimat zurück. Zumindest auf stilistischer Ebene hat sich das durchaus gelohnt: Mit der ganzen Erfahrung von 20 Jahren Hollywood ist Hallström nun auch in der Lage, eine im Vergleich kleine europäische Produktion ansprechend zu inszenieren. Zwar geht er dabei nicht soweit, Stockholm selbst zu einem Schauplatz zu machen, der Stadt ungewohnte, originelle Bilder abzuringen, doch allein die Souveränität, mit der er Räume und Dialogszenen inszeniert, hebt „Der Hypnotiseur“ von durchschnittlichen (Fernseh)filmen ab. Was nicht zuletzt auch das Verdienst des überzeugenden Cast ist, denen man bei aller Qualität aber immer wieder gewünscht hätte, dass ihre Figuren etwas komplexer ausgefallen wären.

Immer wieder deutet das Drehbuch von Paolo Vacirca Komplexität an, die dann im Sand verläuft: Da wird zum Beispiel Kommissar Linna zu einem einsamen Wolf stilisiert, der im Auto isst und gleichzeitig über den Fall grübelt, während seine Kollegin Magdalena immer wieder von ihrem kleinen Sohn an der Arbeit gehindert wird. Doch aus diesem Ansatz wird letztlich ebenso wenig gemacht, wie aus dem ungleich spannenderen Aspekt der Suggestion während der Hypnose. Wie sehr können Zeugen oder Verdächtige durch Fragen beeinflusst werden und zu bestimmten Antworten gedrängt werden? Doch auch hier bleibt es bei einer kurzen Andeutung, die letztlich ausschließlich zur Erklärung von Barks Charakter dient. Dieser Verzicht auf Subtexte ist umso bedauerlicher, da immer wieder zu spüren ist, dass „Der Hypnotiseur“ das Potential hätte, mehr zu sein als nur ein weiterer, zwar souverän inszenierter, aber dann doch nicht besonders origineller nordischer Thriller.

Michael Meyns

Der schwedische Starregisseur Lasse Hallström hat sich nach langer Zeit einmal mit einem Thriller auseinandergesetzt. Im letzten Vierteljahrhundert drehte er in erster Linie emotionale Liebes- und Abenteuerfilme. Wie ist „Der Hypnotiseur“ nun geworden?

Stockholm. Joona Linna ist Kriminaler, Eric Maria Bark Arzt und Psychologe, Simone dessen Frau, eine Malerin. Benjamin ist der Sohn von Eric und Simone. Daniella war früher die Geliebte Erics. Shulman verführt irgendwann Simone.

Eine ganze Familie wird ausgelöscht, der Vater, die Mutter, ein kleines Mädchen. Auch der Sohn, Josef? Nein. Er ist sogar der Mörder, wollte sich danach selbst umbringen, lebt aber noch. Auch Evelyn gehörte zur Familie, ist zur Zeit der Mordtat jedoch abwesend. Unter welchem Einfluss hat Josef die furchtbare Tat verübt?

Joona und Eric, und nicht nur diese beiden, sondern der ganze Polizeiapparat versuchen die Hintergründe der Tat aufzuklären. Eric ist gegen einen früheren Schwur sogar bereit, Josef unter Hypnose zu befragen, obwohl er früher einmal mit dieser Methode Unheil anrichtete.

Und was ist mit Evelyn? Wenn die ganze Familie aus welchen Gründen auch immer ausgelöscht werden soll, ist auch sie in höchster Gefahr, muss beschützt oder gerettet werden. Also muss schnell herausgefunden werden, wo das Mädchen sich aufhält.

Und dann ist da noch die geheimnisvolle, vielleicht irre, bestimmte Ansprüche an Eric und Simone geltend machende Lydia. Was hat sie mit Josef und seinem unerklärlichen Verbrechen zu tun?

Ein drehbuchmäßig und regielich gut und aufwendig wenn auch sehr kompliziert und volle Aufmerksamkeit erheischend gestalteter Krimi – nicht weniger und nicht mehr. Dass Hallström dramaturgisch auf der Höhe ist, spürt man in den familiären und medizinischen Milieuschilderungen, in den den Kinobesucher in die Irre zu führen versuchenden Nebenhandlungssträngen, in der Darstellung der schweren Eheprobleme zwischen Eric und Simone und nicht zuletzt in dem souveränen Spiel der Akteure.

Mikael Persbrandt als grübelnder, schuldbewusster, seine Ehe zu retten versuchender, aber andererseits auch aktiver Eric, Tobias Zilliacus als seinem Kriminalerberuf ausschließlich alles opfernder Joona und Lena Olin als mit Kummer beladene, aber auch charismatische schöne Simone, sie machen aus diesem Film etwas!

Thomas Engel