Der kleine Vampir

Schwungvoll modernisiert und mit hübschen Effekten kommt die animierte Neufassung des Kinderbuchklassikers in die Kinos. Die Grundidee ist geblieben: Ein Junge schließt Freundschaft mit einem Vampir. Dazu gibt es jede Menge Trouble mit Vampirjägern inklusive Verfolgungsjagden. Mit erfreulich viel Sorgfalt und Aufwand entstand ein lustig schauriges Gruselabenteuer mit witzigen Dialogen, viel Action und sogar mit fliegenden Vampirkühen. Ein familienkompatibler Kinospaß, der auch schon für nervenstärkere Vorschulkinder geeignet ist.

Webseite: derkleinevampir-film.de

Deutschland / UK / Dänemark / Niederlande 2017
Regie: Richard Claus, Karsten Killerich
Drehbuch: Richard Claus, Larry Wilson (nach der Buchserie „Der kleine Vampir“ und basierend auf den Charakteren von Angela Sommer-Bodenburg)
Animationsfilm, u. a. mit der Stimme von Wigald Boning,
95 Minuten
Verleih: Universum Film
Kinostart: 26. Oktober 2017

FILMKRITIK:

Zu Beginn werden die unterschiedlichen Personen und Schauplätze vorgestellt. Das ist vernünftig, denn es gibt verschiedene Erzählstränge, die erstmal einzeln präsentiert werden, bevor sich alle begegnen: Da gibt es eine Vampirfamilie in Transsylvanien, die in ihrer Gruft den Besuch von Verwandten von nah und fern erwartet, denn Rüdiger von Schlotterstein, ein jüngeres Mitglied des Clans mit seinen ca. 300 Jahren, feiert zum x-ten Mal seinen 13. Geburtstag. Doch die Familienidylle ist bedroht, denn der fiese Vampirjäger Geiermeier und sein Assistent Manni sind den Schlottersteins dicht auf den Fersen. Zur gleichen Zeit ist der ebenfalls 13-jährige Anton mit seinen Eltern auf dem Weg in die Ferien. Mitten im Schwarzwald stoßen sie auf ein geheimnisvolles, altes Schloss, das von einem seltsamen Ur-Schwarzwälder Ehepaar bewohnt wird. Hier herrscht große Angst vor Vampiren, und das weckt sofort Antons Interesse. Er ist nämlich ein großer Vampirfan.
 
Die beiden Vampirjäger haben mittlerweile die Behausung des Schlotterstein-Clans eingekreist. Rüdiger, seine Schwester Anna und die Eltern können fliehen und versprechen, Hilfe zu holen. Sie treffen auf der Flucht die deutsche Vampirverwandtschaft und landen schließlich ebenfalls im Schwarzwald.
 
Es dauert also ein bisschen, bis Rüdiger und Anton sich begegnen, Freundschaft schließen und so richtig Fahrt in die Story kommt. Denn natürlich geht es vor allem darum, Geiermeier nebst Manni zu besiegen und die Vampirfamilie zu befreien. Dabei spielt Anton eine wichtige Rolle. Aber schon zu Beginn steht fest: Das wird eine witzige Geschichte, die weder platt noch oberflächlich geraten ist. Im Gegenteil darf das Publikum Spannung und einige kluge Wendungen erwarten, es gibt Anspielungen auf aktuelle Themen für ältere Kinder und Erwachsene, während die Kleinen sich einfach amüsieren und ein bisschen gruseln dürfen. Inhaltlich geht es nicht nur um Freundschaft, sondern auch darum, Vorurteile und Ängste zu überwinden. Weder Rüdigers Familie noch Antons Eltern sind so richtig erfreut darüber, dass ihre Sprösslinge sich ausgerechnet mit dem jahrhundertelang erprobten Gegner so gut verstehen. Aber hier zeigt sich, dass Kinder manches einfach besser drauf haben als Erwachsene, und wie aus Feinden schließlich Freunde werden können, beweisen Rüdiger und Anton aufs Lustigste.
 
Die Story, die sich an den bekannten Charakteren von Angela Sommer-Bodenburg orientiert, lebt nicht nur von einer angenehm zurückhaltenden Animation, sondern auch von den gut entwickelten Hauptcharakteren, die wiederum für viele witzige Situationen und Dialoge sorgen. Anton, das Einzelkind, ist klug, fantasievoll und auf der Suche nach einem Freund. Bei seiner Vorliebe für Gruselromane kommt ihm der Vampirknabe Rüdiger da gerade recht. Allerdings ist sogar Anton zunächst skeptisch, lässt sich aber durch verschiedene Verlockungen des Vampirlebens schnell begeistern. Besonders das Fliegen hat es ihm angetan, aber da ist auch Anna, Rüdigers kleine Schwester, die sich selbst ganz schön in Anton verknallt. Rüdiger lernt ebenfalls einiges dazu. Einem Menschen zu vertrauen, wäre ihm normalerweise nie eingefallen, aber auf Anton ist Verlass. Das merkt der junge Vampir spätestens, als es darum geht, Geiermeier und Manni zu besiegen. Die beiden sind anfangs einfach zwei ziemlich fiese Schurken, die sich kaum voneinander unterscheiden. Beide sind skrupellos, gewalttätig und fanatisch. Mit der Zeit lässt sich Manni, das verkannte technische Genie, immer weniger von seinem Chef gefallen. Die Eltern allerdings, egal ob Menschen oder Vampire, unterscheiden sich kaum: Sie sind aus lauter Liebe zu ihren Kindern eher konservativ und müssen erstmal lernen, dass ihre Kleinen im wahrsten Sinne des Wortes flügge werden.
 
Bis zum Showdown, bei dem erwartungsgemäß Gut über Böse siegt, punktet der Film mit vielen hübschen kleinen Ideen und Details: von der fliegenden Vampirkuh bis zum Wohnwagen als praktisches Vampirvehikel und Sargersatz für sonnige Tage. Ein bisschen Zauberei gehört dazu, etwas Parodie darf’s auch noch sein und als Krönung ein absolut sehenswertes schwarzwälderisches Pärchen, das „Bett und Bratwurscht“ anbietet.
 
Gaby Sikorski