Der Koch

Ein tamilischer Koch erotischer Aryuveda-Menüs erkennt in seinem Stammkunden einen skrupellosen Waffenhändler und schreitet zur Tat. Basierend auf dem Roman von Martin Suter erzählt „Der Koch“ eine Geschichte von Krieg, Liebe und vor allem faszinierenden Speise, bleibt dabei jedoch bedauerlich nüchtern.

Webseite: www.senator.de

Deutschland, Indien, Schweiz 2013
Regie: Ralf Huettner
Drehbuch: Ruth Toma
Darsteller: Hamza Jeetooa, Hanspeter Müller, Jessica Schwarz, Yrsa Daley-Ward, Natalie Perera
Filmlänge: 109 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 27. November 2014

FILMKRITIK:

Liebe geht durch den Magen, doch selten entfaltete Essen eine derart erotische Wirkung wie in Ralf Huettners Romanadaption „Der Koch“. Der auf einem Buch von Martin Suter basierende Film erzählt die Geschichte des tamilischen Hilfskochs Maravan (Hamza Jeetooa), der in der Schweiz mit Hilfe traditioneller Aryuveda-Rezepte die Libido seiner Gäste stimuliert. Als sich einer der begeisterten Kunden als Waffenhändler Dahlmann (Hanspeter Müller) entpuppt, der sowohl die tamilischen Separatisten als auch die Regierung mit Waffen beliefert und somit maßgeblich am Bürgerkrieg Sri Lankas beteiligt ist, muss Maravan eine folgenschwere Entscheidung treffen.
 
Die Geschichte von „Der Koch“ spielt sich vor einem politischen Hintergrund ab, der jedoch in der Verfilmung nur einen Nebenschauplatz darstellt. Der Zuschauer erfährt kaum etwas über den Bürgerkrieg in Sri Lanka und so fällt es auch schwer, Maravans Hass auf Dahlmann in seiner Gänze nachzuvollziehen. Der Koch ist durch sein zurückhaltendes Temperament ohnehin  schwer zugänglich und das nicht nur für den Zuschauer. Auch Maravans große Liebe Sandana (Natalie Perera) stört sich an seiner Demutshaltung. Vielleicht ist es das Funkeln in den Augen von Darsteller Hamza Jeetooa, vielleicht die Begeisterung für die Kochkünste der Figur, die dazu führt, dass Maravan trotz aller Verschlossenheit ein sympathischer Charakter wird, der dem Zuschauer schnell ans Herz wächst.
 
Jessica Schwarz als Maravans lesbische Kollegin Andrea kann hier weniger überzeugen, was jedoch nicht an ihren Schauspielkünsten, sondern an der Weigerung Ralf Huettners liegt, diesen Film über Essen und Erotik tatsächlich sinnlich zu inszenieren. Auch wenn einem beim Anblick von Maravans Menus der Atem stockt, so läuft einem doch nie das Wasser im Mund zusammen. Weder die Szenen des Essens noch die des Kochens entfalten große Sinnlichkeit. Die Speisen sind etwas, das wir optisch bewundern, etwas Schönes und Exotisches, aber nicht etwas, dass wir geradezu schmecken und riechen können. Mit der Sexualität verhält es sich hier ähnlich: Eine Abblende beendet die Szenen rechtzeitig bevor es heiß her geht oder Huettner übersetzt die erotischen Handlungen in verspielte Interaktionen. Auch die Beziehung zwischen Andrea und ihrer Freundin Makeda (Yrsa Daley-Ward) bleibt seltsam steril.  So kann „Der Koch“ nicht die sinnlich-bezaubernde Wirkung entfalten wie thematisch ähnlich gelagerte Filme, beispielsweise Lasse Hallströms „Chocolat“.
 
Zuschauer die wissen, dass „Der Koch“ aus der Feder Martin Suters stammt, ahnen natürlich von Anfang an, dass diese Geschichte eine dramatische, wenn nicht gar mörderische Wendung nehmen wird. Der Höhepunkt ist hierdurch seltsam absehbar und dennoch wirkt die entscheidende Szene, in der Maravan in seinem Gast den Waffenhändler erkennt, seltsam konstruiert. So richtig überzeugen kann diese Geschichte leider nicht und bleibt durch die fehlende Leidenschaft tatsächlich ein wenig bieder. Wie um dafür zu entschädigen, arbeitet Ralf Huettner am Ende mit einer extra Portion Kitsch, was jedoch eher pathetisch als wahrhaft anrührend wirkt.
 
Es ist offensichtlich, was „Der Koch“ versucht und ebenso offensichtlich, woran der Film scheitert. Während einzelne Figuren schnell sympathisch werden, so bleiben ihre Beziehungen doch merkwürdig entkörperlicht und distanziert. Wärme, Liebe und Leidenschaft werden zwar verbal benannt, aber für den Zuschauer nicht durch die Inszenierung erfahrbar. Das schmälert insbesondere beim Thema der erotischen Küche  die Glaubwürdigkeit des Leinwandschauspiels und schließlich die Begeisterung für diesen Film.
 
Sophie Charlotte Rieger