Der letzte Walsänger

Der Gesang der Wale inspirierte schon manche Künstler, wurde mit einer Raumkapsel als Signal ins All geschickt und diente nun auch Autor und Regisseur Reza Memari als Ausgangspunkt für seinen bildgewaltigen Animationsfilm „Der letzte Walsänger“, der eine typische Coming-of-Age-Geschichte mit mystischen Elementen verbindet und stilistisch durchaus mit Disney und Pixar mithalten kann.

 

Über den Film

Originaltitel

The Last Whale Singer

Deutscher Titel

Der letzte Walsänger

Produktionsland

DEU, CZE, CAN

Filmdauer

99 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Hrubos, Pavel / Majaury, Steven / Memari, Reza

Verleih

Little Dream Pictures GmbH

Starttermin

12.02.2026

 

Vincent hat Selbstzweifel. Nicht ungewöhnlich für ein junges Wesen, aber unglücklich für die anderen Lebewesen der Unterwasserwelten, in denen Vincent lebt. Denn Vincent ist ein Buckelwal, der bald in die Rolle des Walsängers schlüpfen soll, der mit seinem mystischen, magischen Gesang auch finstere Kreaturen in Schach halten kann.

Doch seitdem seine Eltern bei einem Unglück ums Leben kamen, zweifelt Vincent an sich selbst und seinen Fähigkeiten und hat aufgehört zu singen. Gemeinsam mit seinem kleinen Freund Walter, einem Schiffshalterfisch, den seine Eltern einst als seinen Betreuer engagiert haben, zieht Vincent durch die Gegend, auf der Suche nach sich selbst und seiner Stimme.

Denn im Meer droht große Gefahr: Der Leviathan, ein urzeitliches Seeungeheuer, droht sich aus dem Eisblock zu befreien, in das er einst von Vincents Vater eingesperrt wurde. Doch der Klimawandel lässt das Eis schmelzen, bald wird der Leviathan frei sein und droht, mit seiner giftigen Tinte, die Meere zu verschmutzen.

Auf der Suche nach seiner Stimme ist Vincent jedoch nicht allein. Neben seinem ständigen Begleiter Walter, gesellt sich bald die junge Orca-Walin Dara zu der Gruppe, die nach einem Unfall ihr Gehör verloren hat und inzwischen Lippenlesen kann.

Gemeinsam gerät das Trio an ungewöhnliche Wesen und Orte, zum Beispiel das non-binäre Seepferdchen Ora, das in einer versunkenen Stadt im Meer einen spirituellen Ort namens Oras Erwachen leitet, wo Vincent und seine Freunde mit Hilfe der Meditation Kontakt zu seinem Vorfahren aufnehmen wollen und ihn zu seiner Bestimmung bringen wollen.

Als die Raumfähre Voyager Ende der 70er Jahre auf ihre Mission in die Tiefen des Universums geschickt wurde, bestückt mit Bildern und Tonaufnahmen vom Leben auf der Erde, befand sich auch ein Stück mit Walgesängen auf der tatsächlich goldenen Schallplatte. Etwas mystisches, fast außerirdisches haftete den Gesängen der Wäle in der Vorstellung also schon lange an, auch im vierten „Star Trek“-Film mussten Kirk und Co. in die Vergangenheit reisen, als Wale noch existierten, denn allein deren Gesang konnte die Welt der Zukunft retten.

Auch Reza Memaris Animationsfilm „Der letzte Walsänger“ bedient sich nun dieser Mythologie, der Faszination, die von der schieren Größe der Wale ausgeht – verknüpft diese Motive jedoch mit einer kindgerechten Story.

Um Freundschaft und Selbstzweifel geht es, ausgestoßene Wesen, den Verlust der Eltern, das Aufwachsen, die Überwindung von Hindernissen. Typische Motive, wie man sie aus zahllosen Animationsfilmen, nicht nur aus dem Hause Disney oder Pixar kennt, wobei der Erfolgsfilm „Findet Nemo“ unweigerlich als Referenz herangezogen werden muss.

Doch auch wenn „Der letzte Walsänger“ inhaltlich kaum mehr versucht, als bekannte Erzählmuster zu variieren, gelingt es Memari und seinen Co-Regisseuren Steven Majaury und Pavel Hruboš vor allem auf visueller Ebene zu überzeugen.

Eine bunte, vielseitige Unterwasserwelt haben sie und hunderte Tricktechniker entstehen lassen, voller seltsamer Lebewesen und Landschaften, mal mehr mal weniger authentisch echten Tieren nachgeahmt, aber immer hervorragend animiert. Ein bildgewaltiges Abenteuer, an dem nicht nur Kinder ihre Freude haben dürften.

 

Michael Meyns

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