Der Nächste, bitte!

In der turbulenten Beziehungskomödie „Der Nächste, bitte!“ beweist Diane Kruger einwandfrei ihr komödiantisches Talent. Zusammen mit Dany Boon, dem nordfranzösischen Erfolgskomiker („Willkommen bei den Sch´tis“) meistert das ungleiche Paar absurd skurrile Situationen, agiert herrlich überdreht und bewegt sich dabei geschickt am Rande der Groteske. Regisseur Pascal Chaumeil verzichtet aber trotz des Tempos und abwegigen Plots nicht auf romantische Zwischentöne. Der Franzose inszeniert den Geschlechterkampf mit Witz und Stil und huldigt damit dem anhaltenden Charme der klassischen Screwball-Komödien Hollywoods.

Webseite: www.der-naechste-bitte-film.de

Frankreich 2012
Regie: Pascal Chaumeil
Drehbuch: Yoann Gromb, Laurent Zeitoun
Kamera: Glynn Speeckaert
Darsteller: Diane Kruger, Dany Boon, Robert Plagnol, Alice Pol, Laure Calamy, Jonathan Cohen, Bernadette Le Saché
Länge: 115 Minuten
Verleih: Universum
Kinostart: 21. März 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Du kommst erst zurück, wenn du verheiratet warst und wieder geschieden bist“, befiehlt Coco (Alice Pol) ihrer Schwester Isabelle. „Schnapp dir den ersten Idioten, den du finden kannst und ab geht’s“, rät sie der verunsicherten Zahnärztin. Denn auf ihrer Familie lastet ein Fluch, der jede erste Ehe scheitern lässt. Und Isabelle, die seit zehn Jahren mit dem arrivierten Zahnarzt Pierre (Robert Plagnol) zusammen ist, will diesem Schicksal unbedingt entgehen. Aus Angst davor entscheidet sie sich einen Unbekannten zu heiraten, um sich direkt danach wieder scheiden zu lassen. Sie braucht also unbedingt einen Dummen.

Der unbeholfene, etwas linkische Jean-Yves (Dany Boon), Reiseführer-Redakteur und Sitznachbar im Flugzeug, kommt ihr da gerade recht. Unbeirrt folgt sie ihm nach Kenia und behauptet, sich Hals über Kopf in ihn verliebt zu haben. Jean-Yves kann es kaum glauben. Trotzdem, bittet der Naive sie, ihn zum Kilimandscharo zu begleiten. Als Isabelle in einem Massai-Dorf bei einer Hochzeitszeremonie ihre Chance nutzt und ihn ehelicht, kann er sein Glück kaum fassen. Zurück in Paris lässt sie den Verdatterten jedoch einfach am Flughafen stehen. Seelenruhig widmet sie sich den Vorbereitungen zur Hochzeit mit Pierre. Doch Jean-Yves hat ihre Massai-Ehe amtlich eintragen lassen. So einfach wird Isabelle ihn nicht los.

Es bleibt ihr nichts anderes übrig als ihm nach Moskau zu nachzureisen. Dort schikaniert und quält sie ihn, damit der Gutmütige endlich entnervt die Scheidung einreicht, ohne ihr niederträchtiges Spiel zu durchschauen. Doch wie so oft im Leben entwickeln sich die Dinge am Ende ganz anders als erwartet. Die Monotonie in der Beziehung zu Pierre kommt ihr nach und nach zu Bewusstsein. Und auch bei Jean-Yves fällt der Groschen. Langsam dämmert ihm, dass er benützt wird und er durchschaut ihr Lügengespinst. In Rückblenden erzählt der amüsante Film die verrückte Geschichte der beiden. Während eines familiären Abendessens versucht Isabelles Schwester Coco mit diesen amourösen Verstrickungen die gerade unglücklich geschiedene Valérie (Laure Calamy) zu trösten.

Spätestens seit ihrer Rolle der Helene in „Troja“ gilt das ehemalige Model Diane Kruger, das sich seinen Platz in Hollywood nicht zuletzt durch ihre aufregend, kühle Ausstrahlung erkämpfte, als Weltstar. Die gebürtige Niedersächsin bewegt sich nicht nur mühelos zwischen drei Sprachen und Kulturen sondern etablierte sich nach der Nazi-Persiflage „Inglourious Basterds“ endgültig als Charakterdarstellerin. Überraschend wacker schlägt sich die blonde Stilikone jedoch auch im komischen Fach. Mit ihrem gelungenen komödiantischen Timing besteht die 36jährige selbst neben dem routinierten französischen Starkomiker Dany Boon. Schließlich ist die grazile Wahlpariserin nicht umsonst nach Romy Schneider die zweite Deutsche, die sich in Frankreich durchsetzen kann.

Und so genießt der Zuschauer die turbulente Handlung, einfallsreiche Verwicklungen, komische Szenen, witzige Dialoge und zwei Hauptdarsteller in bester Spiellaune. Die von Regisseur Pascal Chaumeil schwungvoll inszenierte abenteuerliche Lovestory mit Anleihen beim Slapstick ähnelt in ihren besten Momenten tatsächlich einer Screwball Comedy – jenem populären Genre der amerikanischen Filmkomödie der 40er Jahre, das geprägt vom furiosen Kampf der Geschlechter, pointierten Dialogen und exzentrischen Charakteren, glänzend zu unterhalten wusste. Das dynamische Duo Dany Boon und Diane Kruger hat Potential, um vielleicht sogar einmal neben so legendären Paaren der Filmgeschichte wie Spencer Tracy und Katherine Hepburn eine gute Figur zu machen.

Luitgard Koch

In Isabelles Familie hat sich seit Generationen herausgestellt, dass die Ehe mit dem jeweils ersten Heiratspartner immer in die Brüche ging und dass dann aus der zweiten Hochzeit immer eine sehr glückliche, bis zum Lebensende anhaltende Verbindung wurde.

Daraus will Isabelle, auch Isa genannt, ihre Lehren Ziehen. Sie ist zwar bereits verlobt, denkt sich aber, dass sie, um später mit dem Auserwählten lange glücklich zu sein, im voraus kurz einen anderen Mann zum Schein heiraten könnte, um sich danach sofort wieder scheiden zu lassen. Dann wäre die zweite Hochzeit die richtige.

Am besten, so hat sie sagen hören, wäre das in Dänemark zu machen. Also schnellstens in den Flieger nach Kopenhagen. Da aber Jean-Yves Berthier, an den sie dabei per Zufall gerät, Reiseführerredakteur ist und deshalb beruflich sofort nach Nairobi und dann nach Moskau muss, hat sie keine andere Wahl, als ihm zu folgen. Ihrem Verlobten macht sie vor, sie helfe ihrer kranken Schwester.

Isabelle muss alle weiblichen Listen aufwenden, um eine Heirat mit Jean-Yves zustande zu bringen. Bei einem Massai-Ritual in Kenia gelingt dies. Doch vor den beiden liegt ja noch die Moskau-Reise. Was Isa da alles erlebt und was Jean-Yves alles durchstehen muss, wird in diesem Film zu einer lustigen Geschichte.

Allerdings bleibt es nicht beim nur Lustigen. Denn Isabelle muss Theater spielen, lügen, täuschen. Sie gerät zuweilen selbst in seelische Not, vor allem aber ist es Jean-Yves, der letztlich als Leidtragender aus der Sache hervorgeht. In Sachen Liebe geschehen eben die schönsten und größten, aber auch die skurrilsten und schlimmsten Dinge.

Wenn Jean-Yves Geduld genug aufbringt und Isabelle mit der Zeit klüger und sich selbst gegenüber ehrlicher geworden ist, muss aus diesen schlingernden und wirren Gefühlen doch noch etwas werden.

Die Grundidee passt, und dass es nicht nur Lacher gibt, sondern auch viel Sensibilität, nicht nur Oberflächliches, sondern auch ein wenig Nachdenkliches ist ebenfalls gut. Drehbuch und Dramatisierung liegen auf jeden Fall über dem Durchschnitt.

Und was die Schauspielerei betrifft, haben sich hier zwei gefunden: Diane Krüger und Dany Boon. Dass Dany Boon die Komik perfekt beherrscht, weiß man. Es ist oft ein Genuss, ihm zuzusehen. Aber dass Diane Krüger derart humorvoll zuschlagen kann, ist neu. Sie ist nach diesem Film nicht nur eine schöne Frau und eine gute Aktrice, sondern auch eine urkomische Nudel.

Thomas Engel