Der Wunderweltenbaum

Denkt man an die britische Schriftstellerin Enid Blyton, dann am ehesten an ihre Romane um die fünf Freunde, die seit Jahrzehnten wieder und wieder verfilmt werden. Ihre Fantasy-Romane rund um den Wunderweltenbaum hatten diesen Luxus nicht. Die britische Verfilmung orientiert sich nicht nur am ersten Roman, sondern auch den Fortsetzungen, geht aber mehrheitlich eigene Wege. Den etwas altbackenen Anstrich der Geschichte wird „Der Wunderweltenbaum“ aber nicht los. 

 

Über den Film

Originaltitel

The Magic Faraway Tree

Deutscher Titel

Der Wunderweltenbaum

Produktionsland

GBR, USA

Filmdauer

110 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Harris, Pippa / Brown, Nicolas / Hooks, Jane / Perkins, Danny

Regisseur

Gregor, Ben

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Starttermin

30.04.2026

 

Tim und Polly sind pleite, weswegen sie mit ihren drei Kindern Beth, Fran und Joe aufs Land ziehen – in eine umgebaute Scheune. Dort will Tim Tomaten anpflanzen und grandiose Tomatensauce herstellen. Zudem hofft er, dass seine Kinder eine Kindheit haben können, wie er sie hatte. Aber sie ist weit phantastischer, denn Fran ist die erste, die den Wunderweltenbaum entdeckt und dort auf eine Fee namens Seidenhaar und andere magische Gestalten trifft, die sie mitnehmen in andere Länder. Schon bald holt Fran auch ihre Geschwister dazu …

 

Puristen werden die zahlreichen Auslassungen der Romane bemängeln, alle anderen könnten sich an der Modernisierung stören, aber auch an den neuen Elementen, die der eigentlichen Intention der Romane abträglich sind. Die wollen ein Gefühl heraufbeschwören, wie man es nur in der Kindheit hatte, als alles ein großes Abenteuer war. Der Film versucht, dem auch Rechnung zu tragen, doch es gelingt nicht. Zu sehr wird der Fokus auf die Eltern gelegt, die von Andrew Garfield und Claire Foy frei von jedweder gegenseitigen Chemie gespielt werden. Die magischen Wesen treten zudem stärker in den Hintergrund. Die Welten, auf die Fran und ihre Geschwister treffen, wirken aus heutiger Sicht irgendwie aus der Zeit gefallen, sei es ein Land der Leckereien mit jeder Menge Süßigkeiten oder ein Land der Geburtstage im Disco-Stil der Siebzigerjahre.

 

Beth gibt sich betont feministisch, der Film trägt das aber nicht. Es ist ähnlich wie bei C.S. Lewis und den Narnia-Verfilmungen, die auch dessen Frauen- und Weltbild nicht gänzlich abschütteln konnten. Der Film wirkt immer so, als hätte man eine alte Fernsehproduktion vor sich. Sicher, die Effekte sind dafür ein bisschen zu gut, das Interieur und die Kostüme wirken aber nicht unbedingt nach großem Kino. Vielleicht ist das aber auch ein Stoff, der am besten im Pantoffelkino aufgehoben wäre.

 

Im Kino ist er weder Fisch noch Fleisch, zu kindisch für jeden Zuschauer über acht Jahre, zu sehr auf die erwachsenen Figuren fokussiert für die kleinsten Zuschauer. Und dann noch mit Romanen als Basis, die seit der Erstveröffentlichung des Originals im Jahr 1939 auch nicht gerade frischer geworden ist. Alles hat seine Zeit – das gilt auch für Blytons Romane. Lassen sich die fünf Freunde noch modernisieren, klappt dies beim Wunderweltenbaum nicht. Ein Film, der nur wenige gute Momente hat, ansonsten aber die Geduld strapaziert. 

 

Peter Osteried

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