Die Ältern

Er ist die Cash-Cow der deutschen Kinokomödie. Vom seichten „Superweib“ zur ambitionierten „Päpstin“, von der schwulen Comic-Verfilmung „Der bewegte Mann“ zur doppelten Fußball-Heiligenverehrung in „Das Wunder von Bern“ und „Deutschland – Ein Sommermärchen“ – kaum ein Regisseur bietet ein solch illustres Spektrum an Filmen wie der chronische Zuschauermillionär Sönke Wortmann. Nun präsentiert der Sohn eines Bergmanns die Verfilmung des Bestsellers von Jan Weiler, der vor zehn Jahren mit „Das Pubertier“ für Furore gesorgt hat. Ein gefundenes Fressen für Comedy-Könner Wortmann, der das Genre mit Lässigkeit und Perfektion beherrscht wie kaum ein anderer. Figuren mit Fallhöhe, richtiges Timing, starke Situationskomik: Hier stimmt einfach alles!

 

Über den Film

Originaltitel

Die Ältern

Deutscher Titel

Die Ältern

Produktionsland

DEU

Filmdauer

104 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Wortmann, Sönke

Verleih

Constantin Film Vertriebs GmbH

Starttermin

12.02.2026

 

Den Papa mit Erziehungs- und Beziehungsproblemen gibt Sebastian Bezzel, der sich eine kleine Eberhofer-Auszeit gönnt. Wie im Kultkrimi spielt er den tollpatschigen Helden mit großem Empathiepotenzial. Die fetten Jahre als Bestsellerautor sind für Hannes schon eine Weile vorüber. Nach acht Romanen will der Verlag seine „Dunstkreis“-Reihe einstellen. „Veränderung ist Fortschritt!“ frohlockt sein Agent und Freund. „Ich will keinen Fortschritt!“, mault der Autor mürrisch zurück. Wind of Change weht längst auch im trauten Heim. „Frühstück ist wichtig!“, ermahnt er Tochter Carla (Kya-Celina Barucki). „Papa, Genitalverstümmelung und Gender-Pay-Gap sind total wichtig. Nicht dein kleinbürgerliches Ritual mit Eiern aus dem Hühner-KZ und Kohlenhydraten!“ tönt der Teenie zurück. Bei Sohn Nick (Philip Müller) scheitert die Spaß-Offensive kläglich. „Du riechst wie ein depressiver Blumenhändler!“ witzelt Hannes. „Du bist doch bloß neidisch. Du riechst wie ein Vater!“ gibt’s als Schachmatt-Antwort.

Die Ehe steht gleichfalls vor dem Schiffbruch. „Was stimmt denn nicht mit mir?“ will Hannes wissen. „Du bist, wie du bist!“ lautet der Befund von Gattin Sara (Anna Schudt), die ihn kurzerhand verlässt, um mit der Tochter eine WG zu gründen. Und als er glaubt, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein Flirt-Lichtlein her. Vanessa (Judith Bohle) heißt der Lichtblick, den der Autor beim Sektdienst der Schulfeier kennenlernt. Bis die Liebe auf den ersten Blick tatsächlich umgesetzt werden kann, muss Hannes noch so manche emotionale Hürden überwinden.

Das Figurenkarussell ist mit plausiblen Typen gut aufgestellt, vergnügliche Jazz-Klänge sorgen für den lässigen Soundtrack. Die Story hält immer wieder überraschende Wendungen der ulkigen Art bereit. Sei es jene Lesereise von Hannes ins Münsterland, die mit einem ungewöhnlichen Sex-Angebot endet. Sei es mit dem neuen Freund der Tochter, der seine Sätze gerne mit Sprichwörtern schmückt, die er freilich chronisch durcheinanderbringt. Oder mit einem Handtuch, das Hannes heimlich im Hallenbad benutzt, was ungeahnte Folgen nach sich ziehen wird. Halloween dient gleichfalls als humoristische Bühne. „Du gehst einfach als weißer alter Mann, das ist gruselig genug!“, wird dem Papa für seine Kostümsuche geraten. Ratlos bleibt er unterdessen bei den „Süßes-oder-Saures“-Forderungen der politisch korrekten Kids. Wokeness tunkt Wortmann traditionell gern in den Kakao. Hier passiert es etwa bei der Zeugnisvergabe zur Abi-Feier. Deren Vergabe geschieht nicht mehr alphabetisch, sondern per Los, um „Mikroaggression und normative Diskriminierung“ zu verhindern.

Zum guten Schluss hat der Hannes seine Lektion gelernt. „Es gab eine Zeit, da habe ich nicht gelebt. Da wurde ich gelebt“, lautet die Erkenntnis. Und die Konsequenzen? Werden hier nicht verraten. Nur so viel: Zum Abspann gibt’s „Sekundenglück“ von Grönemeyer. Sebastian Bezzel darf nach diesem gelungenen Ausflug dann im August wieder seine Eberhofer-Fans beglücken.

 

Dieter Oßwald

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