2.000 Kilometer in drei Monaten – das ist eine sportliche Aufgabe, der sich die beiden Protagonisten in „Die Camino-Therapie – Finde deinen Weg“ stellen. Die französische Produktion ist im besten Sinne, mal wieder, ein Wanderfilm. Es geht nicht nur um das Bezwingen des Wegs, sondern natürlich auch um die Selbstfindung. Wie man im Kino immer wieder lernt: Wenn man Schicksalsschläge erlebt oder im Leben nicht weiterweiß, hilft eine Wanderung.
Über den Film
Originaltitel
Compostelle
Deutscher Titel
Die Camino-Therapie – Finde deinen Weg
Produktionsland
FRA,BEL
Filmdauer
113 min
Produktionsjahr
2026
Regisseur
Yann Samuell
Verleih
PLAION PICTURES GmbH
Starttermin
02.07.2026
Fred ist eine Lehrerin, die suspendiert wird, sich dann aber entscheidet, sich bei einem Verein zu engagieren, der straffällige Jugendliche auf den rechten Weg zurückbringen will. Sie haben dann die Wahl: Gefängnis oder drei Monate Übergangswanderung. Soll heißen: 2.000 Kilometer Jakobsweg oder Knast. Auch Adam entscheidet sich für die Wanderung. Der junge Mann ist ein Problemfall, schnell aufbrausend, auch gewalttätig, was es Fred nicht leicht macht. Aber der Weg ist das Ziel und nach und nach beginnt sich eine Veränderung einzustellen.
Die Übergangswanderungen hat sich Autor und Regisseur Yann Samuell nicht ausgedacht, sondern ein Sachbuch als Basis genommen. Ebenso sprach er mit Jugendlichen, die diesen Weg beschritten haben und ließ das in die Narrative einfließen. Er erfindet das Rad nicht neu, formal aber greift er auf ein interessantes Stilmittel zurück. Die Szenen auf dem Jakobsweg sind alle im Format 2,35:1, während er für alle anderen Szenen ein 4:3-Bild nutzt. Alleine das illustriert die Freiheit, die die Wanderung bietet, während das fast quadratische Bild der restlichen Handlung beengend wirkt. So, wie die Figuren sich fühlen müssen, insbesondere Adam, der eine harte Schale hat, unter der jedoch ein sensibler Junge versteckt ist.
Wie es Fred gelingt, diese Sensibilität herauszukitzeln, ist eines der Highlights des Films. Es hebt ihn auch etwas von anderen Wanderfilmen ab, weil die Hauptfigur hier gar keine Lust hat, sich auf Wanderschaft begeben. Die Pilgerreise wird oktroyiert, aber sie wirkt, sie verändert, sie verleiht einen neuen Blick auf das Leben. Letzteres ist allen Filmen dieses – man muss es mittlerweile schon so sagen – Subgenres eigen. Sie kitzeln letztendlich nichts Neues heraus, weder bei der Geschichte, noch beim Publikum, aber sie sind Wohlfühlkino mit tollen Bildern. Gerade letztere gibt es hier reichlich. Sie täuschen dann auch darüber hinweg, dass das alles manchmal ein bisschen zu sehr ins Klischee geht. Da muss man drüberstehen, schließlich bekommt man hier 2.000 Kilometer Wanderschaft in weniger als zwei Stunden. Das ist doch mal effizient.
Peter Osteried







