Die Frau in Schwarz

Nach „Harry Potter“ ist vor dem Rest der Karriere. Ganz hinter sich lassen kann Daniel Radcliffe die düstere, mysteriöse Atmosphäre von Hogwarts zwar auch in „The Woman in Black“ nicht, doch als melancholischer Familienvater, der einem dunklen Geheimnis auf die Spur kommt, überzeugt er in einem wunderbar altmodischen Gruselfilm, der mit traditionellen Mitteln extrem viel Spannung erzeugt.

Webseite: www.frauinschwarz-derfilm.de

OT: The Woman in Black
GB/ USA 2011
Regie: James Watkins
Buch: Jane Goldman, nach dem Roman von Susan Hill
Darsteller: Daniel Radcliffe, Ciaran Hinds, Janet McTeer, Liz White, Misha Handley, Jessica Raine
Länge: 95 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 29. März 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

London um 1900. Nach dem Tod seiner Frau lebt der Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) allein mit seinem kleinen Sohn in einer bescheidenen Behausung. Die Atmosphäre ist düster, die Straßen matschig und eingenebelt, die Menschen in elegantes Kostüm gekleidet. Arthur, ein melancholischer Mann, der von Visionen über seine geliebte Frau geplagt wird und darüber seine Arbeit vernachlässigt, bekommt eine letzte Chance. Im fernen Norden soll er den Nachlass einer unlängst verstorbenen Witwe regeln. Der Abschied von seinem kleinen Sohn fällt schwer, doch schon wenige Tage später sollen Kind und Nanny nachkommen. Strömender Regen empfängt Arthur, vor allem aber die verschlossenen, höchst unfreundlichen Dorfbewohner, die ihn aus zunächst nicht nachvollziehbaren Gründen so schnell wie möglich loswerden wollen. Allein der wohlhabende Mr. Daily (Ciaran Hinds) lässt sich nicht von Schauergeschichten um eine mysteriöse, schwarz gekleidete Dame irritieren. Und das, obwohl auch er und seine Frau Opfer des Fluchs geworden sind, der über dem Dorf zu lastet scheint: Immer wieder kommen Kinder auf grausame Weise ums Leben. Irgendwie scheint das Rätsel mit dem alleinstehenden Haus der Witwe zu tun zu haben, das einsam auf einer Insel vor der Küste steht und während der Flut vom Festland abgeschieden ist. In den verstaubten Räumen forscht Arthur im Nachlass der Witwe und kommt bald einem dunklen Geheimnis auf die Spur.

Schon der Vorspann lässt aufhorchen: Die legendäre Produktionsfirma Hammer-Films, die für einen Großteil der klassischen britischen Gruselfilme verantwortlich war, ist einer der Produzenten von „The Woman in Black.“ Nach Jahren der Fernsehproduktion wird nun wieder verstärkt fürs Kino produziert – und das mit großem Erfolg, wie dieser Film beweist. Die Qualität des Films überrascht um so mehr, als Regisseur James Watkins zuvor den extrem reaktionären Horror-Schocker „Eden Lake“ gedreht hatte, der banaler Teil jener Tendenz des Horrorkinos war, die in aller erster Linie auf möglichst brutale, explizite Schock-Effekte setzte. Die Zurückhaltung, mit der er nun auftritt, überrascht dagegen aufs angenehmste. Praktisch keine Computereffekte werden eingesetzt, Blut fließt nur in sehr dezenter Menge, stattdessen stehen Schatten, düstere Räume und präzise eingesetzte Schreckmomente im Mittelpunkt.

„The Woman in Black“ ist auf geradezu moderne Weise altmodisch. Die Spannung, die Watkins in manchen Sequenzen erzeugt, ist kaum zu ertragen. Wenn Arthur etwa ein verlassenes Spielzimmer entdeckt, scheinen die alten Puppen im Spiel der Schatten zu unheimlichen Kreaturen zu werden, bewegen sich Schaukelstühle von allein, scheint hinter jeder Ecke eine unheimliche Gestalt zu lauern. Dass es zudem gelingt, die Geschichte zu einem gleichermaßen düsteren, konsequenten Ende zu bringen, das aber dennoch als Happy End durchgeht, lässt „The Woman in Black“ endgültig zu einem der schönsten Gruselfilme der letzten Jahre werden.

Michael Meyns

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