Ein französisches Ehepaar aus dem Jahr 1958 wird ins Jahr 2025 versetzt, aber nicht nur mittels einer Zeitreise – es ist, als hätten sie immer in dieser Zeit gelebt. Dennoch versucht „Die progressiven Nostalgiker“ aus dem „culture clash“-Thema Humor herauszuholen. Das gelingt mal mehr, mal weniger, ebenso wie der sozialkritische Anstrich auch nur bisweilen verfängt.
Über den Film
Originaltitel
C’était mieux demain
Deutscher Titel
Die progressiven Nostalgiker
Produktionsland
FRA,BEL
Filmdauer
103 min
Produktionsjahr
2025
Produzent
Kahn, Olivier P.
Regisseur
Millereau, Vinciane
Verleih
Neue Visionen Filmverleih GmbH
Starttermin
22.01.2026
Hélène und Michel sind ein Ehepaar mit zwei Kindern im Frankreich des Jahres 1958. Er ist ein kleiner Bankangestellter, sie Hausfrau. Als die Tochter schwanger wird, gerät ihre Welt ins Schwanken. Dann kauft Hélène auch noch eine Waschmaschine, über die sie mit Michel in Streit gerät. Sie ruckeln an dem Gerät herum, bis beide einen Stromstoß verpasst bekommen. Sie wachen im Jahr 2025 wieder auf, aber es war keine Zeitreise, ihr ganzes Leben wurde in die Zukunft verlagert, mit ihrer Familie, aber auch ihren Freunden und Kollegen. Nur ist vieles anders: So ist Hélène die Chefin der Bank, für die Michel einst gearbeitet hat. Er will zurück in seine Zeit, aber sie hat Zweifel.
Die Idee erinnert an den argentinischen Film „Nuestros Tiempos“, der letztes Jahr bei Netflix gestartet ist. Aber da arbeiten die Protagonisten zumindest an einer Maschine, die sie in die Zukunft befördert. Beim französischen Film ist es einfach eine göttliche Fügung – oder was auch immer man als Erklärung heranziehen will. Wichtig ist es aber auch nicht, der Zeitsprung ist nur der Katalysator, um zu zeigen, wie weit sich die Gesellschaft in mehr als 60 Jahren entwickelt hat. Das ist schlecht für Michel, den Nutznießer des Patriarchats, aber gut für seine Frau, die eine Karriere hat und sich selbstverwirklichen kann.
Der Ansatz, sie nicht nur in der Zeit zu transportieren, sondern ihr ganzes Leben, so dass man den Unterschied von Freunden und Familie sehen kann, wenn man die Umstände von 1958 und 2025 nimmt, ist ganz gut. Vor allem nutzt der Film das aber für ein bisschen Humor. Der zündet nicht immer. Etwa dann nicht, wenn Michel mit einem Besen gegen einen Staubsaugroboter kämpft. Da wirkt vieles einfach überzogen.
Was jedoch funktioniert, ist die Entwicklung der Figuren – zumindest mehrheitlich. Es mag einen großen Sprung darstellen, den gerade Michel durchmacht, wenn letztlich die Rückkehr in die eigene Zeit wieder ansteht, aber dadurch wird zumindest verdeutlicht, dass sich Menschen nicht nur ändern können, sondern ein Umfeld positiven Einfluss darauf nehmen kann (im Umkehrschluss ist es auch so, wird hier aber nicht Thema des Films).
Es dauert ein bisschen, bis die Geschichte in Fahrt kommt, bis dahin wird das beschaulicher Fünfzigerjahre-Leben aber schön bunt dargestellt und damit letztlich auch ein wenig verklärt. Unterm Strich ist „Die progressiven Nostalgiker“ vor allem Wohlfühlkino. Eine seichte, nette Komödie, die sich gar nicht müht, aus dem „culture clash“ der Figuren mehr zu machen. Hauptsache nett und heimelig, war wohl die Devise. Das heißt: Gefällig und gut ansehbar, aber letztlich auch schnell vergessen.
Peter Osteried







