Die Räuber

Eigentlich eine überzeugende Idee: Schillers „Die Räuber“ in der Welt der Hochfinanz anzusiedeln, die in den Augen vieler Menschen oft nicht anderes als gierige Räuber sind. Dieses Konzept setzen Frank Hoffmann und Pol Cruchten recht konsequent um, bedienen sich dabei nur sehr lose des berühmten Dramas, haben aber immerhin eine ansehnliche Schauspielerriege zusammenbekommen.

Webseite: www.dieraeuber.de

Luxemburg, Deutschland, Belgien 2014
Regie: Frank Hoffmann & Pol Cruchten
Buch: Erick Malabry & Frank Hoffmann, frei nach Schiller
Darsteller: Eric Caravaca, Islid Le Besco, Robinson Stévenin, Maximilian Schell, Tchéky Karyo, Wolfram Koch
Länge: 84 Minuten
Verleih: farbfilm Verleih
Kinostart: 19. März 2015
 

FILMKRITIK:

Nach drei Jahren kommt Karl (Eric Caravaca) aus dem Gefängnis, wo er unschuldig einsaß. Urkundenfälschung und Unterschlagung wurde der Bankenfamilie Escher vorgeworfen, doch um seinen Vater (Maximilian Schell) zu schützen, nahm Karl die Schuld auf sich. Gedankt wird ihm dafür jedoch nicht. Sein Bruder Franz (Robinson Stévenin) reißt zunehmend die Zügel an sich und auch seine Schwester Amalia (Islid Le Besco) unterzeichnet die Verträge, die das Ende des Bankhaus Escher bedeuten könnten.

Von seiner Familie verlassen schließt sich Karl einer Bande an, die von einem Gangsterboss geleitet wird, der nur als Der Alte (Tchéky Karyo) firmiert. Gemeinsam wollen sie die Bankenwelt im Herzogtum Luxemburg aus den Angeln heben und dabei viel Geld machen. Doch für Karl geht es nicht zuletzt um seine Ehre und um seine Familie.

Klassische Dramen in die Moderne zu verlegen ist fraglos ein legitimes und potentiell auch interessantes Konzept. Gerade wenn man wie im Fall der Räuber, die individuellen Konflikte der Brüder Karl und Franz mit größeren Themen verknüpft, mit gesellschaftlichen, politischen Fragen, in diesem Fall den Machenschaften der Hochfinanz. Doch bei ihrer Adaption des Schillerschen Dramas entfernen sich Frank Hoffmann und Pol Cruchten sowie ihr Co-Drehbuchautor Erick Malabry so sehr vom Stück, das bis auf Titel und Figurennamen kaum noch etwas übrig bleibt. Da fragt man sich dann scho,n warum man sich unbedingt auf Schiller berufen will, wenn am Ende doch kaum noch Schiller übrig bleibt.

Wobei der große Name möglicherweise dabei geholfen hat, die interessante Besetzung zu verpflichten: Maximilian Schell konnte man nach sechs Jahren noch einmal aus dem Ruhestand holen, bevor der große Schauspieler kurz nach den Dreharbeiten verstarb. Hinzu kommen bekannte Gesichter wie Eric Caravaca, Islid Le Besco und Tchéky Karyo, die den Film ein wenig an die berühmt-berüchtigten europäischen Koproduktionen der 60er und 70er Jahre erinnern lassen: Für Geld machten viele Schauspieler damals alles, egal wo und in welcher Sprache gedreht wurde. Und auch „Die Räuber“ mutet oft wie ein rechter Euro-Pudding an, der in Luxemburg gedreht wurde, aber in so unbestimmten Lokalitäten, das ihm etwas Undefinierbares anhaftet. Dazu tragen die bisweilen etwas derangiert wirkenden Schauspieler bei, die oft aneinander vorbeispielen, als wären sie in unterschiedlichen Filmen.

Dass der Grundansatz, die Verknüpfung von Schillers „Räubern“ und den modernen Räubern der Hochfinanz, im Ansatz stecken bleibt, diese Metapher nicht vertieft und zu Ende gedacht wird, lässt „Die Räuber“ oft fahrig wirken. In seinen besten, oder besser: seinen interessantesten Momenten ist „Die Räuber“ jedoch faszinierendes Stückwerk. Gerade wenn Hoffmann und Cruchten visuell inszenieren, mit Bildern arbeiten, die Einsamkeit Karls durch lange Autofahrten oder die Kälte der Glastempel der Moderne evozieren, gelingen ihnen kraftvolle Momente die andeuten, was hier möglich gewesen wäre.
 
Michael Meyns