Die Schöne und das Biest

Das bekannte französische Volksmärchen „ Die Schöne und das Biest“ wird von Christophe Gans mit überbordenden Schauwerten, Romantik, Action und Fantasy-Welten erneut auf die Leinwand gebracht. Die Ausnahme-Schauspieler Vincent Cassel und Léa Seydoux sorgen in den Hauptrollen dafür, dass die Geschichte bei all den opulenten Schauwerten glaubhaft bleibt. Ein großes Kino-Spektakel!

Webseite: www.schoeneundbiest-film.de

OT: La belle et la bête
Frankreich/Deutschland 2014
Regie: Christophe Gans
Darsteller: Vincent Cassel, Léa Seydoux, André Dussollier, Yvonne Catterfeld
Länge: 112 Min.
Verleih: Concorde Filmverleih
Kinostart: 1. Mai 2014

FILMKRITIK:

Es war einmal ein französisches Volksmärchen, das so reich an Wahrheiten und reizvollen Wendungen war, dass es wieder und wieder verfilmt wurde. Und irgendwo in diesen Folgen zwischen Jean Cocteaus klassischer Schwarzweiß-Version „Es war einmal“ von 1946 (Originaltitel „La belle et la bête“ mit Jean Marais und Josette Day) und Disneys Zeichentrickfilm „Die Schöne und das Biest“ (1991) reiht sich auch dieses filmische Spektakel von Christophe Gans („Crying Freeman“, „Pakt der Wölfe“, „Silent Hill“) ein:
 
Im Jahr 1720 hat ein Kaufmann (André Dussollier) nach dem Untergang seiner Schiffe allen Reichtum verloren und muss mit seinen sechs Kindern auf dem Land leben. Das gefällt nur der sonnigen Belle (Léa Seydoux), der jüngsten Tochter, während die beiden verwöhnten Schwestern albern herumjammern und sich auch die jungen Männer nicht positiv hervortun. Als der Händler mitten in einem verwunschenen Wald ein scheinbar verlassenes Schloss voll gedeckter Tische und reich gefüllter Truhen entdeckt, bricht der vermeintlich gerettete Mann noch eine Rose, um die ihn seine bescheidene Belle bat. Das erzürnt ein bedrohliches Ungeheuer (Vincent Cassel), das ihn für diesen Diebstahl zum Tode verurteilt. Doch Belle opfert sich an Stelle ihres Vaters. Im Schloss des Biestes erwartet die Schöne ein seltsames Leben, geheimnisvolle Beagle-Gremlins, eine magische Heilkraft und die Annäherung an den gar nicht so schauderhaften Hausherren. Ihre Träume verraten Belle, weswegen der einstige Fürst so verflucht leben muss.
 
„Die Schöne und das Biest“ des fantasy-erprobten Franzosen Christophe Gans („Crying Freeman“, „Der Pakt der Wölfe“) brachte auf der Berlinale als Abschlussfilm passend zum Valentinstag so viele Rosen wie wohl noch nie in einem Film. Dazu Romantik, Märchen, Kitsch, Fantasy und Mummenschanz. Gans ergänzt die vielfach verfilmte Fabel um das Biest im Manne um weitere Geschichten und überrollt die Zuschauer mit gewaltigen Traumwelten. Da tauchen die verfluchten Jagdgesellen des Fürsten als Riesen wie von Terry Gilliam auf, eine betörend schöne Waldnymphe haucht ihr Leben aus, die Computer-Abteilung legte ein Schloss hin, gegen das Neuschwanstein wie Plattenbau wirkt, und die umwerfenden Kostüme sind jetzt schon reif für ein Filmmuseum. Bei all diesen mal eindrucksvollen, mal mit Stallgeruch vom Studio Babelsberg etwas billig wirkenden Schauwerten sind es vor allem Vincent Cassel und Léa Seydoux als im Wechsel schönes und biestiges Duo, das den Film interessant hält. Sie bleiben auch in so einer deutsch-französischen Koproduktion für das große Publikum ungezähmt. Seydoux („Blau ist eine warme Farbe“, „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“) wirkt, als würde sie jedem noch so schrecklichen Monster die Augen auskratzen können. Cassel („Ocean's 13“, „Black Swan“) ist ohne die schön gestriegelte Löwenmaske noch animalischer.
 
So bleibt zwischen dem Genuss von großen Traumwelt-Panoramen und aufwändigen Action-Sequenzen noch Zeit, sich über die reiz- und bedeutungsvolle Fabel Gedanken zu machen: Wie die Zähmung Belles misslingt, die ihre Augen vor dem Biest senken soll, doch als moderne Frau selbstverständlich genau hinsieht. Wie hingegen der Fürst, der das Jagen nicht lassen konnte, vielleicht seine Lektion in Monogamie gelernt hat. Ein großes Leinwand-Spektakel, das von Vielem viel bietet, aber auch da, wo andere Blockbuster Leerstellen haben, noch reizvolle Brüche und Einsichten zeigt.
 
Günter H. Jekubzik