Die schwarze Mühle (WA)

Dankenswerterweise hat sich zumindest ein Filmverleih in Deutschland mittlerweile sowohl auf Kinderfilme als auch auf Produktionen aus der ehemaligen DDR spezialisiert – viele davon wenden sich ebenfalls an ein junges Publikum. Im Oktober 2025 starten gleich 3 Klassiker des DDR-Films in den Kinos, zuerst „Die schwarze Mühle“, seinerzeit auf 35mm fürs Fernsehen gedreht und deshalb bisher nur selten gezeigt. Die Digitalisierung machts möglich, und so kommt die spannende Geschichte nach einem sorbischen Märchen um den Helden Krabat und seinen Kampf gegen den Schwarzen Müller nun endlich auch in die Kinos.

 

Über den Film

Originaltitel

Die schwarze Mühle (WA)

Deutscher Titel

Die schwarze Mühle (WA)

Produktionsland

DDR

Filmdauer

84 min

Produktionsjahr

1975

Regisseur

Bleiweiß, Celino

Verleih

Der filmverleih GmbH

Starttermin

16.10.2025

 

Schon der Anfang zeigt: Krabat ist ein echter Sonnenschein, immer gut drauf und für einen Scherz zu haben. Er hat zwar kein Zuhause, aber er fühlt sich überall wohl, schläft im Laubhaufen und ernährt sich von dem, was die Natur ihm schenkt. Ab und an überfällt ihn der Appetit auf ein Stück Kaninchenfleisch … wenn die Biester bloß nicht so schwer zu fangen wären! Krabat trifft das Pärchen Jan und Mirka, die nicht heiraten dürfen, weil sie – so wie alle Menschen, die in dieser Gegend wohnen – vom Schwarzen Müller abhängig sind, der schaltet und waltet, wie er will. Und er verbietet die Hochzeit. Krabat will sofort den Kampf gegen den Schwarzen Müller aufnehmen, aber das Pärchen warnt ihn. „Es muss so sein, weil es immer so war“, sagt Jan. Aber Krabat lässt sich so leicht nichts gefallen, und er akzeptiert weder Gewalt noch Ungerechtigkeit. Doch als er auf den Schwarzen Müller trifft, der ihm einen leckeren Kaninchenbraten anbietet, lässt er sich doch zunächst von der Macht des geheimnisvollen Fremden beeindrucken und begleitet ihn zur Schwarzen Mühle. Dort sind sieben junge Männer damit beschäftigt, Steine zu Gold zu zermahlen. Sie arbeiten tagsüber ohne jede Gemütsregung wie Roboter, in der Nacht hingegen verwandeln sie sich in schwarze Raben. Krabat wird einer von ihnen, aber dafür muss er selbst bestimmen, wer von den sieben Männern gehen muss. Doch er muss miterleben, wie derjenige, den er gewählt hat, in ein Wildschwein verwandelt wird. Insgeheim sinnt Krabat aber nur darauf, wie er seine Gefährten retten und dem Schwarzen Müller das Handwerk legen könnte. Und es sieht so aus, als ob seine Pläne aufgehen: Krabat findet heraus, dass der Schwarze Müller ein Magier ist, ein Wolf in Gestalt eines Menschen, dessen Macht unter anderem auf einem geheimnisvollen riesigen Buch beruht, das er in einer Truhe versteckt…

Wem diese Geschichte irgendwie bekannt vorkommt: Otfried Preußler, der bekannte Kinderbuchautor, dem unter anderem „Der Räuber Hotzenplotz“ und „Die kleine Hexe“ zu verdanken sind, hat das sorbische Märchen als Grundlage für seinen vielfach ausgezeichneten Jugendroman „Krabat“ gewählt. Die DDR-Verfilmung beruht hingegen auf dem Roman „Die schwarze Mühle“ des sorbischen Schriftstellers Jurij Brězan, ein Buch, das deutlich stärker als „Krabat“ im Kulturraum der Lausitz verortet ist, dort, wo bis heute das Sorbische als Landessprache verbreitet ist und wo die sorbische Kultur mit ihren beinahe exotisch anmutenden Bräuchen inzwischen den Tourismus ankurbelt.

Auch der Film beschreibt durchaus ambitioniert Land und Leute aus der Perspektive des sorbischen Landlebens und ist letztlich als Märchen und als Geschichte eine Art Sozialpanorama. Wie die meisten DDR-Kinderfilme bietet auch „Die schwarze Mühle“ eine aufwendige Gestaltung mit viel Schauwert. Der Autor und Regisseur Celino Bleiweiß gestaltete den DEFA-Film im Auftrag des DDR-Fernsehens als philosophisch angehauchtes, aber vor allem als sehr abenteuerliches Drama. Und er machte aus dem Märchen die Geschichte einer Volkserhebung – mit Krabat als Anführer. Viele Märchenfilme der sozialistischen Ära, nicht nur aus der DDR, sind heute noch für ihre interessante Mischung aus Abenteuer, Spannung, Poesie und Revolution bekannt. Auch „Die schwarze Mühle“ gehört dazu. Dabei geht es vor allem um Freundschaft und Courage – immerhin wehren sich Krabat und seine Gefährten gegen einen grausamen Herrscher, der das ganze Land unterdrückt und dank seiner Zauberkräfte schier unbesiegbar erscheint. Während die besonders zu Beginn düstere und immer leicht melancholische Stimmung dem Film einen schaurigen Charme verleiht, muten die Tricks und Spezialeffekte für heutige Verhältnisse eher bescheiden an. Die schauspielerischen Leistungen dagegen sind exquisit: Krabat wird gespielt von dem jungen und sehr begabten Klaus Brasch, dessen früher Tod bis heute ein Rätsel ist. Er spielte u. a. in „Jakob der Lügner“ und in „Solo Sunny“. Sein Krabat ist ein Muster an Zuversicht und Optimismus, dabei sehr pfiffig, denn er stellt an den richtigen Stellen die richtigen Fragen. Mit sehr viel Einsatz spielt Leon Niemczyk, seinerzeit einer der bekanntesten polnischen Schauspieler, den Schwarzen Müller. Er sieht aus wie ein entfernter Verwandter von Attila, dem Hunnenkönig, sein Wolfsgebiss wirkt irgendwie, als ob er mal dringend zum Zahnarzt müsste, aber vor allem ist er so böse und so abgrundtief schlecht, dass es nur so kracht. Ein Bösewicht wie aus dem Märchenbuch. Ein Showdown wie aus einem klassischen Actionfilm zeigt Krabat und den Schwarzen Müller im finalen Kampf – das Gute siegt, Mirka und Jan können endlich heiraten…und Krabat zieht weiter.

 

Gaby Sikorski

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