Die Solisten

Fast jede fünfte Familie in Deutschland ist alleinerziehend, meist ist es eine Mutter, die ein minderjähriges Kind versorgt, zunehmend finden sich jedoch auch Männer in dieser Rolle wieder, die gesellschaftlich immer noch nicht ganz akzeptiert ist. Das ist zumindest die These von Anna Hepps Dokumentarfilm „Die Solisten“, in der zehn Alleinerziehende zu Wort kommen und von Schwierigkeiten, aber auch Vorteilen berichten.

 

Über den Film

Originaltitel

Die Solisten

Deutscher Titel

Die Solisten

Produktionsland

DEU

Filmdauer

87 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Hepp, Anna

Verleih

déjà-vu film

Starttermin

29.01.2026

 

Meist liegt in einer Trennung der Grund, dass eine Person allein vor der Aufgabe steht, ein Kind zu versorgen. Manchmal zerbrach eine Beziehung in dem Moment, in dem eine Schwangerschaft die Zweisamkeit zerstörte, mal erst später. Meist war es die Mutter, die mit dem Kind allein zurückblieb, seltener auch der Vater.

Unterschiedlich, im Kern aber doch ähnlich sind die Geschichten der zehn Alleinerziehenden, die in Anna Hepps Dokumentarfilm „Die Solisten“ zu Wort kommen, meist nüchtern, manchmal auch emotional von ihrem Leben berichten, der meist unfreiwilligen Rolle, in der sie sich wiederfanden, von Problemen, aber auch Möglichkeiten.

Manche der Frauen berichten von der Vorstellung, ganz in traditionellen, konservativen Rollenmustern aufzugehen, sahen sich lange ausschließlich als Ehefrau und Mutter. Erst nach einer Trennung fanden sie die Möglichkeit, sich auch als selbstständiger Mensch zu verwirklichen – und lernten diese neue Rolle zu schätzen.

Mit der allerdings auch enorme Schwierigkeiten verbunden waren, denn nun mussten sie ganz allein nicht nur für ein oder sogar mehrere Kinder sorgen, einen Haushalt führen, sondern am besten auch noch selbst arbeiten und Geld verdienen. Eine vielfache Belastung, die wenig überraschend schnell zu einem Gefühl von Überforderung führte, zu Selbstzweifeln oder gar dem Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Allerdings auch den Vorteil hatte, mit niemandem über die Erziehung der Kinder diskutieren zu müssen, nicht die Frage klären zu müssen, wann das Kind denn abends ins Bett gehen soll oder Ähnliches. Ganz auf sich allein gestellt zu sein hat also Vorteile, aber zwangsläufig auch Nachteile, nicht zuletzt die Folge, dass es schwierig wird, Freundschaften aufrecht zu erhalten, vom Problem, einen neuen Partner zu finden ganz zu schweigen.

In ruhigem Ton geht es in Anna Hepps Film hin und her, werden die unterschiedlichen Aspekte der Thematik ausgelotet, entsteht durch die unterschiedlichen Aussagen der alleinerziehenden Frauen und Männer, die zu Wort kommen, der Versuch, ein universelles Bild zu formen. Aus welchen gesellschaftlichen Schichten die Teilnehmenden stammen, welche Berufe sie ausüben, in welchen Orten sie leben wird zwar bewusst ausgespart. Es wirkt jedoch so, dass die zu Wort kommenden eher aus der bürgerlichen Mittelschicht stammen, wodurch die gesellschaftlichen Extreme, sowohl nach oben wie nach unten ausgespart bleiben. Am Ende entsteht so das Bild einer zwar schwierigen, aber doch machbaren Situation.

Vielleicht auch auf Grund der sehr pragmatischen Tonalität ihres Films, hat sich Anne Hepp zu einer markanten stilistischen Form entschieden, die sich bemüht, avantgardistischer zu sein, als es trockene Frontal-Interviews wären. Gedreht wurde augenscheinlich in einer stillgelegten Fabrik, in der die Protagonisten oft sinnierend im Raum stehen, meist allein, manchmal in Gruppen, mal an Gerüsten hochklettern, mal Bewegungen durchführen, die entfernt an Ausdruckstanz erinnern. Besonders seltsam mutet es an, wenn die ganze Gruppe gemeinsame Atemübungen durchführt, sich windet oder hinter Plastikbahnen zu Schemen verschwindet.

Der Versuch, eine markante visuelle Form zu findet, wirkt in solchen Momenten eher aktionistisch als erhellend und lenkt nur vom an sich interessanten Kern des Dokumentarfilms ab.

 

Michael Meyns

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