Die Stooges

Was lange währt ist in diesem Fall tatsächlich gut geworden. Schon seit Jahren hatten Bobby & Peter Farrelly („Dumm und Dümmer“, „Verrückt nach Mary“) versucht, die legendären TV-Serie „Die drei Stooges“ für die Leinwand zu adaptieren. Jetzt ist es endlich gelungen, zwar nicht mit Starbesetzung wie einst geplant, aber voll von dem anarchischen Slapstick-Humor, der die Stooges stets ausgezeichnet hat.

Webseite: www.fox.de

USA 2011
Regie: Bobby & Peter Farrelly
Buch: Mike Cerrone, Bobby & Peter Farrelly
Darsteller: Chris Diamantopoulos, Sean Hayes, Will Sasso, Jane Lynch, Sofia Vergara, Jennifer Hudson
Länge: 92 Minuten
Verleih: FOX
Kinostart: 11.Oktober 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

In ihrer amerikanischen Heimat zählen die Stooges schon seit Mitte der 30er Jahre zu den beliebtesten Slapstick-Komikern, deren Popularität sogar mit der von Dick & Doof zu vergleichen ist. Zwischen 1934 und 1946 entstanden um das klassische Trio Moe, Curly und Larry an die hundert Kurzfilme voller physischer Komik, die mit ihren ausgedehnten Szenen voll von Backpfeifen, Kopfnüssen und Augenstechen bisweilen fast gewalttätig wirkte. In Deutschland kamen die Stooges erst Mitte der 80er Jahre zu bescheidenem Ruhm, als in der ARD-Nachmittagssendung Spaß am Dienstag zahlreiche Folgen gezeigt wurden.

Im Zuge der in den letzten Jahren sehr beliebten Kino-Adaptionen beliebter Fernseh-Formate kam die Reihe bald auch an die Stooges. Immer wieder scheiterten die Versuche jedoch, zwischenzeitlich war gar eine Starbesetzung mit Benicio del Toro, Sean Penn und Jim Carrey im Gespräch und auch Mel Gibson betonte immer wieder seine Faszination mit den Anarcho-Komikern. Nun übernehmen die drei weitestgehend unbekannten Schauspieler Chris Diamantopoulos, Sean Hayes und Will Sasso die berühmten Rollen, was dem Film der Farrelly Brüder aber keineswegs schadet.

Die Geschichte – die ganz fernsehgerecht in drei deutlich getrennten Episoden erzählt wird – beginnt in einem Waisenhaus. Dort werden eines Tages Moe, Larry und Curly im wahrsten Sinne des Wortes abgeworfen und machen fortan den sie betreuenden Nonnen das Leben zur Qual. Auch als Erwachsene warten sie immer noch geduldig auf Eltern, die sie endlich adoptieren, doch angesichts ihres eher unattraktiven Äußeren und ihres eher schlichten Charakters stehen die Chancen schlecht. Zumal das Waisenhaus in finanziellen Schwierigkeiten steckt und nur durch einen wundersamen Geldregen gerettet werden könnte. Und für den wollen die Stooges sorgen. Voller Zuversicht ziehen sie hinaus in die Welt, um Geld zu verdienen. Erwartungsgemäß gestaltet sich dies schwieriger als erwartet, bis plötzlich die Rettung zu nahen scheint: Die wohl geformte Lydia (Sofia Vergara) und ihr Geliebter Mac (Craig Bierko) wollen Lydias Mann ermorden und sehen in den vermeintlichen Volltrotteln die perfekten Bauernopfer für das Mordkomplott.

Natürlich kommt alles ganz anders als geplant, wobei die Farrellys nicht den einfachen Weg gehen und ihren Helden auf einmal besondere Intelligenz zugestehen. Die Stooges bleiben vom ersten bis zum letzten Element ganz in ihrem Element, stolpern von einer Katastrophe in die nächste, wirken in einer verrückten Welt aber dennoch recht normal. Besonderes als Moe sich im Cast einer Reality-Sendung wiederfindet, kommt der satirische Blick der Farrellys zur Geltung. Der sich einmal mehr mit ihrem bekannten Humanismus paart: Wie kaum andere Hollywood-Regisseure haben die Farrellys in Filmen wie „Dumm & Dümmer“, „Schwer verliebt“, „Ich, Beide & Sie“ und nun in den „Stooges“ den vermeintlichen Außenseitern der Gesellschaft eine Plattform gegeben. Von Behinderten jeglicher Couleur, über Dicke, Schizophrene und diverse Volltrottel reicht die Bandbreite ihrer Figuren, denen sie mit großer Zuneigung begegnen. Und gerade dieser nachgerade Anti-Hollywood-Blick, der nicht das Schöne und Makellose in den Mittelpunkt stellt, paart sich in „Die Stooges“ auf ideale Weise mit dem anarchischen, physischen Humor seiner Hauptfiguren. So rustikal, um nicht zu sagen gewalttätig die Komik teilweise wirkt, durch den Humanismus der Farrellys entsteht im Zusammenspiel ein warmherziger Film, der wunderbare Hommage an eine große Fernsehserie ist.

Michael Meyns