Die Trauzeugen

Nicht nur im Titel erinnert „Die Trauzeugen“ an „Brautalarm“, den Komödienerfolg des letzten Jahres. Hier sind es allerdings drei Engländer, die ihren besten Freund nach Australien begleiten, wo dieser heiraten wird. Was natürlich nicht ohne eine Vielzahl von Hindernissen von statten geht, die allen Beteiligten viel abverlangen. Regie bei dieser gelungenen Komödie führte Stephen Elliott, bekannt vor allem durch seinen großen Erfolg „Priscilla – Königin der Wüste.“

Webseite: trauzeugen-derfilm.de

A Few Best Men
Australien/ England 2011
Regie: Stephen Elliott
Buch: Dean Craig
Darsteller: Xavier Samuel, Laura Brent, Kris Marshall, Kevin Bishop, Tim Draxl, Rebel Wilson, Olivia Newton-John
Länge: 97 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 14. Juni 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Auf einer romantischen Insel lernen sie sich kennen: David (Xavier Samuel) aus England und Mia (Laura Brent) aus Australien. Die Hochzeit ist schnell beschlossen, ein paar Monate später soll David in seine zukünftige Heimat kommen. Seine besten Freunde sind zwar wenig begeistert, dennoch lassen sie sich nicht zwei Mal bitten um die halbe Welt zu reisen, um ihren Freund in den Stand der Ehe zu begleiten. Dummerweise sind Tom (Kris Marshall), Graham (Kevin Bishop) und Luke (Tim Draxl) nicht unbedingt die ausgeglichensten Vertreter englischer Männlichkeit; die Probleme sind also vorprogrammiert. Zumal auch Mias Familie, nun ja, schwierig ist. Ihre Schwester Daphne (Rebel Wilson) gibt gerade vor, lesbisch zu sein und liegt nicht nur deswegen im stetigen Clinch mit ihrem Vater Jim (Jonathan Biggins), einem machtbewussten Politiker, der sich bald zur Wahl stellt und mehr von seinem Widder Ramsy hält, als von seinen Töchtern. Und schließlich ist da noch die Mutter Barbara (Olivia Newton-John), die lange Zeit gute Miene zu dem immer durchgedrehter werdenden Spiel macht, bis sie sich dem Alkohol und den Drogen hingibt, die bei einer Hochzeits-Komödie natürlich nicht fehlen dürfen.

Die Konfrontation von Mentalitäten, die dem Film zu Grunde liegt, ist schon im Regisseur-/ Autoren-Duo angelegt: Während Regisseur Stephen Elliott aus Australien stammt, dort vor nun auch schon 18 Jahren den Erfolgsfilm „Priscilla – Königin der Wüste“ drehte, ist Autor Dean Craig waschechter Londoner. Vor ein paar Jahren hatte er in „Sterben für Anfänger“ das nicht unbedingt offensichtliche komödiantische Potential einer Beerdigung ausgelotet. Nun also eine Hochzeit. Auch da gibt es natürlich genug Gelegenheit, sich zu blamieren, genug komisches Potential, so dass fast schon von typischen Genre-Mustern gesprochen werden kann: Das beginnt mit dem Junggesellenabend, geht mit missglückten Tischreden weiter, und hört bei den feucht-fröhlichen Feierlichkeiten nicht auf. Als wäre das nicht genug baut Craig auch noch einen Drogendealer ein, bei dem sich die Trauzeugen gleich nach Ankunft versorgen, dabei aber dummerweise dessen Tasche mitnehmen, in der sich ein hübsches Sortiment befindet. Aus dem sich nicht nur die Brautmutter bedient, sondern auch der Widder Ramsy. Ganz abgesehen natürlich vom Auftritt des wütenden Dealers, der seinen Stoff zurückhaben will.

Subtil ist die Komik von „Die Trauzeugen“ nicht immer, Fäkalwitze und ähnliches sind aber nicht erst seit „Brautalarm“ ein wohl unvermeidlicher Bestandteil von modernen Komödien. Darüber hinaus spielt der Film aber auf amüsante Weise mit den Klischees von Engländern und Australiern und profitiert dabei vor allem von der Ausgelassenheit der Nebenfiguren. Während die vorgeblichen Hauptfiguren David und Mia vor allem versuchen das entstehende Chaos unter Kontrolle zu halten, um endlich in die Flitterwochen aufbrechen zu können, sorgen Davids Freunde und Mias Familie für die wirklich komischen Momente. Mit denen ist der Film reich gesegnet und so ist „Die Trauzeugen“ eine nur bedingt originelle, aber sehr amüsante Komödie geworden.

Michael Meyns

Wenn Trauzeugen zu Hochzeitscrashern werden. In der britisch-australischen Komödie kommt es während der Hochzeit eines jungen Briten mit seiner australischen Braut bei der Hochzeitsfeier in Down Under zu einem Cultur-Clash der chaotisch-komischen Sorte. Schuld daran sind die drei britischen Freunde des Bräutigams, die scheinbar keine Gelegenheit auslassen, um den „schönsten Tag“ im Leben ihres besten Kumpels in ein Alptraumszenario zu verwandeln. Der Australier Stephan Elliott ("Priscilla – Königin der Wüste") setzt bei der Mischung aus Buddy-Movie und Hochzeitskomödie auf sympathische Charaktere und absurde Situationskomik. Das Resultat ist keine komödiantische Nouvelle Cousine aber kräftige, humorige Hausmannskost mit Gute-Laune-Garantie.

Wer solche Freunde hat, braucht wohl keine Feinde mehr. Der junge Londoner David (Xavier Samuel aus "Eclipse – Biss zum Abendrot") kommt mit einer faustdicken Überraschungen aus dem Übersee-Urlaub zurück. Am Südseestrand unter Palmen hat er mit der australischen Schönheit Mia seine Traumfrau kennen gelernt. Die beiden Turteltauben haben beschlossen, bei der nächsten Gelegenheit in Mias Elternhaus zu heiraten. David ist nur noch nach London gereist, um seine besten drei Freunde zu bitten, ihn bei dem Gang zum Traualtar als Trauzeugen-Trio zu begleiten.

Partylöwe Tom (Kris Marshal), der linkische Egozentriker Graham (Kevin Bishop) und der durch eine Trennung traumatisierte Liebeskranke Luke (Tim Draxk) sind nicht gerade begeistert von der Aussicht, ihren Kumpel David an die Aussis zu verlieren, können ihm aber diesen Herzenswunsch schwerlich abschlagen. Nach der Ankunft in Australien trennen sich erst mal ihre Wege. David macht mit Mia den Anstandsbesuch bei ihren Eltern und muss feststellen, dass Mias stinkreicher Vater Jim Ramme, ein erzkonservativer Politiker, sich eigentlich einen standesgemäßeren Schwiegersohn gewünscht hätte, als dieses britische Bürschen. Tom, Graham und Luke sind derweil auf dem Weg zu einem Dealer, den Graham via Internet kontaktiert hatte. Gilt es doch, sich für den anstehenden Abschied vom Junggesellendasein mit einem fetten Joint auszurüsten. Als Graham beim bizarren Drogenkauf bei dem durchgedrehten Dealer Ray (Steve Le Marquand) die Taschen verwechselt und dessen Koksvorrat nebst Knarre an sich nimmt, lasen die Folgen nicht lange auf sich warten.

Der australische Regisseur Stephan Elliott und sein Drehbuchautor Dean Craig („Sterben für Anfänger) setzen bei ihrer Komödie auf sympathische Charakter, die imposante Kulisse der australischen Landschaft und jede Menge absurder Komik. Zum Katalysator für das anarchische Katastrophenszenario wird die übliche Überdosierungen von Alkohol, dessen Wirkung mit Hilfe von Drogen aller Art bachialische Ausmaße annimmt. Da wird Ramsey, der preisgekrönte Schafsbock des konservativen Brautvaters von den Freunden kurzerhand in eine Koksschluckende Dragqueen verwandelt und das Luxusanwesen des Millionärs zum Schauplatz diverse Zerstörungszüge. Höhepunkt der Hochzeit ist sicherlich der denkwürdige Auftritt von Olivia Newton John, die hier als enthemmte Brautmutter dem Affen kräftig Zucker gibt.

Es gibt sicherlich Komödien, die ihre Späße subtiler an den Zuschauer bringen, doch im Vergleich zu gängiger Hollywoodwahre zielt der Film nur ganz selten mit brachialem Geschütz unter die Gürtellinie. So sorgt die britisch-australische Komik-Combi für einen angenehmen Kinorausch, ohne peinliche Nebenwirkungen.

Norbert Raffelsiefen

David ist schwer in seine Mia verliebt. Im Urlaub lernten sie sich kennen, und nach kurzer Zeit steht bereits die Hochzeit vor der Tür.

Das Ganze findet in Australien statt. Also muss Daniel aus Europa anreisen. Der Fehler: Er nimmt seine Kumpels mit, Luke, Graham, Tom und wie sie alle heißen. Ein Fehler deshalb, weil diese Freunde ganz und gar nicht auf der Wellenlänge von Mias Familie liegen.

Denn die hält sich für etwas Besseres, Mias Vater zumindest, ein Angeber. Die Mutter ist weitaus sympathischer und menschennäher. Dann gibt es noch eine Schwester. Sie ist dick und lesbisch.

Auf dem schönen Landsitz von Mias Eltern laufen die Vorbereitungen für die unmittelbar bevorstehende Heirat. Alles wäre gut, wenn sich Davids Freunde anständig benehmen würden. Die aber lassen sich mit einem Drogenhändler ein, betrinken sich, grölen, treiben Schabernack mit dem schönsten Merinoschafbock der Familie. Ein schönes Fest, aber auch ein schönes Chaos. Traum und Albtraum.

Eine australische Komödie. Eher eine von der derben Sorte. Das gilt für die Dialoge ebenso wie für die Atmosphäre, die die Kumpels verbreiten – im Gegensatz zu den Bemühungen von Mias Familie sowie der Hochzeitsgäste, ein gehobenes Milieu darzustellen.

Filmisch, von der Regie her und darstellerisch ist das durchaus gelungen: glatt, routiniert, ohne Leerlauf. Aber eben über ein bestimmtes Niveau nicht hinausgehend.

Gespielt wird versiert. Laura Brent, die Liebreizende aus den „Chroniken von Narnia“, spielt die Braut. Xavier Samuel („Eclipse – Biss zum Abendrot“) ist David. Der bekannte britische Stand-up-Comedian Kevin Bishop fungiert als einer der unberechenbaren Trauzeugen, und last but not least ist (seit langem wieder einmal) Olivia Newton-John als Mias Mutter dabei.

Ansprüche bitte nicht zu hoch ansetzen. Für Fans von deftigen Komödien.

Thomas Engel