Die wilde Nordsee

Die Naturdokumentation „Die wilde Nordsee“ zeigt das titelgebende Meer als einen der rauesten und zugleich artenreichsten Lebensräume unseres Kontinents. Dabei steht die vielfältige Tierwelt im Wasser ebenso im Zentrum wie ausgewählte Küstenregionen, an denen unterschiedlichste Säugetiere leben. Gleichzeitig macht der informative, mit eindrucksvollen Naturaufnahmen ausgestattete Film deutlich, wie fragil das ökologische Gleichgewicht der Nordsee ist – und welchen Einfluss der Mensch darauf hat.

 

Über den Film

Originaltitel

De wilde Noordzee

Deutscher Titel

Die wilde Nordsee

Produktionsland

BEL,NDL,GBR

Filmdauer

88 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Verkerk, Mark

Verleih

mindjazz pictures UG

Starttermin

19.03.2026

 

Sie gilt als eines der faszinierendsten, aber gleichzeitig unerforschtesten Meere der Welt: die Nordsee. Von Fischen und Vögeln bis hin zu Säugetieren – Mit der artenreichen Tierwelt und den Besonderheiten des im nordwestlichen Europa gelegenen Schelfmeers befasst sich die Naturdoku von Mark Verkerk. Als Protagonist führt der niederländische Meeres- und Naturfotograf Peter van Rodjinen durch den Film.

Van Rodjinen kennt sich perfekt mit Unterwasserwelten aus. Er weiß, wie man die geheimnisvollen Tiefen der Ozeane in beeindruckenden Bildern festhält. Geschickt verwebt Verkerk seinen Film gleich zu Beginn mit der Biografie van Rodjinens, der ganz in der Nähe der Nordsee aufwuchs und seit seiner Kindheit von der Urgewalt und Artenvielfalt der Weltmeere begeistert ist.

Auf diese Weise ergibt sich schnell eine angenehm persönliche Note und Nähe, die eine Identifikation mit der (sympathischen) Stimme aus dem Off erlaubt. Denn van Rodjinen, der seit vielen Jahrzehnten als Profitaucher unterwegs ist, übernimmt auch den Part des Erzählers. Seine Begeisterung, die sich etwa bei der Entdeckung und längeren Beobachtung bestimmter Tierarten zeigt, wirkt jederzeit echt und ungekünstelt.

Vom Seeskorpion, Seewolf und der Sandkrabbe über Schlangensterne und den Einsiedlerkrebs bis zum Franzosendorsch, der in der südlichen Nordsee heimisch ist. Über all diese Tiere informiert van Rodjinen ruhig und kundig. Den ein oder anderen heiteren, nonchalanten Kommentar kann er sich dabei nicht verkneifen. Doch wirken gerade jene Äußerungen so authentisch, stammen sie schließlich von einem Kenner (und Liebhaber) der Materie, der die Bilder des Films selbst geliefert hat. Und eben nicht von einem neutralen, formell agierenden Profi-Sprecher aus einer Kabine – ohne emotionalen Bezug zum Gezeigten.

Angenehm ist, dass Verkerk dem Betrachter zwischendurch immer wieder lange Passagen ohne Kommentar zugesteht, sodass die spektakulären Aufnahmen ihre volle Wirkung entfalten können. Als gelegentlich störend erweist sich lediglich die Hintergrundmusik, die bisweilen zu dominant geraten ist. In manchen Szenen verströmt die Tonspur eine fast nervöse, aufgedreht-beschwingte Stimmung. Unweigerlich fühlt man sich in diesen Momenten an frühe Disney-Cartoons erinnert, in denen die Musik das wichtigste Element ist.

Vom Meer und dem Meeresboden geht es zur schottischen Insel Isle of May, auf der Verkerk das Brüt- und Paarungsverhalten der Papageientaucher dokumentiert, für die die Insel berühmt ist. Daneben präsentiert „Die wilde Nordsee“ Säugetiere wie den Seehund und die Kegelrobbe. Mit am beeindruckendsten sind die Aufnahmen eines Orca-Schwarms, der Jagd auf Makrelen macht sowie die Bilder eines riesigen Blauflossen-Thunfisches (Länge: über vier Meter) vor der schwedischen Nordsee-Westküste – ein echter Gigant des Meeres, der über Jahrzehnte nicht mehr an Ort und Stelle gesichtet wurde. Darüber hinaus befasst sich Verkerk mit der Bedeutung des Planktons und mit der Frage, welche Funktion Algen eigentlich genau übernehmen.

Gleichzeitig verhandelt der Film zeitgemäße, komplexe Fragen, die sich u.a. um die Überfischung der Weltmeere sowie das Für und Wider des industriellen Fischfangs drehen. Ein sehr spannender Aspekt, den viele inhaltlich ähnlich ausgerichtete Dokus vernachlässigen, ist außerdem das Thema der Off-Shore-Windparks. Stellen die Windanlagen eher Chancen oder Risiken für das Meer und die Natur in ihrer Gesamtheit dar? Auch diesem Aspekt geht der Film ohne moralischen Zeigefinger und sachlich „auf den Grund“.

 

Björn Schneider

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