Do You Love Me

Eine Liebeserklärung, montiert aus Archivmaterial. Für „Do You Love Me“, betont und bewusst ohne Fragezeichen, denn die Antwort ist klar, hat die libanesische, in Beirut lebende Regisseurin Lana Daher, Ausschnitte aus Spiel- und Dokumentarfilmen, Fotos und Musik zusammengetragen und zu einer Ode an eine widerständige Stadt geformt, die immer wieder – auch Anfang 2026 – angegriffen wird – aber nicht untergeht.

 

Über den Film

Originaltitel

Do You Love Me

Deutscher Titel

Do You Love Me

Produktionsland

FRA,QAT,DEU,LBN

Filmdauer

75 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Daher, Lana

Verleih

Rapid Eye Movies HE GmbH

Starttermin

30.04.2026

 

„Bombing of Beirut“ und „Civil War, „Objects of War“ und „War Generation – Beirut“ lauten die Titel von einigen der über einhundert Filmen, die Lana Daher zu einer mitreißenden Kollage zusammengeschnitten hat, mit denen sie von Beirut erzählt, Hauptstadt des Libanon, in jeder Hinsicht Zentrum des kleinen Landes an der Levante, das sich seit Jahrzehnten fast in dauerhaften Kriegszustand befindet.

Die Gründe dafür sind komplex und werden in „Do You Love Me“ nur am Rande gestreift. Dass die von Iran unterstützt Hisbollah das Land im Würgegriff hält mag man sich denken, dass der Nachbar Israel deren Angriffe immer wieder als Begründung verwendet, den Libanon anzugreifen, tief in das Land vorzudringen, einen Sicherheitskorridor zu etablieren, aber auch das nur 100 Kilometer nördlich der Grenze gelegene Beirut zu bombardieren, wird dafür umso deutlicher.

Gleich zu Beginn sind eine ganze Reihe von Texteinblendungen zu sehen, die am Anfang der Filme standen, aus denen Daher zitiert: „Seit dem 13. April 1975 herrscht ununterbrochen Krieg im Libanon“, „31. Januar 1990. Die Menschen von Beirut erholen sich von monatelanger Besatzung und Bombardement durch die israelische Armee“ oder, aus einem neuerem Film: „“Am 1. Oktober 2024 marschierte die israelische Armee im Süden des Libanon ein. Es war die sechste israelische Invasion seit 1978.“ Inzwischen ist im Zuge des aktuellen Iran-Kriegs die nächste dazu gekommen, die Bilder für eine Erweiterung von „Do You Love Me“ werden Lana Daher also so schnell nicht ausgehen.

Doch Aufnahmen von zerbombten Häusern, zerstörten Wohnungen, von Leid und Elend bilden nicht den Schwerpunkt des Films. Stattdessen evoziert Daher das Leben einer einstmals blühenden, mediterranen Metropole, die mal als Paris des Mittleren Osten, mal als Stadt der Brunnen, vor allem aber immer wieder als Die Stadt, die nicht sterben wolltebezeichnet wurde. Resilienz haben die Bewohner Beiruts im Laufe ihrer Geschichte immer wieder bewiesen, egal ob sie von den Kreuzfahrern besetzt wurden, die im Namen Christi ins Heilige Land einfielen, von den Franzosen kolonialisiert wurden, die ihnen immerhin das Französische als zweite Sprache hinterlassen haben, oder nun seit Jahrzehnten immer wieder von Israel angegriffen werden, unabhängig davon ob im Libanon gerade ein Autokrat oder ein Demokrat herrschte.

Assoziativ fügt Lana Daher Bilder zusammen, stellt Szenen von aktuellen neben Filme aus den 80er oder 90er Jahren und lässt so weniger eine lineare Geschichte Beiruts entstehen, als eine, die aus den Träumen des Kinos schöpft. Und der Musik: Der 70er Jahre Disko-Hit „Laissez-moi danser/ Lass mich tanzen“ erklingt zu einer Montage diverser Spiel- und Dokumentarfilmbilder und wirkt am Ende von Do You Love Me“ wie der ideale Durchhaltesong für ein kleines Land, das teils aus eigenen Verschulden, teils unschuldig zum Schauplatz immer neuer Kriege wurde, die seine Zukunft auch im Jahre 2026 ungewiss erscheinen lassen.

 

Michael Meyns

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