DramaConsult

Nigeria gilt als eine der korruptesten aber auch viel versprechendsten Wirtschaftsnationen Afrikas. Wie diese konträren Ansätze die Wahrnehmung potentieller deutscher Geschäftspartner prägen, lotet Dorothee Wenner in ihrem Film „DramaConsult“ aus.

Webseite: dramaconsult.com

Deutschland 2012
Regie, Buch: Dorothee Wenner
Dokumentation
Länge: 80 Minuten
Verleih: eyz Media
Kinostart: 24. Oktober 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Im März 2012 erlebte im Theater Hebbel am Ufer in Berlin das Stück „Lagos Business Angels“ seine Uraufführung. Darin beschäftigte sich die für das Publikum einbeziehende Stücke bekannte Gruppe Rimini Protokoll mit den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Nigeria. Zu diesem Zweck erzählten verschiedene Unternehmer und Berater aus beiden Ländern von ihrer Arbeit, stellten ihre Geschäftsfelder vor und berichteten von einigen der Schwierigkeiten, die bei Geschäften zwischen der westlichen Welt und Afrika entstehen können.

Als Beraterin agierte damals Dorothee Wenner, die seit Jahren als Afrika-Expertin das Forum der Berlinale berät und sich schon in ihrem 2008 entstandenen Film „Peace Mission“ mit Nigeria und vor allem Lagos beschäftigt hatte. Lag damals der Fokus auf der Nollywood genannten Filmindustrie der Metropole, geht es in „DramaConsult“ um Geschäftsfelder wie Immobilen und Schuhe. Fünf der afrikanischen Teilnehmer des „Lagos Business Angels“-Projekt sind nun auch hier zu sehen, zwei als Berater, drei als Unternehmer, die versuchen, mit deutschen Partner ins Geschäft zu kommen.

Dolapo Ajayi entwickelt in Lagos Immobilien, kauft zum Beispiel Bauruinen, die er zu Einkaufszentren und Hotels umbauen will und hofft mit deutschen Partnern in einem Vorort von Lagos, eine Wohnanlage zu bauen. Femi Oladipo stellt Maßschuhe her und hofft, sein Geschäft nach Deutschland ausweiten zu können und Schuhe deutscher Hersteller in Nigeria zu verkaufen. Und schließlich Sam Anjama, der Autoteile importiert, mit denen in den Werkstätten Lagos mehr oder weniger schrottreife Wagen repariert werden.

Nach einer kurzen Vorstellung der drei Geschäftsleute in Lagos springt der Film nach Berlin, wo Treffen mit potentiellen deutschen Partnern anstehen. Die Gespräche sind freundlich und von beidseitigem Interesse, doch die Skepsis ist gerade auf deutscher Seite spürbar: Die vielen und oft auch berechtigten Vorurteile über das afrikanische Land (auf dem jüngsten Korruptionsindex der NGO Transparency International belegt Nigeria den 139. von 174 Plätzen) mahnen zur Vorsicht und bremsen oft den Enthusiasmus der nigerianischen Unternehmer.

Nicht zuletzt wenn man bedenkt, dass „DramaConsult“ die Weiterentwicklung eines Theaterstücks ist, dass bewusst „echte“ Menschen mit zum Teil inszenierten Momenten verband, stellt sich auch in Dorothee Wenners Film bisweilen die Frage inwieweit das Gezeigte inszeniert ist. Immer wieder gibt es Szenen, Gespräche und Begegnungen, die merkwürdig gestelzt wirken, in denen man das Gefühl hat, als würden Laienschauspieler Texte aufsagen. Dieser Eindruck täuscht vermutlich und ist dem Wunsch geschuldet, die Erfahrungen der Nigerianer in einer losen Struktur zu erzählen, was dann manchmal das Neudrehen von Szenen erfordert.

Doch auch wenn „DramaConsult“ bisweilen etwas sperrig wirkt überwiegen die interessanten Aspekte. Ohne sich dezidiert darum zu bemühen, etwaige Klischees gegenüber Lagos und Nigeria auszuräumen, zeigt Wenner auf vorurteilslose Weise moderne Geschäftsleute, die mit ihren Ideen Geld verdienen wollen. Auf welche Probleme sie dabei treffen, aber auch wie positiv sie aufgenommen werden, erzählt dabei viel über ein modernes Afrika, dass weit von den sonst meist üblichen Afrika-Klischees des westlichen Kinos und der westlichen Medien entfernt ist.

Michael Meyns