Zehn Jahre nach dem vorzeitigen Ende ihrer brillanten TV-Serie„Hannibal“, haben sich Autor und Regisseur Bryan Fuller und sein Hauptdarsteller Mads Mikkelsen für einen Kinofilm zusammengefunden, der stilistisch ähnlich überzeugt wie Fullers Fernseharbeiten, inhaltlich aber etwas unglücklich zwischen kindlicher Traumaverarbeitung und sehr erwachsenem, sehr brutalem Auftragskillerfilm changiert.
Über den Film
Originaltitel
Dust Bunny
Deutscher Titel
Dust Bunny
Produktionsland
USA
Filmdauer
107 min
Produktionsjahr
2025
Produzent
Fuller, Bryan / Iwanyk, Basil / Lee, Erica
Regisseur
Fuller, Bryan
Verleih
DCM Film Distribution GmbH
Starttermin
19.02.2026
Unter dem Bett der kleinen Aurora (Sophie Sloan) lebt ein Monster, davon ist das Mädchen überzeugt, auch wenn ihre Eltern sie mit oberflächlichen Worten beruhigen wollen. Ein Dustbunny soll es sein, ein aus Staubbällchen geformtes Häschen, das unter den Dielen haust und es gar nicht mag, wenn jemand den Boden berührt.
Weswegen Aurora sich besonders vorsichtig auf einem riesigen Spielzeug durch die Wohnung bewegt, zumal sie bald ganz allein ist. Ihre Eltern sind auf einmal verschwunden, vermutlich gefressen vom Monster. Alleine wird Aurora das Monster kaum besiegen können, weswegen sie einen Plan fasst: Bei einem nächtlichen Ausflug hatte sie ihren namenlosen Nachbarn (Mads Mikkelsen) verfolgt, der im Chinatown der nicht näher benannten Stadt erst Nudeln isst und dann einen Drachen getötet hat – so glaubt zumindest Aurora.
Geld zu bekommen fällt ihr leicht, in der Kirche haut sie mit der Kollekte ab und schreibt dem Nachbarn einen Brief: Er möge doch Bitte den Auftrag annehmen, das Monster zu töten, schließlich habe er Erfahrung mit solchen Dingen. Damit hat sie Recht, denn der Nachbar erweist sich als Auftragskiller, der ein seltsames Verhältnis zu seiner Chefin (Sigourney Weaver) pflegt und sich angesichts der resoluten Aurora auch durchaus für die Monsterjagd zu erwärmen scheint.
Bald stellt sich heraus, dass Aurora gar nicht bei ihren Eltern lebte, sondern bei Pflegeeltern und zwar nicht ihren ersten. Immer wieder soll das Monster sich gezeigt haben was inzwischen auch das Jugendamt auf den Plan gerufen hat, die in Gestalt einer Frau mit perfekt zur Tapete passenden Garderobe geschieht.
Stilistisch lässt sich an „Dust Bunny“ nichts aussetzen: Schon in seiner Erfolgsserie „Hannibal“ bewies Bryan Fuller viel Gespür für hyperstilisierte, extrem glatte, eindrucksvolle Bilder, egal ob diese die von Hannibal Lecter dahin gemeuchelte Leichen zeigten, oder die von ihm zubereiteten Speisen. Auch wenn „Dust Bunny“ fast ausschließlich in einer ausladenden Wohnung spielt, überzeugt der im ungewöhnlichen, extrem breiten 1:3 Format gedrehte Film mit exquisiten Bildern, die nur beim Auftauchen des Monsters etwas zu deutlich im Computer entstanden sind.
Doch so sehr Kostüme und Tapeten miteinander harmonieren, ein warmes, weiches Licht für eine traumhafte Atmosphäre sorgt, inhaltlich wirkt Fullers erster Ausflug ins Kino weit weniger aus einem Guss. Als wäre er ein Doppelgänger von Keanu Reeves John Wick bewegt sich Mads Mikkelsen mit melancholischem Blick durch den Film, stets zu Schusswechseln bereit, dann aber mit erstaunlichem Gespür für die psychologischen Probleme eines kleinen Mädchens.
Die scheint das Monster als Traumabewältigung erfunden zu haben, doch was Auslöser dessen gewesen sein könnte bleibt wie so vieles im Dunkeln. In seinem Bemühen, möglichst enigmatisch zu bleiben, sich in Zwischentönen statt im Konkreten zu bewegen, verzichtet Fuller bewusst auf eine konkrete Erzählung, hält sich lange alle Möglichkeiten offen, droht dabei aber oft, sich gerade in diesem Unbestimmten zu verlieren. Zum Glück hat er jedoch mit Mads Mikkelsen und der erstaunlichen Sophie Sloan zwei Hauptdarsteller zur Verfügung, derer sich auf ungewöhnliche Weise entwickelnde Freundschaft man gerne zusieht, auch wenn das Drumherum bisweilen vor allem ästhetisch und weniger inhaltlich überzeugt.
Michael Meyns







