Ein Date für Mad Mary

Ein bemerkenswertes Regiedebüt legt der irische Regisseur Darren Thornton mit „Ein Date für Mad Mary“ vor. Mit viel Gespür für Zwischentöne und die soziale Realität Irlands erzählt er von Mary, die nach einigen Monaten im Gefängnis wieder in Freiheit ist und feststellen muss, dass sich ihre Welt verändert hat, sie jedoch nicht.

Webseite: www.salzgeber.de

Irland 2016
Regie: Darren Thornton.
Buch: Colin Thornton, nach dem Stück von Yasmine Akram
Darsteller: Seána Kerslake, Tara Lee, Charleigh Bailey, Denise MacCormack, Siobhán Shanahan
Länge: 82 Minuten
Verleih: Salzgeber
Kinostart: 7. Dezember 2017

FILMKRITIK:

Die Story von „Ein Date mit Mad Mary“ ist schnell erzählt: Mary (Seána Kerslake) wird nach einigen Monaten im Gefängnis entlassen, wo sie für eine Kneipenschlägerei einsaß, womit ihr Spitzname erklärt wäre. Draußen bereitet ihre beste Freundin Charlene (Charleigh Bailey) gerade ihre Hochzeit vor und für die braucht Mary ein Date. Etliche Jungs und Männer trifft Mary nun, doch keiner der Herren sagt ihr zu. Erst als sie die aufstrebende Sängerin Jess (Tara Lee) kennen lernt, die ihr Geld mit Hochzeitsvideos verdient, beginnt Mary ihren weichen Kern zu entdecken.
 
Wenig bemerkenswert wäre Darren Thorntons Regiedebüt, wenn das alles wäre. Doch vom ersten Moment an merkt man, dass Thornton den Stoff, seine Figuren, nicht zuletzt die sozialen Umstände, in denen sie existieren aus dem Effeff kennt. Zum einen, weil er das Theaterstück von Yasmine Akram inszeniert hat, das nun die Basis des Films ist, zum anderen, weil er augenscheinlich ein sehr guter Beobachter der irischen Realität ist. 

Um wirtschaftliche oder soziale Probleme geht es zwar nicht unmittelbar – dies ist kein Ken Loach oder Mike Leigh-Film – doch das Mary und ihre Umgebung in eher einfachen Verhältnissen leben, schlägt sich auch auf das Zwischenmenschliche nieder. Im Fall von Mary, die offenbar allein mit ihrer Mutter aufgewachsen ist, hat die Eintönigkeit ihres Lebens, der ständige Wechsel aus simplen Jobs und dem abendlichen Feiern in den Pubs und Clubs der Stadt, zu einer gewissen Grundaggression geführt. Kaum mehr als ein schiefer Blick ist nötig, ein anrempeln auf der Tanzfläche, und Mary explodiert und wird zur stadtbekannten Mad Mary.
 
Doch die Dinge sind dabei, sich zu verändern, in den wenigen Monaten, die sie im Gefängnis saß, hat sich ihre einst beste Freundin Charlene entwickelt, bittet Mary eher aus alter Verbundenheit, ihre Brautjungfer zu sein, als aus wirklicher Freundschaft. Es scheint, als hätte die konservative, konformistische irische Gesellschaft nun auch Charlene geschluckt, ihre Prioritäten verändert, als wäre Mary nur noch ein Relikt aus der Vergangenheit.
 
Ganz unterschwellig deutet Thornton hier die Vorurteile an, von denen das Leben im immer noch streng katholischen Irland geprägt sind, die Notwendigkeit, möglichst bald zu heiraten und Kinder zu bekommen und ein ehrbares, also gesellschaftlich konformes Leben zu führen. Weicht jemand von dieser Norm ab, so wie es Jess und auf ihre eigene Weise auch Mary tun, müssen sie sich schiefer Blicke erwehren, die ihr Anderssein mit Argusaugen beurteilen.
 
Bei all dem ist „Ein Date für Mad Mary“ jedoch kein schweres Sozialdrama, sondern eine bemerkenswerte Mischung aus Humor, Drama, vor allem aber Melancholie. Gerade die beiden Hauptdarstellerinnen Seána Kerslake und Tara Lee überzeugen dabei durch ihr natürliches Spiel, mit dem sie die Schwierigkeit andeuten, in einer konformistischen Gesellschaft nonkonform zu leben.
 
Michael Meyns