Ein fast perfekter Antrag

Am Anfang steht ein fast perfekter Antrag, garniert mit einer technischen Spielerei, die die Angebetete beeindrucken soll, aber nichts funktioniert, alles läuft schief – und überhaupt will Alice ihrem Walter doch eh nur sagen, dass eigentlich Schluss ist, weil beide nicht zusammenpassen. Danach gibt es einen Zeitsprung um 41 Jahre. „Ein fast perfekter Antrag“ erzählt dann davon, wie Alice und Walter sich wiedertreffen.

 

Über den Film

Originaltitel

Ein fast perfekter Antrag

Deutscher Titel

Ein fast perfekter Antrag

Produktionsland

DEU

Filmdauer

105 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Rothemund, Marc

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Starttermin

26.02.2026

 

In Regensburg hat Alice eine Professur in Kunstgeschichte. Durch Zufall trifft sie Walter wieder, mit dem sie einst zusammen war, der sie auch heiraten wollte, aber von ihr enttäuscht wurde. Weil sie beide sehr unterschiedliche Leben führen. Sie wollte hinaus in die Welt, etwas sehen, erleben. Er war am liebsten zuhause. Auch jetzt ist es noch so, aber da Walter seit Jahren Witwer ist und Alice das alte Feuer in ihm weckt, möchte er sie für sich gewinnen. Da sie sich ziert, ist er auch bereit, aus seiner Komfortzone auszutreten. Er schreibt sich als Student in Kunstgeschichte an der Uni ein. Was er nicht geahnt hat: Dass das Zusammentreffen mit den vielen jungen Menschen um ihn herum auch ihn verändert.

Heiner Lauterbach ist perfekt als streng auf Etikette achtender, auch mal einen Tiefkühlpizza-Produzenten anrufender und sich über den falschen Belag beschwerender, Mann, dem Kontrolle über sein Leben am wichtigsten ist. Aber er traut sich aus seinem Schneckenhaus heraus, was mit viel Humor erzählt wird. Weil eine seiner Kommilitoninnen den alten weißen Mann mit seinen Ansichten herausfordert, aber auch, weil dies auf eine sehr sympathische Art und Weise geschieht. Denn die simple, aber universelle Botschaft des Films ist, dass jeder anders ist – und das ist gut so.

Die amüsantesten Momente sind, wenn Walter mit den jungen Leuten verkehrt, an einem Spiel teilnimmt, mit ihnen auf Reise geht und Dinge lernt, die ihm zuvor völlig fremd waren, inklusive der Erkenntnis, dass Kunst im Betrachter tatsächlich etwas auslösen kann. Aber Lauterbach ist nur ein Teil des Gespanns, der andere ist Iris Berben, und auch sie ist herrlich in dieser Rolle der Ehemaligen, die auf keinen Fall wieder in Walters Dunstkreis gezogen werden will.

Der Film ist vergnüglich, aber er hat auch Tiefgang. Es geht um Trauer, um Verlust, um die Erkenntnis, zum Ende des Lebens weit mehr alleine dazustehen, als man sich das gedacht hat. Aber auch darum, dass es nie zu spät ist, etwas zu ändern. So macht Walter im Film die größte Wandlung durch, aber auch die Nebenfiguren haben ihre Reise, so wie der non-binäre Zero, bei dem Walter gar nicht versteht, wieso er aus einer Damentoilette kommt. Er hadert mit Entscheidungen, weil er fürchtet, jede, die er trifft, könnte die falsche sein. Aber zu studieren, Neues zu lernen, mit neuen Sichtweisen konfrontiert zu werden, heißt eben auch, sich selbst zu finden. Mehr noch: Den Mut in sich, etwas zu verändern.

Das macht „Ein fast perfekter Antrag“ zu ziemlich perfektem Wohlfühlkino. Was fürs Herz, mit Humor und vor der schönen Kulisse Regenburgs. Kino mit Seele.

 

Peter Osteried

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