Ein perfektes Paar

Marie (Valéria Bruni-Tedeschi) und Nicolas (Bruno Todeschini) sind ihren Freunden als ‘perfektes Paar’ bekannt. In Wirklichkeit stehen sie kurz vor der Trennung. Dennoch reisen sie gemeinsam nach Paris, um die Hochzeit eines Freundes zu feiern. EIN PERFEKTES PAAR beobachtet in kunstvoll-kunstlosen Einstellungen die zaghaften Gesten, verkorksten Gespräche und gemischten Gefühle der letzten Station einer Ehe. Der Japaner Nobuhiro SUWA drehte das  intime Porträt  eines in Frankreich mit französischen Darstellern und französischer Crew. Eine Hommage an das französische Hardcore-Autorenkino, vor allem aber eine Hommage an die ausdrucksstarke Valeria Bruni-Tedeschi.

Webseite: www.peripherfilm.de/einperfektespaar

OT: Un couple parfait
Frankreich/Japan 2005
Regie: Nobuhiro SUWA
Kamera: Caroline Charpentier
Schnitt: Dominique Auvray, Hisako SUWA
Darsteller: Valéria Bruni-Tedeschi,  Bruno Todeschini, Nathalie Boutefeu, Louis-Do de Lencquesaing, Jacques Doillon
Länge: 104 min
Verleih: Peripher
Filmstart: 29.3.2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Marie (Valéria Bruni-Tedeschi) und Nicolas (Bruno Todeschini) befinden sich in einer besonders quälenden Phase ihrer Beziehung. Sie möchten sich trennen und sind sich dessen so sicher, das Nicolas es sogar beiläufig in einem gemeinsamen. Abendessen mit Freunden erwähnt. Andererseits sind sie noch zusammen unterwegs und in ihrer Bemühung, sich voneinander zu trennen, völlig aufeinander bezogen. Marie und Nicolas durchlaufen jeder für sich ein nuanciertes Karussel von vertrauter und verhasster Routine, Vorwürfen, Verbitterung, wiederaufbrechender Zärtlichkeit und Angst vor einer Zukunft ohne den anderen. Dabei dienen die äußeren Ereignisse – Marie und Nicolas beziehen ein Hotel in Paris, gehen Essen, besuchen die Hochzeit ihrer Freunde, treffen alte Bekannte – vor allem als Hintergrund und Trigger für die innere Entwicklung der beiden, der Suwas ganze Aufmerksamkeit gilt.

Nobuhiro Suwa inszeniert die Variationen des Zerfalls in extrem langen, größtenteils unbewegten Einstellungen, die durch die Bewegungen der Figuren im Raum orchestriert werden. So ist Hauptort der Handlung beispielsweise das trüb beleuchtete, verschachtelte Hotelzimmer, das sich durch eine Flügeltür in der Mitte trennen lässt. Eine extrem sperrige und dunkle Umgebung die exakt dem  verkorksten Verhältnis der Figuren entspricht – und die auch das Verhältnis zwischen Betrachter und Film bestimmt. Die halben Türen und strengen Kadrierungen verbauen nämlich nicht nur den Personen den Zugang zueinander, sie nehmen auch den Zuschauern Sicht und Orientierung. Immer wieder verlassen Marie und Nicolas einfach den Rahmen, sind nur von hinten zu sehen, nur zum Teil oder in einem extremen Close-up.

Ebenso kunstvoll fragmentarisch ist die Tonebene gestaltet. Das Suwa fast vollständig ohne Musik aus dem Off auskommt, versteht sich fast von selbst, aber auch die Dialoge, die die Schauspieler übrigens in der dem Regisseur selbst unverständlichen Sprache improvisiert haben, sind bruchstückhaft und mit langen Pausen durchsetzt. Mehrfach ist der Sprechende gar nicht (mehr) im Bild zu sehen. Während Nicolas beharrlich schweigt und die Fassade alltäglicher Konversation aufrecht erhält, wechselt Marie, die von Suwa übrigens sehr viel facettenreicher inszeniert wird, von Anklage zu Selbstanklage, von störrischem Schmollen zu Selbstmitleid – kurz, sie versucht alles, um eine Reaktion hervorzurufen, Intimität herzustellen.

Strenge Kadrierung, spärliche Ausleuchtung, störrische Schwarzblenden, kaum Musik, Anti-Continuity-Schnitt – das neue japanische Autorenkino, zu dem neben Aoyama Shinji und Kawase Naomi auch Suwa gehört, hat die Mittel des französischen Autorenfilms neu für sich entdeckt.

EIN PERFEKTES PAAR arbeitet viel mit der Distanzierung und Entfremdung der Zuschauer. Dennoch entsteht aus den Fragmenten, wenn man sich denn auf das Experiment einlässt, ein außerordentlich intimes und sehr ernsthaftes Porträt zweier Menschen in einer diffizilen Umbruchphase zwischen Zerfall und Zusammenhalt.

 

Hendrike Bake