Ein Sommer in Italien – WM 1990

Unvergessen und unvergesslich … das sagt sich leicht, aber mit Blick auf den Sommer 1990 gibt es vieles, was sich ins Gedächtnis eingeprägt hat. Es war der Sommer nach dem Mauerfall und vor der Wiedervereinigung, als eigentlich nichts funktioniert hat, aber die Stimmung trotzdem blendend war. Mitten in diesen verrückten Sommer fiel die Fußball-WM in Italien mit dem Sieg der deutschen Mannschaft im Finale gegen Argentinien. 

Die Dokumentation von Vanessa Goll und Nadja Kölling und Vanessa Goll erzählt die Geschichte dieser Fußball-WM ausschließlich aus Sicht der damaligen Spieler, eine ebenso erfrischende wie erhellende Perspektive. 

 

Über den Film

Originaltitel

Ein Sommer in Italien – WM 1990

Deutscher Titel

Ein Sommer in Italien – WM 1990

Produktionsland

DEU

Filmdauer

93 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Goll, Vanessa / Kölling, Nadja

Verleih

Tobis Film GmbH

Starttermin

19.03.2026

 

Die beiden Regisseurinnen rekonstruieren die Weltmeisterschaft von 1990 nicht als klassische Chronik des Turniers und schon gar nicht als verlängerte Sportreportage, sondern als sehr persönliche Reise der ehemaligen Protagonisten zurück in die Vergangenheit und zu einem besonderen Kapitel der Fußballgeschichte, das ein Teil ihres Lebens wurde, und zwar ein sehr wichtiger. Der ehemalige Mannschaftskapitän Lothar Matthäus und seine Kollegen Jürgen Klinsmann, Rudi Völler, Guido Buchwald sowie viele weitere Protagonisten von damals kehren zurück an die Schauplätze des Jahres 1990 und erzählen aus heutiger Perspektive von diesem Sommer in Italien. Das ist oft vergnüglich, vieles ist erstaunlich, aber der Gesamteindruck ist vor allem der einer in sich geschlossenen, harmonischen Mannschaft. Ein echtes Team sozusagen, und alle sprechen offen und mit viel Emotionen über die damalige Zeit. Ihre Erinnerungen werden ergänzt durch private Filmaufnahmen einzelner Teammitglieder und durch sorgfältig ausgewähltes Archivmaterial.

Die persönliche Perspektive der einzelnen Spieler ist die ganz große Stärke des Films. Hier geht es – im Gegensatz zu den üblichen Sportdokumentationen – nicht um Taktik oder Mannschaftsaufstellungen, auch nicht um Spielanalysen oder um irgendeine Form von Aufarbeitung, sondern hier geht’s um den Mikrokosmos einer Mannschaft, die aus vielen einzelnen (und durchaus originellen) Persönlichkeiten bestand und die innerhalb von 6 Wochen und nebenbei noch zufällig in einer Zeit des historischen Übergangs zusammenwuchs. Sowohl in ganz Deutschland, das politisch kurz vor der Wiedervereinigung stand, als auch im Team selbst entstand ein Gemeinschaftsgefühl, das sich damals auch auf die Zuschauer übertrug und das bis heute seine Wirkung nicht verfehlt. Der berühmte Elfmeter von Andreas Brehme (den die Autorin dieser Rezension aus nervlichen Gründen nicht mitansehen konnte) erscheint hier nicht nur als sportlicher Höhepunkt, sondern auch als emotionaler Schlusspunkt einer außergewöhnlichen Reise.

Der Verzicht auf Expertenurteile oder Interviews mit Außenstehenden, seien es Spieler und Trainer anderer Mannschaften, Funktionäre oder Sportreporter, bewirkt etwas ganz Erstaunliches: Man lebt und fühlt in und mit der Mannschaft selbst. Das Team wird greifbar, die Stimmung wird immer persönlicher. Dabei verzichtet die Inszenierung angenehmerweise auf Pathos, obwohl die „großen Momente“ – die Highlights und die (wenigen) Tiefpunkte trotzdem gezeigt werden. Die Inszenierung verlässt sich komplett auf die Kraft der Erinnerungen. Dabei sind die Gesprächssituationen eher ruhig, es gibt keine Kommentare und nur wenige Inserts. Die Montage verbindet Gegenwart und Vergangenheit mit leichter Hand, und immer wieder ergeben sich fast beiläufig interessante oder witzige Momente und Situationen, wenn die Spieler, heute alles gesetzte Männer, mit ihrem 35 Jahre jüngeren Ich konfrontiert werden – am Pool oder beim Kartenspielen im Hotel, bei Bootsfahrten am Comer See oder in Gesprächen mit den Fans … die Atmosphäre von damals verkörpert eine selbstverständliche Freundlichkeit und Toleranz, die seinerzeit selbstverständlich war und die uns heute vielleicht fehlt.

So ist ein Dokumentarfilm entstanden, der nicht nur Fußballfans anspricht. „Ein Sommer in Italien – WM 1990“ erzählt von Freundschaft, Loyalität und von einer Zeit, die zum Symbol eines neuen Zusammenhalts wurde. 

 

Gaby Sikorski

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.