Eine ganz ruhige Kugel

Um Pétanque, eine Variante des Boules, dreht sich alles in Frédéric Berthes Komödie „Eine ganz ruhige Kugel“, die den französischen Nationalsport als Mittel benutzt, um von Vorurteilen, Diskriminierung und dem Überkommen gesellschaftlicher Hindernisse zu erzählen. Dies geschieht zwar auf höchst plakative Weise, entbehrt dank des entspannten Erzähltons aber nicht einigem Unterhaltungswert.

Webseite: www.universumfilm.de

Frankreich 2013
Regie: Frédéric Berthe
Buch: Laurent Abitbol, Céline Guyot, Martin Guyot, Jean-Piere Sinapi, Atmen Kelif, Frédéric Berthe
Darsteller: Gérard Depardieau, Atmen Kelif, Virginie Efira, Daniel Prévost, Édouard Baer, Bruno Lochet
Länge: 98 Minuten
Verleih: Universum Film
Kinostart: 3. Juli 2014

FILMKRITIK:

Jacky (Gérard Depardieau) und Momo (Atmen Kelif) sind Rumtreiber aus der französischen Provinz, die ihr karges Einkommen damit aufbessern, beim Petanque-Spiel schlechtere Spieler auszunehmen. Doch diese Spielernatur hat Jacky an den Rand des Ruins gebracht, hohe Schulden plagen den beleibten Mann. Der aus Algerien stammende Momo wiederum lebt noch bei seiner Familie und träumt von einem besseren Leben.

Eine goldene Gelegenheit scheint die Ankündigung des windigen Geschäftsmanns Stéphane Darcy (Édouard Baer) zu sein, ein hoch dotiertes Petanque-Turnier auszurichten. Besonders Jacky wittert die Chance auf einen Geldsegen und trainiert den ohnehin höchst talentierten Momo so lange, bis dieser Teil des französischen Nationalteams wird. Doch mit dem Erfolg beginnt die Beziehung zwischen Jacky und Momo schwierig zu werden: Nach anfänglichen Problemen wird Momo im Team zum Aushängeschild der Integration, während Jacky zunehmend verzweifelt zurückbleibt.

Momo lebt derweil seinen Traum und findet in Darcys sehr hübscher, sehr blonder Assistentin Caroline (Virginie Efira) auch noch eine liebreizende Frau. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer, denn der konservative Trainer des Teams kann seine Aversion gegen den „unechten“ Franzosen Momo kaum verhehlen und setzt alles daran, ihn aus dem Team zu vertreiben.

Die sagenhaften sechs Drehbuchautoren, die im Vorspann genannt werden, deuten es an: „Eine ganz ruhige Kugel“ versucht verschiedenste Genres und unterschiedlichste Tonarten zu verbinden: Vom klassischen Sportfilm, bei dem Underdogs einen großen Sieg erringen, über eine Milieustudie der französischen Unterschicht, bis hin zu einer überzeichneten Darstellung des alltäglichen Rassismus, den ein arabisch-stämmiger Franzose immer noch allzu oft erlebt reicht die Bandbreite. Dabei ist besonders der letzte Aspekt interessant. Hauptdarsteller Atmen Kelif, der die Idee zum Film hatte, ist nicht der erste aus dem Maghreb stammende französische Schauspieler, der eigene Erfahrungen in einer Komödie verarbeitet: Vor ein paar Monaten lief zum Beispiel der sehr ähnliche „Vive la France – Gesprengt wird später“ von Michael Youn in den deutschen Kinos, der mit den gleichen Mitteln der oft grotesken Überzeichnung die Vorurteile der Grande Nation anprangerte.

Auch „Eine ganz ruhige Kugel“ wählt einen Weg, den man bisweilen nur als Holzhammer-Methode bezeichnen kann. Subtil ist es nicht, was Regisseur Frédéric Berthe und sein Autoren-Kollektiv hier abliefern, sicherlich treffend in der Darstellung von Vorurteilen und in Momenten auch durchaus pointiert und überraschend, etwa wenn der aus Dubai stammende Sponsor des Turniers, den arabischstämmigen Momo als Teamkapitän ablehnt, da dieser ja kein richtiger Franzose sei. Es sind solche Momente die den Film bei aller Unsubtilität schließlich doch retten und zu einer amüsanten Feel-Good-Komödie machen.
 
Michael Meyns