Eine vernünftige Lösung

Irgendwo im schwedischen Norden spielt dieser angenehm erwachsene Film von Jörgen Bergmark, in dem zwei Paare versuchen, ihre Eheprobleme zu lösen. Die vorgeschlagene Lösung mutet zwar nicht wirklich vernünftig an, aber man hat es hier auch weniger mit Bergmanesken Szenen einer Ehe zu tun, als mit einer gut gespielten Tragikomödie, bei der die unterschwellige Komik stets die Oberhand behält.

Webseite: www.pandorafilm.de

Schweden 2009
Regie: Jörgen Bergmark
Drehbuch: Jens Jonsson
Darsteller: Rolf Lassgard, Pernilla August, Stina Ekblad, Claes Ljungmark, Magnus Roosmann
Länge: 100 Min.
Verleih: Pandora Film
Kinostart: 2. Juni 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein im Leben von Erland, May, Sven-Erik und Karin, vier Schweden Anfang 50, in gesetzten Lebensumständen, lange verheiratet, die Kinder aus dem Haus, leidlich glücklich. Erland (Rolf Lassgard) arbeitet in einer Papiermühle und ist mit der Klavierlehrerin May (Stina Ekblad) verheiratet. Gemeinsam leiten sie einen Gesprächskreis in der lokalen Kirche, der den schönen Titel „Die Schule der Ehe“ trägt. Hier predigen sie Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit dem Ehepartner und all den kleinen Problemen, die in jeder Beziehung auftreten und allzu oft unter den Tisch gekehrt werden.

Erland ist gut mit seinem Kollegen Sven-Erik (Claes Ljungmark) befreundet, der gerade seinen 51 Geburtstag gefeiert hat und mehr oder weniger von einer schweren Midlife-Crises genesen ist. Erland ist verheiratet mit Karin (Pernilla August), die in der Schulkantine arbeitet. Bald beginnen Erland und Karin eine Affäre, die sie allerdings schnell in Gewissensnöte stürzt. Und da Erland bei anderen Offenheit und Ehrlichkeit predigt, geht er mit gutem Beispiel voran und beichtet May den Seitensprung. Bei einem gemeinsamen Gespräch der beiden Paare wird versucht, eine Lösung für das Problem zu finden. Trennen will man sich nicht, weder die Ehepaare noch das Liebespaar und so kommt es schließlich zur „Vernünftigen Lösung“: Karin und Sven-Erik ziehen bei Erland und May ein. Karin verdrängt May aus dem Ehebett, Sven-Erik schläft im Gästezimmer und May auf dem Sofa. Diverse Regeln werden aufgestellt, die das ungewöhnliche Arrangement regeln und für eine einvernehmliche, erwachsene Lösung sorgen sollen. Und so beginnt das merkwürdige Zusammenleben der zwei Paare, das wie ein Experiment aus den 70er Jahren wirkt und dementsprechend schnell an seine Grenzen stößt. Während Erland seine Situation genießt, bedenkt May Karin mit spitzen Bemerkungen und Sven-Erik wird zunehmend wunderlich, so dass die vernünftige Lösung auf eine große Katastrophe hinauszulaufen scheint.

Bisweilen wirkt „Eine vernünftige Lösung“ zwar so, als würde die Geschichte eine tragische, dramatische Wendung nehmen, als würde die merkwürdige Beziehungs-Konstellation zu einer Katastrophe führen. Letztlich hält Jörgen Bergkamp das Pendel aber stets geschickt auf der komischen und weniger auf der tragischen Seite. Doch die Komik, die er aus der Situation erzielt, so absurd sie bisweilen auch anmutet, hat stets einen ernsten, wahrhaftigen Kern. Bei aller Leichtigkeit verbirgt sich hinter der unauffälligen Regie und den zurückhaltenden, nuancierten Darstellungen von vier prominenten schwedischen Schauspielern, eine pointierte Studie über die Schwierigkeiten von Beziehungen und der Ehe. Das sich die Szenen einer Ehe nicht so bedeutungsschwer düster abspielen wie es etwa der große Ingmar Bergman bevorzugte, fällt dabei positiv ins Gewicht. „Eine vernünftige Lösung“ ist ein angenehm unaufgeregter, erwachsener Film über erwachsene Menschen und ganz alltägliche Probleme. Und gerade in dieser Alltäglichkeit liegt die Qualität des Films.

Michael Meyns

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