Einmal ist keinmal

Katherine Heigl ist längst das Aushängeschild des romantischen Unterhaltungsfilms. In diese Kategorie lässt sich auch ihr neuer Film „Einmal ist keinmal“ einsortieren. Die Umsetzung des vor allem in den USA beliebten Kriminalromans bietet aber bestenfalls aufgewärmte Standardkost. Daran ändern auch die beiden sympathischen Hauptdarsteller und der weibliche Einfluss hinter der Kamera wenig.

Webseite: www.einmalistkeinmal-derfilm.de

OT: One for the money
USA 2011
Regie: Julie Anne Robinson
Drehbuch: Liz Brixius, Stacy Sherman, Karen Ray nach dem Roman von Janet Evanovich
Darsteller: Katherine Heigl, Jason O’Mara, Daniel Sunjata, John Leguizamo, Sherri Shepard
Laufzeit: 91 Minuten
Kinostart: 19.4.2012
Verleih: Concorde

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

In „Der Kautions-Cop“ jagte ein raubeiniger Gerald Butler die smarte Jennifer Aniston. Natürlich kamen sich beide rasch näher – ganz so wie es die Logik der romantischen Komödie von ihnen verlangte. „Einmal ist keinmal“ dreht diese Rollenverteilung einfach um. Hier ist es die Frau, die den nicht allzu gesetzestreuen Mann jagt. Katherine Heigl scheint dafür eine patente, aber auch recht naheliegende Wahl, schließlich ist sie wie ihre Kollegin Jennifer Aniston auf Liebeskomödien abonniert. Fast könnte man sie zu ihrer Nachfolgerin küren. An Heigls Seite agiert der bislang vor allem für Serien besetzte Jason O’Mara. Mit Dreitagebart, durchtrainiertem Body und manch flottem Spruch gibt er die recht offensichtliche Gerald-Butler-Kopie.

Die Story von „Einmal ist keinmal“ ist im übrigen schnell erzählt. Ohne Job und ziemlich pleite sucht Heigls Stephanie Plum dringend eine neue Arbeit. Dank der Fürsprache ihrer überfürsorglichen Eltern kann sie bei ihrem Vetter als Kautionsdetektivin die Krankenvertretung übernehmen. Als sie in das Angebot einwilligt, weiß sie weder, was genau von ihr verlangt wird, noch ahnt sie, dass ihr erster Fall sie ausgerechnet auf die Fährte ihrer Jugendliebe Joe Morelli (O’Mara) führen soll. Eigentlich wollte sie mit ihrem Ex nie mehr etwas zu tun haben. Am Ende hat Stephanie aber keine Wahl. Die Aussicht auf ein üppiges Salär lässt sie ihren guten Vorsatz leicht vergessen und so kommt es schon bald zum Wiedersehen mit dem Ex-Partner unter zugegeben nicht ganz normalen Umständen.

Erwähnenswerter als die sehr überschaubare Geschichte mit ihren üblichen Verwicklungen ist das Zustandekommen des Films. Fast sechzehn Jahre stand die Kinoumsetzung des populären Romans von Janet Evanovich auf der Kippe. Die ersten Drehbuchentwürfe konnten Produzentin Wendy Finerman allesamt nicht zufriedenstellen. Zeitweilig war statt des Kinofilms sogar eine Fernsehserie im Gespräch. Da Evanovichs Heldin längst Teil einer Bestsellerreihe war, schien der Gedanke keineswegs abwegig. Erst als Liz Brixius – bekannt für ihre Arbeit an der TV-Serie „Nurse Jackie“ – die Autorenrolle übernahm und mit Julie Anne Robinson die passende Regisseurin gefunden wurde, erhielt das Projekt endgültig grünes Licht.

Dass sich in diesem Fall nahezu alle wichtigen Funktionen fest in Frauenhand befanden, merkt man „Einmal ist keinmal“ gleichwohl nur sehr eingeschränkt an. In Wahrheit bestätigt die mit einigen Whodunit-Elementen ausgeschmückte Geschichte lediglich die an sie gestellten Erwartungen. Hierzu gehört eine sympathisch-naive Heldin, deren Frauenpower zunächst emanzipatorisch geweckt werden muss. Männer sind hier wahlweise liebenswerte „Bad Boys“ – wie O’Maras weichgespülter Schurke – oder ganz einfach ziemlich sonderbar. Erstaunlich ist allein, dass zwischen manchen Albernheiten und dem sich eher gemächlich entwickelnden Kriminalplot so wenig Platz für romantische Zweisamkeit bleibt. Ob das der Zielgruppe gefällt?

Marcus Wessel

„Einer für Geld“ heißt der Originaltitel übersetzt, und darum geht es. Stephanie Plum – bekannt aus Janet Evanovichs Bestseller-Reihe – lässt sich nämlich als sogenannter Kautionsdetektiv anheuern. Die sind zwar keine Polizisten, aber hinter Kriminellen her, die sich beispielsweise dem Richter nicht stellen wollen, eine Strafe nicht absitzen oder ihre Schulden nicht bezahlen.

Stephanie ist so was von pleite, also muss sie Gauner schnappen. Immerhin sind für einen schweren, erfolgreich abgeschlossenen Fall 10 000 Dollar drin. Was die Sache erschwert: Sie hat so etwas noch nie getan.

Und bei ihrem ersten Fall handelt es sich ausgerechnet um ihre einstige Jugendliebe Joe Morelli. Also psychisch schwierig; es wird denn auch ein Katz-und-Maus-Spiel. Morelli soll einen Menschen getötet haben, wird gemunkelt; doch selbst Stephanie ist sich ziemlich sicher, dass dies nicht der Wahrheit entspricht.

Sie ist auf Hilfe angewiesen: durch Ranger, einen Kopfgeldjäger, der ihr das Schießen beibringt; oder durch die farbige Prostituierte Lula, die ihr im Austausch gegen Essen Informationen zusteckt; ziemlich schwer tut sich Stephanie mit dem grobschlächtigen Boxer Benito Ramirez.

Wenigstens hat sie noch ihre Familie – mit Oma (nach langen Jahren Debbie Reynolds wieder auf der großen Leinwand). Da findet sie ein wenig Ruhe von ihren hektischen Verfolgungsdiensten.

Eine Mischung aus Krimi, Actiondrama und Komödie – mit durchschnittlicher Handlung, schnellem Tempo, romangetreuer Ausstattung und bestens gewählten locations (die literarische Vorlage spielt im Arbeiterviertel von New Jersey). Regie und Schnitt sind lebhaft und sorgfältig.

Dominierend, den Film wesentlich ausmachend ist die aparte – für eine Detektivin fast etwas zu schöne – Katherine Heigl. Sie spielt perfekt, elegant, mit schneller Auffassung der kritischen oder gefährlichen Situationen, dazu sexy als Dreingabe.

Die übrigen Beteiligten wie Joe Morelli (Jason O’Mara), der Ranger (Daniel Sunjata) oder die Großmutter (Debbie Reynolds) tun ihr Bestes.

Leichte, aber anschauliche Hollywood-Unterhaltung.

Thomas Engel