Elephant King, The

Das im Norden Thailands gelegene Chiang Mai ist Schauplatz von Seth Grossmans US-thailändischem Drama. Ihn ihm tauchen zwei in ihrem Charakter sehr unterschiedliche amerikanische Brüder in das touristische Partyleben der Stadt und berichtet der Langfilmdebütant von den fatalen Folgen, die der ausschweifende Lebensstil auf beide hat. Untermalt von einem modernen Soundtrack und vor allem einem Blick durch die Brille der Einheimischen zeigt „The Elephant King“ auch die Kehrseite eines Exotentourismus auf.

Webseite: www.elephantking.de

USA/Thailand 2006
Regie: Seth Grossman
Mit: Tate Ellington, Jonno Roberts, Florence Faivre, Ellen Burstyn, Josef Summer, Pawalit Mongkolpisit, Debra Azar
90 Minuten
Verleih: MaXXimum Film www.maxximumfilm.com (Start am 22.5.08)

PRESSESTIMMEN:

…auf film-zeit.de

FILMKRITIK:

Zurück in seine Heimat USA zu kehren, daran denkt Jake (Jonno Roberts) nicht im Traum. Warum auch, schließlich hat er dort horrende Schulden und müsste sich dem Gericht stellen. In Thailand hingegen feiert er ein ausschweifendes und rauschhaftes Leben mit jeder Menge Drinks, Drogen und Mädels. Zuhause hingegen ist die Existenz der langsam das Rentenalter erreichenden Eltern durch die Eskapaden ihres Ältesten bedroht. Mutter Diana (Ellen Burstyn) bittet daher ihren zweiten Sohn Oliver (Tate Ellington), Jake zur Heimkehr zu bewegen. Dass der als depressiv geltende Oliver ihr kurze Zeit nach seiner Ankunft in Südostasien dann in einem kurzen Telefonat mitteilt, selber auch in Thailand bleiben zu wollen, ist für die Mutter dann erst einmal ein Schock. Oliver weiß da aber noch nicht, dass das junge, in einer der vielen Touristenbars Chiang Mais arbeitende Thaimädchen Lek (Florence Faivre), in das er sich verliebt hat, von Jake bezahlt worden ist, um ihn zu bezirzen.

Man ahnt aufgrund des exzessiven Lebensstils von Jake und der depressiven Veranlagung von Oliver schon sehr früh, dass die Geschichte des ungleichen Brüderpaars kein gutes Ende nehmen wird. Zu verloren, zu uneinsichtig, zu egoistisch verhält sich der ältere Jake im Glauben, als Dollar-betuchter Ausländer in Thailand das Paradies gefunden zu haben. Ein Leben, das freilich nur so lange funktioniert, wie noch Geld vorhanden ist. Der seinen Bruder bewundernde Oliver, daheim ein depressiver Schriftsteller, der sich als Tellerwäscher seine Brötchen verdient und ansonsten kontaktscheu (besonders jungen Frauen gegenüber, die seine Mutter ihm quasi auf dem Tablett serviert) ist, hat nach der Ankunft in Chiang Mai gar keine andere Wahl, als sich auf das dekadente und prollige Leben des vergnügungssüchtigen Jake einzulassen. Nach der ersten Wohlfühlpille ist auch er berauscht vom coolen Leben.

Als Beispiel für die Ignoranz gegenüber ihrem Umfeld und ihrer Umwelt hat dann auch der titelgebende Elefant seinen Auftritt. Jake kauft ihn einem Händler aus einer Laune des „Mir gehört die Welt“-Gefühls ab, was zu Problemen und Verschmutzungen größeren Ausmaßes in der Low-Budget-Wohnanlage führt. Der protestierenden Vermieterin steckt Jake einfach ein paar thailändische Baht-Scheine zu, ebenso wie er in einer Bar dem Musiker Daeng (der seinerseits von einer Zukunft mit Lek träumt) mit Geld zur Darbietung weiterer Songs zwingen will. Am Kern der jeweiligen Probleme ändert dieses Verhalten nichts.

In Momenten wie diesen nimmt Grossman durchaus die Perspektive der Einheimischen ein, zeigt, wie machtlos sie gegenüber dem respektlosen Verhalten von Touristen, ohne die sie aber kein Auskommen hätten, sind. Auch dass Lek sich für ihr Verhältnis zu Oliver bezahlen lässt, hier also nur im Auftrag und pragmatisch handelt, illustriert das Dilemma. Sich im Tuk-Tuk durch die Straßen Chiang Mais kutschieren zu lassen ist dabei ein schönes Bild für die Rolle des Touristen: er ist hier König. Doch das unweit dem Goldenen Dreieck zu Birma und Laos gelegene Chiang Mai ist mit seinen alten Tempeln und der durch eine die Altstadt umgebende Stadtmauer aus Backstein nicht nur ein exotischer Ort, sondern auch Symbol für eine Welt, in der Religion (Buddhismus) und tägliches Leben eng miteinander verbunden sind.

In seiner Bildgestaltung gibt sich Seth Grossman so aufgekratzt wie der von einer Lebensgier erfasste Jake. Mit wackeliger und rastloser Kamera, schnellen Schnitten und vor allem einem atmosphärisch dichten Soundkonzept (Komposition: Adam Balasz, Songs von Yo La Tengo und Grandaddy) erzeugt „The Elephant King“ ein Gefühl von Rausch und Unheil verkündender Erwartung, ein wenig auch von Tristesse. Mit insbesondere bemerkenswerten darstellerischen Leistungen   von Tate Ellington, dem in New York lebenden thailändischen Fotomodell Florence Faivre und Ellen Burstyn gehört „The Elephant King“ zu jenen Filmen, die einen in eine exotische Welt entführen, deren Schattenseiten jedoch auch nicht ausblenden.

Thomas Volkmann

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Jake und Oliver sind Brüder. Allerdings Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jake, früher Anthropologe, ist dem Leben in New York und seinen Schulden entflohen und hat sich nach Thailand abgesetzt. Dort frönt er lieber dem freien Leben, dem Sex, den Partys und dem Saufen.

Oliver lebt zuhause, versucht sich als Schriftsteller, ist depressiv und wäre fast schon den Schlaftablettentod gestorben. Jake lädt ihn nach Thailand ein. Die Eltern lassen ihn ziehen in der Hoffnung, er könne Jake dazu überreden, wieder nach Hause zu kommen.

Oliver in Thailand. Anfangs ist er verschüchtert, unbeteiligt. Doch dann lässt er sich darauf ein, wie Jake zu leben. Er trifft auf die schöne Lek, verliebt sich in sie, begehrt sie. Dass sie in erster Linie auf Geld aus ist, dass Jake sie angeheuert hat, um seinem Bruder das Leben zu verschönern und dass Lek ihn nicht liebt, weiß Oliver lange nicht. Jakes ausschweifendes Leben kann kein gutes Ende nehmen und tut es auch nicht. Oliver wird ernüchtert wieder zurückkehren.

Die Thematik sowie die Problemstellung dieses Film sind vielleicht nicht besonders aufregend, dafür alles andere: die darstellerische Leistung der beiden Brüder (Tate Ellington als Oliver und Jonno Roberts als Jake), das typische, üppige, rasante Thailand-Leben, die aparte Florence Faivre als Lek, das parabelhafte Umgehen mit dem kranken Elefanten und nicht zuletzt das indirekte politische Statement des Regisseurs Seth Grossman, der sagt:

„Oliver und Jake personifizieren die Vorgehensweise der amerikanischen Außenpolitik. Wie die Brüder sich des Elefanten annehmen, reflektiert die Art und Weise, wie Amerika sich der ganzen Welt annehmen möchte. Seinen Weg in einer fremden Kultur kann man nur finden, wenn man sie versteht. Aber wenn wir noch nicht einmal den Versuch unternehmen, sie zu verstehen, kann das Ergebnis nur verhängnisvoll sein.“

Thomas Engel