Erlösung

Keiner lehrt uns immer wieder so das Fürchten wie die Skandinavier. Die Krimis aus dem Norden haben nach wie vor Konjunktur. Erneut führt die fulminante Verfilmung des dritten Kult-Bands von Jussi Adler-Olsen den Zuschauer mitten hinein in die düstere Welt des Kopenhagener Kommissars Carl Mørck aus dem legendären Sonderdezernat Q, grandios gespielt von Nikolaj Lie Kaas („Illuminati“). In dem dicht inszenierten, rasanten Thriller ermitteln der wortkarge, impulsive Noir-Cop und sein genialer Assistent Assad im Umfeld religiöser Sekten, um entführte Kinder aufzuspüren. Mit Fares Fares als gewitzten, warmherzigen Assad bekommt der actionreiche Noir-Krimi streckenweise Züge eines Buddy-Movies.

Webseite: www.erloesung-derfilm.de

Dänemark, 2016
Regie: Hans Petter Moland
Drehbuch: Nikolaj Arcel
Darsteller: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Johanne Louise Schmidt, Jakob Oftebro, Pål Sverre Hagen, Amanda Collin, Jacob Lohmann, Jasper Møller Friis, Olivia Terpet, Louis Sylvester Larsen.
Länge: 112 Minuten
Verleih: NFP, Vertrieb: Warner Bros.
Kinostart: 9. Juni 2016
 

FILMKRITIK:

Kopenhagen, Sonderdezernat Q. Ein staubiges Kellerbüro im Polizeipräsidium voll vergessener Akten. Traumatisiert, von den Vorgesetzten aussortiert, muss der erfahrene Kommissar Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) dort immer noch Aktenverschieben. Gemeinsam mit dem aus Syrien stammenden Kollegen Assad (Fares Fares) und Kollegin Rose Knudsen (Johanne Louise Schmidt)  soll er eigentlich ungelöste Fälle durchsehen. Doch seit Tagen ist der wortkarge Einzelgänger nicht zum Dienst erschienen. Nach wie vor lähmen ihn Schuldgefühle. Grund: Bei einem missglückten  Einsatz wird ein  Kollege erschossen, ein anderer ist danach querschnittsgelähmt.

Als ihn sein Kollege Assad endlich auftreibt, verbeißen sich die beiden in einen neuen, mysteriösen Fall. Nachdem eine verwitterte Flaschenpost auf ihrem Schreibtisch landet, stehen sie vor einem Rätsel. Darin befindet sich eine Botschaft – geschrieben mit menschlichem Blut. Es ist das scheinbar letzte Lebenszeichen zweier Jungen, deren Entführung schon etliche Zeit zurückliegt. Doch warum haben die Eltern dieser Kinder sie nie als vermisst gemeldet? Besteht die Möglichkeit, dass die Jungen noch am Leben sind?  Läuft der perfide Täter etwa weiterhin unentdeckt herum?

Mit seinem untrüglichen Instinkt verfolgt Mørck  jede noch so winzige Spur. Und bald kommt das ungleiche Duo hinter ein schreckliches Geheimnis. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, bei dem auch ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht. Schlag auf Schlag drängt die fesselnde Handlung vorwärts. Bereits vor den fieberhaften Nachforschungen zeigen Szenen Taufrituale einer freikirchlichen, religiösen Sekte. Dazwischen eine Landidylle mit blühenden Rapsfeldern auf Jütland. Eine Paralleldramaturgie, deren Sinn sich nach und nach erschließt. Flashartige Rückblenden vermitteln zudem einen beklemmenden Einblick in ein grausames Täterschicksal.

Nervenzerreißend inszeniert der norwegische Regisseur Hans Petter Moland (“Einer nach dem anderen”) dieses temporeiche, heftige Stimmungstableau  eines skandinavischen Noir-Krimis. Dabei kann er sich voll auf seine beiden exzellenten Hauptdarsteller Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares verlassen, die ihren Figuren eindeutiges Profil verleihen. Der 42jährige Däne Nikolaj Lie Kaas prägte bereits Lars von Triers „Idioten“ oder Susanne Biers „Open Hearts“. Ihm bietet Fares Fares, bekannt aus der schwedischen Komödie „Jalla! Jalla!“, als Sidekick, einen, sympathisch, entspannten Gegenpol. Nicht zuletzt dadurch trägt der atmosphärisch, dichte Thriller streckenweise Züge eines Buddy-Movies. Auch wenn „Erlösung“ die gesellschaftskritische Vielschichtigkeit einer Stieg-Larsson-Verfilmung fehlt, überzeugt das actionreiche, um einen eigenen Stil bemühte Genrekino voll und ganz.

Luitgard Koch